Gesetz

    Mit Nein zum Covid-Gesetz droht Chaos um neue Entscheide

    Christof Vuille
    Christof Vuille

    Bern,

    Im Juni entscheidet die Bevölkerung über das Covid-Gesetz. Offiziell nur über die «Version» vom September 2020. Doch die Ausgangslage hat kuriose Konsequenzen.

    Coronavirus Covid Gesetz Berset
    Bei einem Nein zum «alten» Covid-Gesetz fallen laut Bundeskanzlei auch die «neuen» Regeln weg. Das sorgt für Komplikationen. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Gegen das Covid-Gesetz wurde das Referendum ergriffen, im Juni wird darüber abgestimmt.
    • Doch ein Nein zum Gesetz hätte chaotische Konsequenzen für die Schweiz.
    • Unter anderem stünden die Härtefallmassnahmen auf der Kippe.

    Für die «Freunde der Verfassung» ist der Fall klar: Das Covid-Gesetz, welches Details zum Umgang mit der Pandemie regelt, ist verfassungswidrig. Dieser Ansicht sind zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.

    covid-19-gesetz
    Die «Freunde der Verfassung» demonstrierten auf dem Bundesplatz gegen die Corona-Massnahmen des Bundes. - keystone

    Innert kurzer Zeit sammelte die erst im August gegründete, staatskritische Gruppe 90'000 Unterschriften. Damit verbuchen die Aktivisten den Erfolg, dass die Bevölkerung am 13. Juni über den umstrittenen Corona-Erlass entscheiden kann.

    Separate Referenden für verschiedene Gesetzesfassungen

    Nur: Worüber entscheidet das Stimmvolk eigentlich genau? Selbst im Bundeshaus ist das vielen nicht ganz klar. Denn seit der Lancierung des Referendums kam es zu Anpassungen des Gesetzes. Und in der aktuellen Frühlingssession dürften noch weitere Massnahmen Eingang ins Regelwerk finden.

    Nationalrat Covid-Gesetz
    Die Mitglieder der Grossen Kammer erheben sich kurz nach der Gesamtabstimmung zum Covid-19 Gesetz, an der Wintersession der Eidgenössischen Räte, am Dienstag, 1. Dezember 2020 im Nationalrat. - Keystone

    So möchte etwa die Ratsrechte festschreiben, dass Restaurants am 22. März öffnen dürfen. Oder, dass die wissenschaftliche Corona-Task-Force die Entscheide des Bundesrats nicht mehr kommentieren darf.

    Die Bundeskanzlei stellt auf Anfrage von Nau.ch erstmals klar: Gegenstand der Abstimmung ist die Vorlage vom 25. September 2020. «Die Änderung vom Dezember untersteht separat dem Referendum, ebenso die Änderungsvorlage, die in der laufenden Session behandelt wird», sagt Sprecher Urs Bruderer.

    Gesetzesänderungen würden wegfallen

    Dennoch: Sollte die Bevölkerung das Covid-Gesetz ablehnen, fielen auch «neue» Regeln weg. «Da der Grunderlass bei einer Ablehnung in der Volksabstimmung wegfallen würde, könnten die Änderungen ebenfalls nicht mehr weiterbestehen, da sie sich auf den Grunderlass beziehen», erklärt Bruderer.

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    Politologe Claude Longchamp im Gespräch mit Nau.ch über die «Freunde der Verfassung». - Nau.ch

    Für Gegner der aktuellen Corona-Politik führt das zu einer verzwickten Situation. Einerseits möchten sie dem Bundesrat mit einem Nein einen Denkzettel verpassen. Andererseits könnten damit Regeln wegfallen, die sie eigentlich begrüssen. So etwa einen möglichen Maulkorb für die Task Force.

    Martin Ackermann Coronavirus
    Martin Ackermann, Präsident der National COVID-19 Science Task Force, an einem Point de Presse zum Coronavirus. - Keystone

    Umgekehrt könnte die kuriose Ausgangslage auch für Linke ein Dilemma darstellen. Denn sie hätten mit einem Nein die Chance, womöglich unliebsame Regelungen der Bürgerlichen zu versenken. Gleichzeitig fielen aber auch «erwünschte» Regelungen weg.

    Covid-Gesetz Mitte September ausser Kraft

    Im Falle eines Neins würde das Monstergesetz nämlich am 25. September 2021 ausser Kraft treten. «Damit würde die gesetzliche Grundlage für die darauf abgestützten Unterstützungsleistungen entfallen», so Bruderer von der Bundeskanzlei.

    CORONAVIRUS Ueli Maurer
    Bundesrat Ueli Maurer spricht an einer Medienkonferenz über die Finanzen des Bundes während der Coronakrise. - Keystone

    Konkret geht es unter anderem um die Vereinfachung der Kurzarbeit, die Härtefallhilfen für Unternehmen oder die Unterstützung von Kultur und Sport. Um diese fortführen zu können, «müssten Bundesrat und Parlament zuerst eine neue Gesetzesgrundlage schaffen».

    Wie werden Sie beim Entscheid über das Covid-Gesetz abstimmen?

    Die nächsten drei Wochen werden zeigen, in welche Richtung sich das Gesetz bewegt. Unabhängig davon dürfte aber auch die weitere Entwicklung der Fallzahlen und der daran gekoppelten Massnahmen einen massiven Einfluss auf die Stimmabsichten haben.

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