Ein Koch mit Nazi-Tattoos, skrupellose Populisten und gleich zwei neue Ermittlerinnen: In der neuen «Nachtschicht» geht es rasant zur Sache. Fels in der Brandung ist wieder einmal der souveräne Armin Rohde.
Erichsen (Armin Rohde, l) und Tülay Yildirim (Idil Üner, r.) im Burger-Restaurant. Foto: Marion von der Mehden/ZDF/dpa
Erichsen (Armin Rohde, l) und Tülay Yildirim (Idil Üner, r.) im Burger-Restaurant. Foto: Marion von der Mehden/ZDF/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • «Hände desinfizieren und Abstand halten» - wie ein Mantra wiederholt der diensthabende Polizist Walter (Albrecht Ganskopf) die Regeln, die wir längst alle kennen.

Dabei fällt das Wörtchen Corona in der neuen Folge der ZDF-«Nachtschicht» kein einziges Mal. Eher spielerisch hat das Team um Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker bei den Dreharbeiten im Sommer 2020 die Hygieneregeln in den Krimi integriert.

Die gewohnt packende Episode «Blut und Eisen», die am Samstag um 20.15 Uhr im Zweiten läuft, dreht sich nicht um Viren oder Inzidenzwerte, sondern um politische Rattenfänger von rechts und ihre willigen Handlanger. Dabei kommt neben der Brisanz auch der Humor nicht zu kurz.

Unter den deutschen TV-Krimis ist die «Nachtschicht» so etwas wie das Sahnehäubchen. Seit 2003 schreibt und dreht Lars Becker mit wechselnden Besetzungen eine Folge pro Jahr. Dabei bildet Armin Rohde als Erich Bo Erichsen die personelle Konstante in dem Ermittlerteam aus dem Hamburger «Kriminaldauerdienst». Nach dem Abschied seiner Langzeitkolleginnen Mimi Hu (Minh-Khai Phan-Thi) und Lisa Brenner (Barbara Auer) gibt es jetzt gleich zwei neue Gesichter: Idil Üner («Gegen die Wand») spielt Erichsens neue Vorgesetzte Tülay Yildirim, und die junge Theaterschauspielerin Sabrina Ceesay gibt die forsche Newcomerin Lulu Koulibaly. Da muss sich der alte Recke Erichsen erstmal neu sortieren.

Viel Zeit bleibt ihm nicht, denn der arbeitslose Koch Kevin Kruse (Aurel Manthei) hat in einem Internetvideo mit der Ermordung des Personalchefs Mübariz Pettekaya (Kais Setti) gedroht, falls dieser ihm den Job in einem Schnellrestaurant nicht gibt. Aber der pfiffige Pettekaya wird gewarnt, beschafft sich selber eine Pistole, und ein wenig später erschiesst er in Notwehr nicht den Koch, sondern den tumben Rechtsradikalen Dexter Herold (Tristan Seith). Die Spur führt schliesslich zu einer rechtspopulistischen Partei und ihren skrupellosen Vorsitzenden Roland Herzog (Bernhard Schir).

Es geht turbulent zu diesem Fall, der ein ernstes Schlaglicht auf karrieresüchtige Populisten wirft, aber gleichzeitig auch wieder viele komische Volten aufweist. Eines wird schnell klar: Der von rechten Parolen benebelte, aber letztlich gutmütige Koch ist nicht der Hellste. Der Typ will einfach nur kochen. Seine schwangere Frau Mabel Kruse (Marleen Lohse) kommt deutlich intelligenter daher, aber widersteht schliesslich ebenfalls den Bauernfängern vom rechten Rand. Dazwischen tummeln sich noch etliche schräge bis abscheuliche Figuren und Pappkameraden, die auch diese tragikomische «Nachtschicht» zwischen Elbe und Alster wieder sehenswert machen.

Die Nacht hat ihren eigenen Rhythmus zwischen Euphorie und Erschöpfung, der sich auch auf die Ermittler überträgt. Diesmal sitzen sie in Containern, well das Polizeipräsidium gerade renoviert wird. Dies passt gut zum spontanen und oft wie improvisiert wirkenden Stil der Reihe. Lars Becker vergleicht seine Filme auf der ZDF-Presseseite mit Musik-Alben: «Jede Folge hat eigentlich einen eigenen Beat. Das kann mal Hard Rock sein, das ist häufig auch Rap. Es ist Hip-Hop, es ist Pop, es ist Jazz.»

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