Die offiziellen Angaben irritieren: Je länger je weniger Intensivbetten werden ausgewiesen. Jetzt liegen erstmals Detailzahlen vor.
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Auf der Intensivstation braucht es pro Patient etwa fünf Pflegende. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Anzahl Intensivbetten und deren Auslastung ist elementar in der Pandemiebewältigung.
  • Immer wieder wurde den Behörden vorgeworfen, es seien Intensivbetten abgebaut worden.
  • Nun liegen erstmals Detailzahlen vor, die eine Überprüfung erlauben.
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Die Belastung der Spitäler, insbesondere der Intensivstationen, war über die ganze Pandemie-Dauer ein entscheidendes Kriterium. Seit Anfang Sommer ist es für den Bundesrat fast zum einzigen Grund geworden, Massnahmen überhaupt noch aufrechtzuerhalten. Die Überlastung des Gesundheitswesens sollte unbedingt vermieden werden. Immer wieder wurde die Überlastung angezweifelt, oder ob nicht der Abbau von Kapazitäten erst zur Überlastung geführt hatte.

Betten mitten in der Pandemie abgebaut?

Tatsächlich sieht es auf den Grafiken im Dashboard des BAG aus, als gebe es immer weniger Betten auf den Intensivstationen. Kein Wunder also, sind diese am Anschlag und zu 80 und noch mehr Prozent belegt! Schuld wäre dann gar nicht die Pandemie, sondern schlechtes Management. Wiederholt wurde dies von Parlamentariern, Meinungsmachern und Journalisten nachgefragt.

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Der Bestand an Intensivbetten in der Schweiz und der Anteil belegter Betten, wie er vom BAG täglich neu publiziert wird. - BAG / Nau.ch

Die Antworten von Experten, Behördenvertretern und Medizinern glichen sich. Es gebe viele Faktoren: Betten ohne dazugehöriges Personal könnten nicht mitgezählt werden. Betten müssen wiederaufbereitet werden.

Betten werden notfallmässig aus anderen Abteilungen geholt und notfallmässig zu Intensivbetten umgebaut. Diese sogenannten Adhoc-Betten verschwinden danach aber auch wieder aus den Intensivstationen. Statistiken seien kaum von Nutzen, da sich selbst auf Spitalebene die Anzahl Intensivbetten stündlich ändern könne.

Erstmals Zahlen zu Adhoc-Betten

Der Präsident der Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger, behauptete trotzdem, seines Wissens sei kein einziges Bett während der Pandemie abgebaut worden. Das war mutig, denn die Übersicht hatte Engelberger nicht wirklich, aber alles andere schien ihm wohl absurd.

Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der Gesundheitsdirektoren, reagiert auf die Frage, warum seit Pandemie-Beginn ein Drittel weniger Intensivbetten ausgewiesen werden. - YouTube/Der Schweizerische Bundesrat

Die Übersicht herstellen konnte dagegen der Koordinierte Sanitätsdienst der Armee (KSD). Dieser sammelt in der Pandemie die Daten zur Spitalauslastung. Insbesondere die Anzahl leerer, mit Covid- und anderen Patienten besetzten Intensivbetten. Dank eines Gesuchs von Netzaktivist Hernâni Marques hat der KSD diese Daten nun besser aufgeschlüsselt veröffentlicht, inklusive Anteil Adhoc-Betten.

Kein Abbau bei zertifizierten Betten

Ob und mit welcher Diagnose Patienten in den Intensivbetten liegen, spielt für diese Analyse keine Rolle. Ob ein Spital einen Bett-Status einen Tag zu spät meldet, auch nicht, angesichts von Hunderten Betten. Auch die vom KSD gemachte Aufschlüsselung nach Grossregionen sparen wir uns. Dafür nehmen wir dankend zur Kenntnis, dass es noch eine weitere Kategorie gibt: zertifizierte Betten, die nicht betrieben werden.

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Der Bestand an Intensivbetten in der Schweiz seit Anfang 2021, mit den zertifizierten Betten in Blautönen und den adhoc bereitgestellten Betten in Rot. - KSD / BAG / Nau.ch

Erklärungen dazu gibt es momentan nicht; es sind wohl Betten in Revision oder für die schlicht das Personal fehlt. Erklärungen für markante Anstiege der Kurve müsste man nachfragen. Augenscheinlich ist indes vor allem eins: Die Gesamtzahl der zertifizierten Intensivbetten ist plusminus konstant bei ungefähr 870. Die Schwankungen über längere Zeiträume waren in der Tat die Adhoc-Betten, die samt Personal zusammenramüsiert wurden, wenn die Pandemiewellen wogten.

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