Klimastreik

    Klimastreik befürwortet eine «grüne» Investmentbank

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Wie soll die Schweiz den Pfad zu Netto Null 2050 gestalten? Der Klimastreik ist bundesrätlichen Plänen gegenüber skeptisch, parlamentarischen schon weniger.

    Klimastreik Netto Null 2050
    Der Klimastreik steht den Plänen des Bundesrats für das Netto-Null-Ziel 2050 skeptisch gegenüber. CO2-Speicherung, wie beispielsweise bei Zementwerken (im Bild), seien nicht genügend. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Bis 2050 soll die Schweiz klimaneutral sein, also netto null Treibhausgase ausstossen.
    • Dafür sollen CO2-Speichertechnologien und analoge Lösungen gefördert werden.
    • Der Klimastreik bevorzugt aber eine grüne Investmentbank, wie im Parlament vorgeschlagen.

    Wie soll die Schweiz ihre Emissionen mindern? Diese Frage beschäftigt Wirtschaft, Finanzplatz, Wissenschaft und Politik schon seit einigen Jahren. Bis 2050 ist das Ziel eine komplett klimaneutrale Schweiz. Bundesrätin Simonetta Sommaruga strebt zudem als Zwischenziel eine Halbierung der Emissionen bis 2030 an.

    Simonetta Sommaruga Klimastrategie
    Die Bundesrätin und Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Simonetta Sommaruga. - Keystone

    Der Bundesrat möchte CO2-Speicher- und -Abscheidungstechnologien (CSS) sowie Negativemissionstechnologien (NET) vorantreiben. Insbesondere dort, wo Treibhausgase unvermeidlich sind, etwa bei der Kehrichtverbrennung oder Herstellung von Zement.

    Parlamentsmitglieder hingegen schlagen eine grüne Investmentbank vor, die solchen finanziell risikoreichen Technologien den ersten Anschub geben sollen: Der Bund soll Hauptinvestor sein, sich dann mit der Zeit aber zurückziehen.

    Wachstum grundlegend hinterfragen

    Beide Vorschläge haben das gleiche Ziel, aber werden in ihrer Wirksamkeit vom Klimastreik Schweiz unterschiedlich eingeschätzt. Samuel Lüthi, Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzplatz, hält den Vorschlag einer «Swiss Green Investment Bank» für sinnvoller.

    Fotovoltaik Landwirtschaft
    Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hofladens auf einem Feld des Spargelhofs der Jucker Farm, fotografiert am 30. März 2020 in Rafz, Kanton Zürich. - Keystone

    «Angesichts dessen, dass aufgrund der Klimakrise fast unsere ganze Wirtschaft umgebaut werden muss, ist die Idee sicher richtig», so Lüthi. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass grüne Technologien – wie etwa Fotovoltaik – beim Durchstarten etwas Hilfe benötigten. Ausreichend wäre die Bank aber nicht, um die Schweiz klimaneutral zu machen, sagt der ETH-Doktorand.

    Klimastreik SNB
    Klimaaktivisten und -aktivistinnen demonstrieren vor der Schweizerischen Nationalbank im April 2022. - Keystone

    Andere Institutionen, beispielsweise Pensionskassen oder die Nationalbank, würden immer noch Milliarden in Öl, Kohle und Gas investieren. Solche Investitionen müssten aus Sicht des Klimastreiks verboten werden. Und überhaupt müsse der Finanzplatz sich stark verändern, um grün zu werden.

    Wachstum Klimastreik Wirtschaft
    Wachsen heisst die Devise der Wirtschaft. Das ist mit dem Klima aber nicht vereinbar, sagt der Klimastreik. - Keystone

    «Grundsätzlich muss auch die Logik von Zins- und Zinseszins zwingend hinterfragt werden», erklärt Lüthi. «Denn dieser Zinsdruck impliziert ja ewiges Wachstum.» Solches Wachstum sei unter Berücksichtigung der «planetaren Grenzen» schlicht unmöglich, hält er fest. Eine grüne Finanzwelt sei aber unabdingbar, um die Wirtschaft «klimagerecht» zu gestalten.

    Negativemissionstechnologien «nur für letzte Kilometer des Marathons»

    Den Plan des Bundes betrachtet der Klimastreik eher skeptisch, sagt Lüthi weiter. Die Skalierbarkeit von Kompensation und Kompensationstechnologien sei nicht bewiesen. «Daher sollte man CCS und NET nicht als die Lösung sehen, sondern als kleinen Teil davon»: Betrachte man den Weg bis zu Netto Null als Marathon, seien solche Technologien wichtig «für den letzten Kilometer».

    CO2 Climework Filterung
    Diese Anlage von Climeworks in Hinwil AG filtert auf dem Dach einer Kehrichtverbrennungsanlage CO2 aus der Luft und speichert es tief unter dem Boden, wo es zu Gestein wird. Sie soll jährlic - Keystone

    Aktuell hätte die Schweiz den Marathon gar nicht gestartet, sondern laufe sogar in die falsche Richtung, führt der Klima- und Wetter-Doktorand aus. Deswegen sei erst einmal wichtig, weniger zu verbrauchen, damit weniger Kehricht verbrannt werden muss. Oder weniger neu zu bauen, damit weniger Zement hergestellt wird.

    Befürworten Sie einen grünen Finanzplatz?

    Falls aber der Bundesrat Negativemissionstechnologien einsetzen wolle, müsse er «unbedingt sicherstellen, dass sich die Krisenherde nicht einfach verschieben». Viele NET, warnt Lüthi, hätten einen grossen Einfluss auf die Biodiversität und Ökosysteme. Dafür bleibt noch genug Zeit, denn der Bund möchte das Thema erst Ende 2024 mit konkreten Vorschlägen angehen.

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