«Paradigmenwechsel»: Bundesrat will nachhaltigere Landwirtschaft
Bundesrat Parmelin will die Landwirtschaft mit mehr Eigenverantwortung der Bauern bei gleichbleibenden Subventionen klimatauglich machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bundespräsident Guy Parmelin präsentiert die Agrarpolitik ab 2030 (AP30+).
- Es sei ein «Paradigmenwechsel»: Mehr Eigenverantwortung für Bauen und ein Fokus auf Klimawandel.
Die Arbeiten an der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) waren schon längst im Gang, als Hitze und Hagel die Bauern in Nöte brachten. Nun präsentiert Wirtschaftsminister und Bundespräsident Guy Parmelin die Vorschläge des Bundesrats: Wie soll die Landwirtschaft der Zukunft aufgestellt sein?
13,8 Milliarden und mehr Eigenverantwortung
Der Bundesrat will mit der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) die Ernährungssicherheit der Schweiz erhöhen. Er beantragt beim Parlament dafür 13,8 Milliarden Franken für die Jahre 2030-2033. Landwirtinnen und Landwirte sollen mehr unternehmerischen Handlungsspielraum erhalten. Gleichzeitig soll ein Fokus auf der Ressourceneffizienz liegen.
Die Landwirtschaft soll zudem mehr Verantwortung übernehmen für ein ökologisches, wirtschaftliches und soziales Ernährungssystem. Also mehr Nachhaltigkeit – aber nicht alleine, sondern neu zusammen mit der Lebensmittelindustrie, dem Detailhandel und den Konsumierenden. Wirtschaftsminister Guy Parmelin mahnt nach dem Hitzesommer: «Was heute eine Ausnahme ist, könnte bald zur Regel werden.»

Oder, wie es im erläuternden Bericht heisst: «Insbesondere Massnahmen zur Verbesserung der Produktivität sowie für Anpassungen an den Klimawandel und die Reduktion der unerwünschten Auswirkungen auf die Umwelt sollen verstärkt unterstützt werden.»
Weniger Regeln, mehr Ergebnisse
Der Bundesrat bezeichnet dies als «Paradigmenwechsel». In vier Bereichen sind Massnahmen vorgesehen.
Erstens soll der administrative Aufwand für die Bauern reduziert und im Gegenzug ihr Handlungsspielraum vergrössert werden. Direktzahlungen sollen neu an konkreten Ergebnissen ausgerichtet werden, statt an der Einhaltung bestimmter Abläufe. Den Aufwand reduzieren soll auch die Digitalisierung.
Klimawandel ist Thema
Zweitens sollen die Märkte genauer beobachtet, bestimmte Bereiche aber auch zusätzlich unterstützt werden. Zu diesen gehört der «Bereich Milch», aber auch «pflanzlichen Kulturen zur direkten menschlichen Ernährung». Für den Bundesrat sind auch Zielvorgaben für pflanzliche Proteine denkbar, also etwa Linsen oder Lupinen. Dies könne zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft beitragen.
Dritter Massnahmenbereich sind die Produktionsgrundlagen und Ressourceneffizienz. Dazu zählen nachhaltige Technologien und der Schutz von Kulturen, Nützlingen und Insekten. Denn: «Damit werden die Landwirtschaftsbetriebe auch in ihrer Anpassung an den Klimawandel unterstützt», heisst es in der Medienmitteilung.
Im vierten Bereich will der Bundesrat die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette fördern. Dies soll mit Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel und der Sensibilisierung der Konsumentinnen und Konsumenten erreicht werden. Ziel ist ein nachhaltigeres Ernährungssystem, ausgewogen und «mit Schweizer Qualitätsprodukten». Auch hier will der Bundesrat darauf setzen, dass die Akteure selbst mehr Verantwortung wahrnehmen.












