Bei der Organspende soll es zum Paradigmenwechsel hin zur Widerspruchslösung kommen. Bundesrat Alain Berset präsentiert die Argumente für den Gegenvorschlag.
Medienkonferenz mit Alain Berset zu den Änderung des Transplantationsgesetzes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Organspende-Initiative will die Widerspruchslösung einführen.
  • Auch der Bundesrat will das, setzt aber auf das Mitspracherecht der Angehörigen.
  • Gesundheitsminister Alain Berset präsentiert die Argumente für den Gegenvorschlag.

In der Schweiz herrscht ein Organmangel. Gemäss Swisstransplant ist die fehlende Willensäusserung der Hauptgrund dafür.

Die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» soll das Problem durch Einführung der sogenannten Widerspruchslösung beseitigen. Wer zu Lebzeiten nicht explizit deklariert, seine Organe nicht spenden zu wollen, bleibt automatisch Organspender. Das Volk kann am 15. Mai darüber abstimmen.

Alain Berset will Angehörige miteinbeziehen

Parlament und Bundesrat sprechen sich zwar für die Widerspruchslösung aus, machen aber einen indirekten Gegenvorschlag. Dieser bringt die erweiterte Widerspruchslösung ins Spiel, bei der die Angehörigen in den Entscheidungsprozess einbezogen werden.

widerspruchsregelung
Der Bundesrat hält an der erweiterten Widerspruchsregelung bei einer Organspende fest. - keystone

Wird kein dokumentierter Wille der sterbenden Person gefunden, sollen wie bisher die Angehörigen befragt werden. Sie können einer Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen widersprechen, wenn dies dem mutmasslichen Willen der sterbenden Person entspricht.

Welche Variante unterstützen Sie?

Bundesrat Alain Berset lanciert heute den Abstimmungskampf im Medienzentrum in Bern. «Die Familien stellt die Frage vor eine schwierige Entscheidung», sagt Alain Berset an der Medienkonferenz. Mit dem Gegenvorschlag werde sichergestellt, dass der Wille der verstorbenen Person umgesetzt werden könne.

Dabei reiche auch aus, wenn die Angehörigen sagen: «Ich denke nicht, dass die verstorbene Person dies gewollt hätte.» Bei Zweifel zur Absicht einer Person, bei der keine Angehörigen gefunden werden könnten, würde es zu keiner Organspende kommen, stellt Berset klar.

Alain Berset Transplantationsgesetz
Bundesrat Alain Berset, rechts, und Anne Levy, Direktorin Bundesamt für Gesundheit BAG, äussern sich an einer Medienkonferenz über das Transplantationsgesetz, am 22. Februar 2022, in Bern. - Keystone

Für den Bundesrat sei die Umstellung ein wichtiger Schritt. «Die Organspende kann Leben verlängern und sogar Leben retten». Bundesrat und Parlament wollten mit dem Wechsel zur Widerspruchslösung die Chancen jener Menschen verbessern, die auf ein Organ warten. Wichtig sei deshalb, dass die Organe all jener, die sie nach dem Tod spenden können und möchten, auch wirklich transplantiert würden.

Bundesrat Alain Berset nutzte die Gelegenheit, um klarzustellen, er unterstütze die Organspende. «Wenn mir eines Tages etwas zustossen sollte, dann müssen sie nicht lange nach meinem Willen suchen.» So will Berset veranschaulichen, dass jede Art der Willensäusserung gültig sei.

Initiative bedingt zurückgezogen

Nachdem das Parlament den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates angenommen hat, hat das Initiativkomitee die Initiative am 7. Oktober 2021 bedingt zurückgezogen. «Bedingt» bedeutet, dass der Rückzug erst wirksam wird, wenn der indirekte Gegenvorschlag in Kraft tritt.

Organspende
Nur bei fünf Prozent der Verstorbenen findet sich eine Organspende-Karte. Die Initiative «Organspende fördern - Leben retten» fordert nun eine generelle Spende-Einwilligung auf Widerruf. (Archivbild) - Keystone

Gegen die Vorlage hat ein überparteiliches Komitee das Referendum ergriffen. Eine solche Lösung dürfe nicht ohne eine umfassende Information über eine Organentnahme eingeführt werden, argumentieren die Gegner. Es sei zweifelhaft, dass alle eine informierte Zustimmung erteilen können, wie sie eigentlich für medizinische Eingriffe nötig sei.

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