Wegen der hohen Temperaturen müssen AKWs die Leistung drosseln. Ein Steilpass für die Atomgegner und Klima-Aktivisten von Greenpeace.
AKW Beznau Flusswasser Kühlung
Das AKW Beznau wird mit Wasser aus der Aare gekühlt. - Daniel Werder/axpo.com
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das AKW Beznau, aber auch AKWs in Frankreich, haben wegen der Hitzewelle Probleme.
  • Dies zeige, dass Atomstrom nicht Klimakrise-tauglich sei, mahnt Greenpeace.
  • Nebst der Hitze bedrohten auch andere Klimagefahren die AKWs.

Die Hitzewelle lässt nicht nur Schienen schmelzen wie das Glacé an der Sonne. Sie wird zunehmend auch zum Problem für Atomkraftwerke. Das AKW Beznau musste seine Leistung drosseln, weil es sonst das für die Kühlung verwendete Flusswasser zu stark aufheizen würde.

Dabei wird Atomstrom stets beschworen als Bandstrom, der für die Versorgungssicherheit sorge. Nicht so wie die wetterabhängige Elektrizität aus Sonne oder Wind. Von hämischer Schadenfreude kann bei den Atom-Gegnern wie Greenpeace aber trotzdem keine Rede sein.

«Widerlegt die Propaganda»

Überrascht sei er nicht, sagt Florian Kasser, Atom-Experte beim Schweizer Ableger der Regenbogen-Krieger. Schliesslich sei es nicht das erste Mal, dass Beznau die Produktion wegen zu hoher Temperaturen drosseln müsse. Aber es sei ein Tatbeweis, dass gewisse Argumente nicht haltbar seien.

Florian Kasser AKW Beznau
Florian Kasser, Atom-Experte von Greenpeace Schweiz, fordert im Namen verschiedener Umweltschutz-Organisationen die sofortige Abstellung der AKWs Beznau I und II im August 2015 in Bern. - Keystone

«Es widerlegt die Propaganda, dass Atomstrom eine zuverlässige Quelle und eine Antwort auf den Klimawandel sei.» Doch Greenpeace-Experte Kasser sieht dies als Chance: «Das gibt uns Gelegenheit, endlich eine richtige Diskussion zu führen, wie wir die Stromzukunft regeln.»

Atomkraft von allen Seiten unter Druck

Denn Klimawandel und Atomkraft vertrage sich sehr schlecht. Einerseits sei die Hitze ein Problem, wie man in Frankreich sehe. Dort hat die Klimaerwärmung gleich bei acht Atomkraftwerken an drei Standorten für zu warmes Kühlwasser gesorgt.

Nur mit Ausnahmebewilligungen können sie weiter produzieren. Schliesslich sind bereits rund die Hälfte der französischen AKWs aus anderen Gründen ausgefallen.

AKW Golfech Frankreich Hitze
Blick auf die beiden Kühltürme des AKWs Golfech im Südwesten Frankreichs, welches aktuell nur dank Ausnahmebewilligung weiter Strom produziert. - Keystone

«Andererseits», zählt Kasser weiter auf, «die Zunahme von extremen Wetterereignissen: Überschwemmungen, Waldbrände, Tornados.» Diese, ebenfalls vom Klimawandel begünstigt, würden für die AKW-Sicherheit zum Problem.

Man sehe jetzt, dass diese Naturgefahren zunähmen. «Wir haben aktuell die massive Hitze, in drei Monaten kann es eine Überschwemmung sein.» Für die Zukunft der AKWs sieht Kasser deshalb schwarz; «Sie sind nicht Klimakrise-tauglich – das kommt noch zum Risiko der Radioaktivität hinzu.»

Werden AKW-Vorschriften aufgeweicht?

Dass, wie in Frankreich geschehen, die Behörden im Falle eines Falles beide Augen zudrücken, sieht Kasser durchaus als Gefahr. «Es ist in der Tat so: Gerade bei der Atomkraft werden sehr häufig die Grenzwerte plötzlich angepasst, um die Verfügbarkeit zu gewährleisten.»

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Das Nachsehen hätten dann die Sicherheit, die Gesundheit und die Ökosysteme. Zu warmes Flusswasser kann unter anderem ein Fischsterben auslösen. «Man stellt wirtschaftliche Überlegung über die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen», so der Vorwurf des Greenpeace-Campaigners.

Fischsterben Hitze Rhein
Aus dem Rhein gefischte, tote Fische werden in einer Entsorgungstonne gesammelt, am 6. August 2018 in Neuhausen SH. Wegen der hohen Wassertemperatur sterben die Fische, vor allem Äschen, in den warmen Gewässern. - Keystone

Solange nicht gleich alle AKWs wegen Hitze abgeschaltet werden, wovon kaum auszugehen sei, geht es nicht um wahnsinnig viel Strom. Dies, obwohl nicht nur AKWs mit Flusswasserkühlung von Hitze und Wassermangel betroffen sein können. Zusammengenommen könnten die gedrosselten Atomkraftwerke bis zu 10 Prozent weniger Strom produzieren, schätzt Kasser.

Das sei zu bewältigen: «Es gibt zahlreiche Bereiche, wo noch Strom verschwendet wird – es wäre spannend zu sehen, wie das Land damit zurechtkommt.» Klar scheint vorerst aber vor allem eins: «Das erste, was passieren wird, ist, dass die Preise rauf gehen werden.»

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