Alain Berset soll sein Team eingespannt haben, um eine Affäre unter den Tisch zu wischen. Diesen und weitere Vorwürfe erhebt die «Weltwoche». Berset schweigt.
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Der Gesundheitsminister Alain Berset. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Magazin «Weltwoche» erhebt rund um eine Affäre schwere Vorwürfe gegen Alain Berset.
  • So sollen Beamte den Bundesrat intensiv beraten haben. Kritisiert wird auch ein Gutachten.
  • Der Gesundheitsminister selbst wollte sich am Freitag nicht zum Artikel äussern.

Im November 2020 wurde publik, dass Gesundheitsminister Alain Berset Opfer eines Erpressungsversuchs wurde. Die Geschichte veröffentlicht hat damals die «Weltwoche». Sie schlug ein paar Tage Wellen, im Endeffekt blieb der Eindruck hängen, es handle sich um eine rein private Geschichte.

Nun doppeln das Wochenmagazin und Autor Christoph Mörgeli nach. Das rechtsgerichtete Blatt erhebt den Vorwurf gegen Alain Berset, dass die Affäre über das Privatleben hinausreiche.

So habe Berset eine Art «Taskforce» aus Top-Beamten gebildet, welche sich um die Affäre gekümmert habe. Konkret soll etwa der damalige Generalsekretär Lukas Bruhin wiederholt Kontakt mit der Frau aufgenommen habe.

An der Pressekonferenz zum Coronavirus am Freitag wurde der Bundesrat öffentlich von zwei Journalisten darauf angesprochen. Er wolle sich dazu nicht mehr äussern, sagt Berset. Schliesslich habe er bereits «letztes Jahr» Stellung bezogen. Im November erklärte er, dass es sich um eine abgeschlossene, private Angelegenheit handle.

Strafakten landen bei der «Weltwoche»

Doch worum geht es bei den neuen Vorwürfen? Mörgeli stützt seine Kritik auf «geheime» Strafakten und Chatprotokolle, welche ihm vorliegen. So soll unter anderem die Elite-Einheit «Tigris» ausgerückt sein, um die mittlerweile verurteilte Frau zu verhaften. Für den Einsatz verantwortlich war indes wohl das Fedpol. Bei der Frau handelt es sich gemäss dem Bericht um eine Künstlerin, die etliche Jahre jünger als Alain Berset sein soll.

Alain Berset Mörgeli
Der frühere SVP-Programmchef und heutige Weltwoche-Journalist Christoph Mörgeli machte eine Erpressungsgeschichte rund um Gesundheitsminister Alain Berset publik. - keystone

Wenige Tage vor der Bundesratswahl, im November 2019, hatte die Frau den Bundesrat per Email kontaktiert. Darin macht sie Alain Berset heftige Vorwürfe, so die «Weltwoche».

Jedenfalls soll Bersets Anwalt in der Folge gemäss der Zeitschrift ein Gutachten erstellen haben lassen, das bei der Frau eine «narzisstische Störung» diagnostiziert haben soll. Die Weltwoche konstruiert daraus den Vorwurf, dass Berset die Frau habe «für verrückt erklären» lassen wollen.

Frau verlangte Geld von Alain Berset

Sicher ist: Unter anderem verlangte die Frau offenbar die Übergabe von 100'000 Franken für eine angeblich «ausstehende Schuld». Angehängt sollen gemäss dem Bericht Details aus dem Intimleben gewesen sein. Hintergrund ist eine Affäre zwischen der Frau und Berset aus dem Jahr 2012.

Kurz nach den Bundesratswahlen, am 13. Dezember 2019, wurde die Frau beim Verlassen ihrer Wohnung von Bundespolizisten der Einsatzgruppe «Tigris» angehalten. Gleichzeitig hätten die Beamten mehrere Laptops und sechs Mobiltelefone konfisziert.

Zins
Das Bundeshaus in Bern. - Keystone

Bei der folgenden Einvernahme durch die Staatsanwältin erhob die Frau weitere Vorwürfe gegen den Bundesrat. Die meisten davon betreffen intime Details.

Frau mit Strafbefehl verurteilt

Bekannterweise endete die Geschichte mit einem Strafbefehl gegen die Frau wegen versuchter Erpressung. Alain Bersets Anwalt Patrik Eisenhut verweist denn auch auf ebendiesen Strafbefehl.

Dieser habe alle Beweismittel gewürdigt. Der Straftatbestand der versuchten Erpressung sei erfüllt. Weiter will sich Eisenhut nicht zum «Weltwoche»-Artikel äussern.

GPK soll Geschehen untersuchen

Ob und inwiefern die Affäre den Gesundheitsminister weiter beschäftigt, wird sich zeigen. Sicher ist: Die Geschichte wird im Parlament zum Thema. SVP-Nationalrat Alfred Heer stellt in der Geschäftsprüfungskommission den Antrag, die Geschehnisse zu untersuchen.

Alfred Heer
SVP-Nationalrat Alfred Heer. - Keystone

Er will zwei Fragen geklärt haben, erklärt er gegenüber «CH Media»: Erstens: «Ist es rechtmässig, wenn ein Bundesrat seinen Generalsekretär beauftragt, seine privaten Probleme zu lösen?» Zweitens: «Was hat das die Steuerzahler gekostet?»

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