Man Man: Eine Wundertüte voller Schrägtöner-Pop

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Deutschland,

Schrägtöner-Pop mag gewöhnungsbedürftig sein, dafür überrascht er aber auch umso länger und nachhaltiger. Ein schönes Beispiel für diese These liefert erneut die Experimental-Truppe Man Man.

Ryan Kattner alias Honus Honus sprudelt über vor Einfällen und Ideen. Foto: Dan Monick/dpa
Ryan Kattner alias Honus Honus sprudelt über vor Einfällen und Ideen. Foto: Dan Monick/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Das «Weisse Album» der Beatles, die Pianopop-Sinfonien von Todd Rundgren und 10cc, Kaschemmenklänge von Tom Waits oder Mark Lanegan, zuckersüsse Disney-Soundtracks der 50er: All dies und noch so einiges mehr verquirlt das US-Experimental-Projekt Man Man auf seinem neuen Album.

Und es hört sich toll an.

Ein bisschen verrückt und wüst ist das natürlich auch - wenn Projektleiter und Multiinstrumentalist Ryan Kattner alias Honus Honus etwa in «Lonely Beuys» fünf Ideen zu viel in den Mixer wirft (ach übrigens, andere Songtitel sind ebenfalls super: «Cloud Nein», «Inner Iggy», «Powder My Wig»...).

Das traditionsreiche Indie-Label Sub Pop weiss denn auch über Kattners sechstes Man-Man-Studioalbum «Dream Hunting In The Valley Of The In-Between» zu berichten: Dieser Singer-Songwriter aus Philadelphia erforsche «immer wieder die gegensätzlichen Extreme des Lebens: Schönheit und Hässlichkeit, Ordnung und Chaos». Die 17 Tracks seien dementsprechend «ebenso intim, gefühlvoll und zeitlos wie gewagt und kreativ». Das trifft - im Gegensatz zu manchen sonst üblichen PR-Übertreibungen - ziemlich genau den Punkt.

Zuletzt hatten Man Man sich 2013 mit «On Oni Pond» als begnadete Schrägtöner mit tiefen Wurzeln in der Pophistorie präsentiert, dann war lange Funkstille. Der Frontmann mit dem Pseudonym Honus Honus arbeitete an Film- und Serien-Scores, übernahm Schauspielrollen, spielte die Hauptrolle in der Tournee-Dokumentation «Use Your Delusion», schrieb Drehbücher und Graphic Novels.

Angeblich mussten bei so einem Pensum zweieinhalb Stunden Schlaf pro Tag reichen. Denn Kattner machte auch noch weiterhin eigene Musik, wie sich jetzt auf seinem neuesten knallbunten Indierock-Cocktail nachhören lässt. Mit einigen wenigen Mitstreitern baute der Pianist und Sänger Karibisches («Future Peg», «On The Mend»), jazzige Ausbrüche («Unsweet Meat»), fast schon dreiste David-Bowie-Tributes («Powder My Wig») und orchestrale Glanzstücke («Animal Attaction») zu einem erstaunlich gut durchhörbaren Pop-Pastiche zusammen.

«'Dream Hunting' mag nicht im traditionellen Sinne hübsch sein, aber es lebt und atmet», lobte der US-«Rolling Stone» die fast 50-minütige aktuelle Platte von Man Man. Anders ausgedrückt: Kattner ist ein so unangepasstes wie virtuoses Wuntertüten-Werk geglückt, das auch nach dem zehnten Hören noch Überraschungen bereithält.

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