Mercosur

    Mercosur-Abkommen soll mit Millionen für Bauern abgefedert werden

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Bern,

    Das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten soll mit einem Kompromiss im Schweizer Parlament doch noch zum Fliegen kommen. Die zuständige Ständeratskommission beantragt für die Landwirtschaft flankierende Massnahmen im Umfang von einer halben Milliarde Franken.

    Der Nationalrat genehmigte in der Sommersession das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den Mercosur-Staaten nicht. Nun bringt die zuständige Ständeratskommission einen Kompr...
    Der Nationalrat genehmigte in der Sommersession das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den Mercosur-Staaten nicht. Nun bringt die zuständige Ständeratskommission einen Kompr... - KEYSTONE/ANTHONY ANEX

    Der Nationalrat hatte das Abkommen im Juni mit relativ knappem Mehr abgelehnt, nach lebhaften Redegefechten. Für die Landwirtschaft beantragte eine starke Minderheit der grossen Kammer einen Verpflichtungskredit von 880 Millionen Franken für die Jahre 2028 bis 2035. Das war weit mehr als die 158 Millionen Franken, um die der Bundesrat die Landwirtschaftssubventionen erhöhen will. Der Rat sagte mit knappem Mehr Nein dazu.

    Nun versucht es die Aussenpolitische Kommission des Ständerats (APK-S) mit einem Kompromiss: Mit 9 zu 4 Stimmen hat sie den Bundesrat aufgefordert, für den Zeitraum 2028 bis 2033 zusätzliche 517 Millionen Franken zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Agrarbetriebe vorzusehen, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten.

    480 Millionen Franken sind für Investitionskredite und 37 Millionen Franken für die Absatzförderung vorgesehen, ein Teil davon für die Förderung von Landwirtschaftsexporten. Zudem sollen die Strukturverbesserungsbeiträge mindestens auf dem Niveau des Voranschlags 2026 belassen werden.

    Linke Anträge erfolglos

    Mit 9 zu 4 Stimmen abgelehnt hat die APK-S dagegen einen Antrag, die Einfuhr von Waren zu verbieten, die ganz oder teilweise in Zwangsarbeit hergestellt wurden. Dieser Antrag sah unter anderem erweiterte Untersuchungsbefugnisse, vorläufige Einfuhrverbote in begründeten Verdachtsfällen, die Veröffentlichung von Hochrisikofällen und wirksame Rechtsmittel vor.

    Nein sagte die Kommission weiter dazu, dass der Bundesrat die Vorgaben der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) übernimmt. Das sollte verhindern, dass Produkte, für deren Herstellung Wälder zerstört werden, in die Schweiz importiert werden.

    Ausgehandelt haben das Abkommen die Efta-Staaten Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Es soll den Zugang zu einem Markt mit rund 270 Millionen Einwohnern öffnen. 2024 betrugen Schweizer Exporte in die Mercosur-Staaten über 4 Milliarden Franken.

    96 Prozent der Schweizer Ausfuhren sollen zollfrei werden. Die Schweiz gewährt den Mercosur-Staaten 25 bilaterale Importkontingente für Agrarprodukte, darunter Fleisch und Wein. Die meisten Kontingente sind beschränkt, und die Schweiz kann sie autonom bewirtschaften. Gerechnet wird mit Zoll-Einsparungen in Höhe von rund 155 Millionen Franken im Jahr.

    Weitere Hürden kommen

    Als Nächstes ist der Ständerat am Zug. Er berät die Vorlage in der Herbstsession. Angesichts der klaren Stimmenverhältnisse in der APK-S dürfte der Kompromissvorschlag dort durchkommen. Danach wäre wieder der Nationalrat am Zug. Überzeugt die neue Lösung auch dort, wäre die letzte Hürde wohl noch nicht geschafft.

    Linke Organisationen und die Grünen sind mit dem Kompromissvorschlag nämlich alles andere als zufrieden. «Ohne konkreten Schutz des Regenwaldes und verbindliche Tierschutzstandards werden die Grünen das Referendum gegen diese klimaschädliche Vorlage ergreifen», hiess es in einer Stellungnahme nach den Kommissionsentscheiden.

    Auch für die Allianz gegen Regenwald-Abholzung ist klar, dass mit dem vorliegenden Handelsabkommen nicht wirksam gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung vorgegangen werden könne, wie sie mitteilte. Sehe das Parlament von griffigen Massnahmen gegen Zwangsarbeit und Entwaldung ab, prüfe die Allianz wie beim Malaysia-Abkommen ebenfalls eine Unterschriftensammlung.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #5529 (nicht angemeldet)

    Unsere Politiker fallen uns überall in den Rücken und verkaufen uns nicht zum ersten mal zum Nulltarif sondern zu Strafabgaben. Was soll ein MERCOSUR-Abkommen wenn der Bürger mittels Steuern auf über 500 Millionen Franken Strafabgaben verpflichtet wird ohne ein Wort dazu sagen zu dürfen? Die Bauern und ihre Lobby können sich anscheinend alles leisten ohne dass der Bürger darüber informiert oder befragt wird, geschweige darüber abgestimmt wird. Was soll das? Es reicht endgültig!

    User #5236 (nicht angemeldet)

    Die Millionen an zusätzlichen Steuereinnahmen durch verbesserten Marktzugang in die Mercosur Staaten werden 1:1 an die Bauern umgeleitet. Wieso ist der Bund / die Wirtschaft überhaupt noch an Freihandelsabkommen interessiert?! Aktuell haben wir eine zu grosse Wein- und Fleischproduktion in der Schweiz. Richtig wäre eine Mengenanpassung. Statt Selbstkritik wird dem FH Abkommen die Schuld gegeben. Ein ganz schwacher Zug unserer Bauern!

    Weiterlesen

    Gewalt Schwanger
    419 Interaktionen
    Baby «Konkurrent»
    Salt
    55 Interaktionen
    «Verpflichtet»

    MEHR MERCOSUR

    Flávio Bolsonaro
    4 Interaktionen
    Zürich
    Regenwald
    9 Interaktionen
    Bern
    Lisa Mazzone
    545 Interaktionen
    Lisa Mazzone
    Amazonas
    5 Interaktionen
    Abkommen

    MEHR AUS STADT BERN

    National League
    1 Interaktionen
    Biel verliert kurios
    parkplatz bussen altersheim
    3 Interaktionen
    Aufgepasst
    YB
    7 Interaktionen
    Statistik zeigt