Krankenkassen

    Krankenkassen: So will die Politik die Prämien in den Griff kriegen

    Miguel Pereiro
    Miguel Pereiro

    Bern,

    Die Prämien der Krankenkassen dürften in diesem Jahr wieder stark ansteigen. Die Politik will diesen Trend endlich durchbrechen – jede Partei mit eigenen Ideen.

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    Eine Person scannt die Karte einer Krankenkasse in einer Apotheke. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Anstieg der Krankenkassen-Prämien beschäftigt die Politik seit Jahren.
    • SP und Mitte haben dazu je eine eigene Initiative lanciert.
    • FDP-Dobler dazu: «Einfach jemand anders zahlen lassen, löst das Problem nicht.»

    In den letzten 25 Jahren mussten die Schweizer jährlich einen Anstieg der Krankenkassen-Prämien von rund 3,7 Prozent hinnehmen. Die Gesundheitskosten sind derart hoch, dass das Thema regelmässig auf dem Podest des Sorgenbarometers landet.

    Nach den letzten zwei Ausnahmejahren – 2022 sind die Prämien sogar leicht gesunken – droht nun der nächste Prämienschock. Gemäss Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly könnten viele Versicherte 2023 mit Prämienerhöhungen von über zehn Prozent konfrontiert werden. Im Schnitt rechnet er mit einem Anstieg der Grundversicherungsprämien von 5,7 Prozent.

    Krankenkassen
    Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly rechnet mit einem erneuten Anstieg der Krankenkassen-Prämien. - Keystone

    Die Politik ringt bereits seit Jahren nach Lösungen, um die Gesundheitskosten zu senken und die Krankenkassen zu entlasten.

    SP setzt auf Prämienentlastungs- und Kostenbremse-Initiative

    «Der SP macht es grosse Sorgen, dass für 2023 ein wuchtiger Prämienschock droht», sagt SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer auf Anfrage. «Neben den explodierenden Prämien der Krankenkassen belasten steigende Mieten und Nebenkosten das Portemonnaie von vielen Familien und Einzelpersonen.»

    Mattea Meyer Krankenkasse
    SP Co-Präsidentin Mattea Meyer, SP-ZH, wartet auf ihren Einsatz, am ersten Tag der Frühlingssession der Eidgenössischen Räte, am 28. Februar 2022 im Nationalrat in Bern. - Keystone

    Deshalb setze die SP auf die Prämienentlastung-Initiative: «Diese zielt darauf ab, die Haushalte von steigenden Krankenkassenprämien zu entlasten und auf maximal 10 Prozent des Einkommens zu begrenzen. So kann die Belastung verringert werden und die Kaufkraft gestärkt.»

    Doch damit allein sei es nicht getan, denn der Prämienanstieg sei eine direkte Folge steigender Kosten. «Deshalb braucht es gezielte Kostendämpfungsmassnahmen. Aus diesem Grund unterstützt die SP den Gegenvorschlag zur Kostenbremse-Initiative der Mitte», so Meyer.

    Ruth Humbel (Mitte): «Die Verschwendung in unserem System ist gross»

    «Die Kostenbremse-Initiative braucht es, um bei allen Leistungserbringern die Sensibilität für die Kostenentwicklung und insbesondere für das Vermeiden unnötiger Kosten zu wecken und zu fördern», erklärt Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel.

    Die Verschwendung in unserem System sei gross. Eine Studie im Auftrag der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften habe allein wegen mangelnder Koordination vermeidbare Kosten von 3 Milliarden Franken festgestellt.

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    Ruth Humbel, Mitte-AG, spricht während der Debatte um die BVG-Reform, während der Wintersession der Eidgenössischen Räte, am Dienstag, 7. Dezember 2021, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) - Keystone

    «Ausserdem muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen endlich tatkräftig durchgesetzt werden, mit einem elektronischen Patientendossier, das sowohl für Versicherte wie für alle Leistungserbringer obligatorisch ist», so Humbel.

    Kantone sollen Krankenkassen bei ambulanten Leistungen entlasten

    Humbel sieht noch weiteren Handlungsbedarf: «Die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen (EFAS) ruht noch in der Kommission und muss endlich zu einem Abschluss gebracht werden.»

    diabetes mediziner
    Eine ambulante Pflegerin hilf einer alten Frau bei der Diabetes-Blutkontrolle. - dpa

    Gesundheitseinrichtungen sollen so viele Eingriffe wie möglich ambulant statt stationär durchzuführen, da diese viel günstiger sind. Doch aktuell werden ambulante Eingriffe vollumfänglich von den Krankenkassen (und somit den Prämienzahlern) bezahlt, bei stationären übernimmt der Kanton 45 Prozent der Kosten. Unter dem Strich steigen also die Prämien trotz tieferer Ausgaben – ein Problem, das «EFAS» beheben soll.

    Jörg Mäder (GLP): «Corona ist sicher nicht gratis»

    «Leider bin ich nicht überrascht», kommentiert GLP-Nationalrat Jörg Mäder die Prognose von Comparis. «Corona ist sicher nicht gratis.» Wie die Mitte fordert auch Mäder die Einführung von EFAS und Investitionen in die Digitalisierung, um mittelfristig die Kosten zu senken.

    Jörg Mäder Grünliberale glp
    Jörg Mäder, Nationalrat der Grünliberalen und Mitglied der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. - Nau.ch

    Mäder stossen ausserdem die Finanztätigkeiten der Krankenkassen mit ihren Reserven sauer auf: «Das Gesundheitssystem sollte sich aus den Prämien und staatlichen Beiträgen finanzieren und nicht über Renditen an den Kapitalmärkten, die man durch zu hohe Reserven erwirtschaften kann, oder eben auch nicht kann. Eine Krankenkasse ist keine Investitionsbank.»

    FDP sieht Ursache bei den steigenden Kosten und Mengenausweitung

    «Der Reserveabbau hat einen Effekt auf den Prämienanstieg, ist aber nicht die Ursache für die generelle Zunahme der Gesundheitskosten», sagt hingegen Marcel Dobler. Der FDP-Nationalrat sieht die Ursache bei den steigenden Kosten und der Mengenausweitung.

    Marcel Dobler
    Der St. Galler Nationalrat Marcel Dobler (FDP) spricht sich für die Anti-SRG-Initiative aus. - Keystone

    «Jüngstes gutes Beispiel vom Preisüberwacher sind die mehrfach höheren Preise für Laboranalysen in der Schweiz im Gegensatz zum Ausland. Niemand im Gesundheitssystem der Leistungserbringer hat ein Interesse an Kostensenkungen», kritisiert Dobler.

    Könnten Sie den Prämienanstieg von rund 5 Prozent verkraften?

    «Das Problem der steigenden Prämien der Krankenkassen muss man bei den Kosten und den Anreizen anpacken und nicht einfach jemand anders zahlen lassen, wie es die Linke fordert. Globalbudgets sind ebenfalls der falsche Weg», ist Dobler überzeugt.

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