Wahlkampf

    EDU steigt mit Aufrecht in Wahlkampf – ohne Mass-Voll

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Zürich,

    Erich Vontobel (EDU/ZH) geht davon aus, dass er seinen Nationalratssitz verteidigen kann. Mit Mass-Voll-Präsident Rimoldi will er «nicht mehr zusammenarbeiten».

    Mit einer Listenverbindung zwischen der EDU und Aufrecht soll der Nationalratssitz von EDU-Nationalrat Erich Vontobel gesichert werden. (Archivfoto)
    Mit einer Listenverbindung zwischen der EDU und Aufrecht soll der Nationalratssitz von EDU-Nationalrat Erich Vontobel gesichert werden. (Archivfoto) - Keystone/ALESSANDRO DELLA VALLE

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die EDU Zürich setzt kantonal und national auf die Zusammenarbeit mit Aufrecht.
    • Auf Mass-Voll als Stimmenlieferant will man verzichten: Deren Potenzial habe man überschätzt.
    • EDU-Nationalrat Vontobel rechnet kantonal mit Fraktionsstärke, national mit seiner Wiederwahl.

    In den Kantonen Bern und Zürich konnte die EDU 2023 einen Nationalratssitz gewinnen. Nun positioniert sie sich im Kanton Zürich für die kantonalen und nationalen Wahlen 2027 neu. Insbesondere distanziert sie sich vom früheren Partner Mass-Voll und dessen Präsident Nicola Rimoldi. Die EDU ist zuversichtlich, so erfolgreich zu sein.

    EDU: Nur noch mit «Aufrecht»

    Bei den kantonalen Wahlen will die EDU mit einer gemeinsamen Liste mit der Gruppierung Aufrecht antreten. Das gehe nicht nur rechnerisch, sondern auch politisch auf, betont EDU-Nationalrat Erich Vontobel gegenüber Nau.ch: «Gemäss Smartspider sind wir fast deckungsgleich.»

    Rechnerisch müssen die Kleinstparteien gewisse Bestimmungen erfüllen, um überhaupt Mandate gewinnen zu können. «Im Bezirk Hinwil schaffen wir voraussichtlich die 5-Prozent-Hürde wieder, allein mit den EDU-Stimmen. Wenn wir uns jetzt Mühe geben, kann das für eine Fraktion reichen», hofft Vontobel.

    EDU Kantonsrat Aufrecht
    Die EDU hofft, bei den nächsten Wahlen im Zürcher Kantonsrat – zusammen mit Aufrecht – Faktionsstärke zu erreichen. - keystone

    Zusammen mit Aufrecht sei man 2023 kantonsweit auf etwa vier Prozent gekommen. «Das reicht für rund sieben Sitze», so Vontobel, also Fraktionsstärke. Aufrecht habe so die Chance, in den Kantonsrat einzuziehen. «Allein würden sie das aktuell noch kaum schaffen.»

    Die Zusammenarbeit soll dann im Herbst 2027 auf nationaler Ebene fortgesetzt werden. Vontobel geht davon aus, dass auch diese Rechnung aufgehe – auch ohne den letztmaligen Stimmenlieferanten Mass-Voll.

    EDU hat Mass-Voll «total überschätzt»

    Erich Vontobel geht davon aus, dass er seinen Nationalratssitz verteidigen kann. Seine EDU machte in der Listenverbindung mit Aufrecht, Mass-Voll und Schweizer Demokraten die meisten Stimmen. «Danach Aufrecht, und erst danach kam Mass-Voll. Wir hatten deren Potenzial total überschätzt.»

    Mit Mass-Voll beziehungsweise mit deren Präsidenten Nicola Rimoldi hat man sich überworfen. Als Dank für die Unterstützung in den Wahlen erhielt Rimoldi einen der beiden Bundeshaus-Badges, die Vontobel als Nationalrat vergeben kann. «Nach diversen Verwarnungen habe ich ihn ihm dann weggenommen. Er war sehr grenzwertig», sagt der EDUler heute zu Nau.ch.

    Nicolas Rimoldi Mass-Voll
    Mass-Voll-Präsident Nicolas Rimoldi an einer Demonstration von Mass-Voll gegen den EU-Vertrag, am 9. Mai 2026, in Luzern. - keystone

    Nicht geholfen hat wohl auch, dass Rimoldi vorletzten Frühling einem Berner EDU-Grossrat eine Ohrfeige verpasste. «Nach diesen Geschichten habe ich gesagt: Mit denen will ich nicht mehr zusammenarbeiten», so Vontobel. Den Bundeshaus-Badge reichte er stattdessen dem Aufrecht-Mitglied Urs Hans weiter.

    Keine Listenverbindung mit der SVP

    Je nach Themenkonjunktur im Wahlherbst soll es nun also dank Aufrecht wieder reichen. Im Nationalrat ist Erich Vontobel allerdings Mitglied der SVP-Fraktion und wäre dies wohl auch bei einer allfälligen Wiederwahl erneut. Mit der Volkspartei gemeinsam bei den Wahlen anzutreten, erachtet er aber als wenig zielführend.

    «Inhaltlich haben wir eine grosse Übereinstimmung, aber Listenverbindungen sind immer zum Vorteil des Stärkeren. Da wären wir so oder so Stimmenlieferant.» Eine Aufgabe, die – anders als auf kantonaler Ebene – nun also Aufrecht zugunsten der EDU zukommen soll.

    Hältst du die «Mass-Voll»-Bewegung um Nicolas Rimoldi für gefährlich?

    Oder liegt sogar mehr drin? «Im Nationalrat glaube ich nicht, dass es für zwei Sitze reicht. Aber wenn wir nicht alles falsch machen, könnte es klappen, einen Sitz zu halten», prognostiziert Vontobel.

    Ein Sitz, der natürlich nicht zwingend vom Seniorpartner der Listenverbindung gewonnen werden muss. Doch das sieht Erich Vontobel (67) gelassen: «Ich wage zu behaupten, dass wir von der EDU mehr Stimmen mobilisieren. Wenn es anders kommt, dann müssen wir halt damit leben! »

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    Kommentare

    Marc K.

    Kriege jedesmal voll die Aggressionen, wenn ich den Nicolas Rimoldi sehe..

    User #6122 (nicht angemeldet)

    Weder EDU noch Massvoll gehören ins Parlament !

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