Albert Rösti

    Albert Rösti: Pro Natura kritisiert «mässig positive» Bilanz

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Umweltminister Albert Rösti setze sich kaum für die Umwelt ein, so die NGO. Er zweifle gar an wissenschaftlichen Fakten.

    Albert Rösti Pro Natura
    Bundesrat Albert Rösti spricht zum Nationalrat, am 4. März 2025. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach zwei Jahren im Amt zieht Pro Natura Zwischenbilanz über Umweltminister Albert Rösti.
    • Das Verdikt fällt «mässig positiv» aus: Rösti setze sich kaum für die Umwelt ein.
    • Der Bundesrat ignoriere wissenschaftliche Fakten und Entscheide des eigenen Departements.

    Seit über zwei Jahren ist Albert Rösti als Bundesrat und Umweltminister tätig. Der ehemalige Präsident von Swissoil und Auto Schweiz hat bei seinem Amtsantritt im Jahr 2023 einige Bedenken hervorgerufen.

    Die Grünen haben sogar eine Onlineplattform namens «Uvek Watchblog» ins Leben gerufen, um seine Arbeit zu überwachen.

    Macht Umweltminister Albert Rösti seine Arbeit gut?

    Trotz seiner Beliebtheit im Stimmvolk habe sich Umweltminister Rösti bisher kaum für Umweltbelange eingesetzt. Diese Zwischenbilanz zieht die NGO Pro Natura in ihrem aktuellen Magazin.

    Beschrieben wird die Bilanz als «mässig positiv», doch eigentlich finden sich nur negative Punkte. Verschiedenen Exponentinnen und Exponenten aus der Politik bestätigen diese Einschätzung.

    «Er sagt, was Nutztierhalter hören wollen»

    Zum Beispiel Röstis Entscheidung Ende 2023, in der Jagdverordnung das präventive Abschiessen von Wölfen zu erlauben. Die Konsequenzen waren spektakulär: Innert zwei Monaten wurden etwa 50 Wölfe getötet und mindestens zwei Rudel komplett ausgelöscht.

    Wölfe Natur.
    Wölfe in der Schweizer Natur. (Archivbild) - keystone

    Das Traurigste daran sei, dass diese Lösung allein gar nicht helfe, den Druck auf Schafherden zu verringern, sagt Isabelle Germanier.

    Die Westschweizer Geschäftsführerin der Gruppe Wolf Schweiz wirft Rösti vor, nicht auf die Wissenschaft zu hören: «Albert Rösti wüsste das, wenn er nur eine einzige Studie zu diesem Thema gelesen hätte.»

    Schafe
    Schafe werden von einem Hirten und Herdenschutzhunden bewacht. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/URS FLUEELER

    Stattdessen verkaufe Rösti den Nutztierhaltern lieber Träume: «Er erzählt ihnen, was sie hören wollen.» Dabei setze er sich sogar über Entscheidungen aus seinem eigenen Departement hinweg.

    Schmetterlings-Experte Albert Rösti

    Auch im Rahmen der Ablehnung der Biodiversitätsinitiative habe sich Rösti über wissenschaftliche Erkenntnisse hinweggesetzt. Dieser Vorwurf kommt von Raphaël Arlettaz, Professor für Naturschutzbiologie an der Universität Bern.

    Statt objektive Fakten zu präsentieren, bringe Rösti persönliche Erlebnisse aus dem Berner Oberland: Er habe keine negative Entwicklung bei den Schmetterlingsbeständen festgestellt.

    Schmetterling Uetendorf Albert Rösti
    Ein Schmetterling fliegt eine Wiesensalbei auf einer Magerwiese an, am 7. Juli 2024 in Uetendorf BE, dem Wohnort von Bundesrat Albert Rösti. - keystone

    Mit solchem Vorgehen trage der Umweltminister zur Zerstörung des sorgfältig aufgebauten Wissenschaftssystems bei, kritisiert Biologe Arlettaz. Er verweist dazu auf das sogenannte Brandolini-Gesetz, auch als Bullshit-Asymmetrie-Prinzip bekannt, welches lautet: «Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Grössenordnung mehr Energie als dessen Produktion.»

    Kritik von Links-Grün – und aus der Mitte

    Nicht überraschend kommt Kritik an Rösti und dessen Vorgehen beim Autobahnausbau oder der Energiewende von SP und Grünen. So ärgert sich etwa Nationalrat Christophe Clivaz (GPS/VS): «Albert Rösti kümmert sich weit weniger um die Beschleunigung der Energiewende als um die Wolfsfrage.»

    Christina Bachmann-Roth Christophe Clivaz
    Christina Bachmann-Roth (links), Präsidentin der Mitte-Frauen Schweiz, und Nationalrat Christophe Clivaz (GPS/VS). - keystone

    Aber auch aus der Mitte-Partei gibt es gegenüber Bundesrat Rösti Vorbehalte. So von Christina Bachmann-Roth, der Präsidentin der Mitte-Frauen, wenn es um die Themen Biodiversität oder Röstis Unterstützung der Atom-Energie geht. Sie beobachtet beim Uvek-Chef einen Ankündigungseffekt.

    Stattdessen, empfiehlt Bachmann-Roth im «Pro Natura Magazin»: «Er sollte lieber im Volk und bei den Unternehmen nachfragen, ob sie wirklich in die Atomenergie investieren wollen.» Nachsichtiger ist sie mit Albert Rösti in Sachen Aktionsplan Biodiversität: «Vielleicht muss man Herrn Rösti noch etwas Zeit zum Handeln lassen.»

    Nau.ch hat das Uvek um eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen gebeten. Die Antwort steht noch aus.

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    Kommentare

    User #6254 (nicht angemeldet)

    Der umgeht die Volksentscheide und hat sich auch dem Initiativkomitee Serafe zurückgezogen und es kommt nicht mehr zur Sprache, auf Fr. 200,.. zu reduzieren! Obwohl viele Menschen gar keinen Zugang mehr zu DRS Radio haben, weil umgestellt auf DAB+. Wo ist die Gerechtigkeit ?

    User #5547 (nicht angemeldet)

    Rösti ist ein aussergewöhnlich guter Umweltminister . Er ist für AKWs , mehr Verkehr , MEHR PESTIZIEDE .

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