Die SP bringt den billigen, leichten Kampfjet M-346 der italienischen Rüstungsfirma Leonardo ins Spiel. Was kann dieser aber wirklich?
Das kann der Billig-Kampfjet Leonardo M-346 – und das nicht. - Nau
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein leichter Kampfjet wie der Leonardo M-346 wäre die bessere Option für die Schweiz.
  • Dies propagiert die SP mit Unterstützung von Experten.
  • Testpilot Giacomo Ianelli erklärt, was der M-346 nicht kann, aber warum er trotzdem taugt.

Das Konzept des VBS für die Beschaffung eines neuen Kampfjets sei völlig falsch aufgegleist, klagt die SP. Beziehungsweise sei nicht klar, was das Konzept eigentlich sein soll, sagt der Luftabwehr-Experte Michael Unbehauen. Denn eigentlich sollte die Schweiz wenn schon Milliarden in Boden-Luft-Abwehr investieren – und nur einen kleinen Rest in Kampfjets. Leichte, billige Kampfjets, wie zum Beispiel den Leonardo M-346 aus Italien.

M-346 Singapore Airshow 2010
Ein M-346 fliegt an der Singapore Airshow 2010. - Keystone

Der M-346: Schulflugzeug mit gewissen Vorzügen

«Was dieses Flugzeug nicht kann, ist den ganz Bösen Buben abfangen – einer der hoch und schnell fliegt, mit einer schweren Bombe und versucht, die Schweiz anzugreifen.» Das sagt nicht ein Kritiker, sondern Leonardo-Testpilot Giacomo Ianelli. Denn das Konzept des M-346 sei ein anderes: «Wir können den ganzen Rest genauso gut tun, wie ein schwerer Kampfjet.» Und in 80 Prozent der Fälle gehe es eben um diesen «Rest».

M-346 FA
Mit diesen Waffen und Radarsystemen kann gemäss Verkaufsbroschüre die M-346 FA, also die Kampfjet-Version, ausgerüstet werden. - leonardocompany.com

Der M-346 ist eigentlich ein Schulflugzeug, das aber auch in einer Kampf-Version bestellt werden kann. Überschall erreicht es nur im Sturzflug, doch auch das sieht Ianelli nur bedingt als Nachteil. Für den Schutz des WEF in Davos vor Drohnen und Sportflugzeugen könne man eh nicht Überschall fliegen. «Sonst krachen sie in den nächsten Berg.»

Rechnet das VBS falsch?

Der M-346 ist eine Weiterentwicklung der Jakowlew Jak-130, die ursprünglich ein italienisch-russisches Projekt war. Kein Land nutzt diese Flugzeuge derzeit für Luftpolizei-Dienste. Aber ein Dutzend Länder setzt sie in der Trainigs-Version für die Schulung von Kampfjetpiloten ein.

Kampfjet M-346
Der Leonardo M-346, hier in der bewaffneten Version. - leonardocompany.com

Den Vorwurf, der M-346 sei zu langsam im Vergleich zu «richtigen» Kampfjets und brauche zu lange, um in der Luft zu sein, lässt Ianelli aber nicht gelten. «Die M-346-Plattform ist in 30 Sekunden ready. Dass heisst, wenn man den Motor startet, das Hilfstriebwerk startet, alles vorbereitet wie mit einem schweren Kampfjet, kann man schnell abheben. Ich wage zu behaupten, wir könnten das in unter fünf Minuten, wenn man am Flughafen zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.»

M-346 Jak-130
In diesen Ländern ist die M-346 (blau) beziehungsweise die praktisch baugleiche Jakowlew Jak-130 (rot) im Einsatz. - Wikipedia/Neq00

Nur in Kombination mit F/A-18

Punkten will Leonardo so oder so mit einem anderen Argument: Dem Geld. Der M-346 kostet etwa einen Viertel so viel wie ein Überschall-Jet, der Unterhalt gar nur einen Sechstel. Zudem verbraucht er weniger Sprit, kann dadurch entweder die Finanzen schonen oder länger in der Luft bleiben.

Gleichzeitig – das wäre auch der Plan der SP - könnten mit diesen Billig-Einsätzen die strapazierten F/A-18 geschont werden. Diese sollen die 20 Prozent der Flüge übernehmen, für die der M-346 nicht geeignet ist. Damit verlängere sich auch die Lebensdauer der F/A-18.

Das ganze Interview mit Giacomo Ianelli, Testpilot Leonardo. - Nau

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