Pendelt jede Woche: Steffi Buchli wohnt in Berlin in einem Hotel
Steffi Buchli verliess Ringier ohne Plan B. Heute arbeitet sie für die «Bild» in Berlin und spricht offen über Zweifel und Neustart.

Das Wichtigste in Kürze
- Steffi Buchli war eine prägende Figur bei SRF Sport, MySports und Ringier.
- Heute arbeitet die Zürcherin für die «Bild» in Berlin.
- Drei bis vier Tage pro Woche lebt sie dort im Hotel.
Steffi Buchli ist nicht jemand, der stillsteht. Die 47-jährige Zürcherin prägte SRF Sport, führte später «MySports» und sass in der Geschäftsleitung von Ringier. Heute arbeitet sie im Newsroom der «Bild» in Berlin.
Drei, vier Tage pro Woche ist sie in der deutschen Hauptstadt. Den Rest der Zeit kehrt sie zurück zu ihrer Familie in Zürich: Ehemann, Tochter Karlie (zehn Jahre alt).
Im SRF-«Focus» mit Judith Wernli sprach die 47-Jährige über ihr Pendlerleben, die Familie und ihre Zweifel.
Steffi Buchli ist neu ein «Hotelmensch»
Wer denkt, sie vermisse eine eigene Wohnung in Berlin, liegt falsch.
«Wohnen im Hotel ist grossartig: Man muss keine Bettwäsche wechseln. Kochen ist nicht meine Lieblingsdisziplin. Man kann ohne Ausrede auswärts essen», sagt sie.
Steffi Buchli pappe ihre Tage in Berlin voll mit Interaktionen. Lange Meetings, dichte Arbeitstage. Und trotzdem: Wenn sie über die Stadt anfliege, gehe ihr «jedes Mal das Herz auf».
Warum eine Feministin zur «Bild» geht
Die Frage, die viele bewegt: Wie passt eine überzeugte Feministin zu einem Medium, das lange für problematische Frauenbilder bekannt war?
Steffi Buchli dreht den Spiess um. Sie habe Kritikerinnen immer gefragt, wann sie zuletzt «Bild» gelesen hätten. «‹Bild› machte zum Beispiel eine Riesenkampagne rund um Gewalt gegen Frauen», sagt sie. Die Marke sei mitten in einem langen Wandel, aber jeder Fauxpas werfe sie weit zurück.
Sie sagt auch, sie habe schnell gemerkt, dass sie bei der deutschen Zeitung durchaus etwas einbringen könne. Ihr Beitrag sei, Veränderungen nicht einfach von oben zu verordnen, sondern die Menschen im Unternehmen dabei mitzunehmen.
Ringier verlassen – ohne Plan B
Buchli spricht im Interview auch über die Unsicherheit nach ihrem Abgang bei Ringier. «Ich machte das erste Mal einen Move, ohne zu wissen, wie es nachher weitergeht», sagt sie.
Diese Phase habe sie spürbar belastet. Sie dachte damals: «Vielleicht war das alles nichts und niemand fragt mehr nach mir.»
Die Anfrage der «Bild»-Chefredaktorin Marian Horn kam zwar schnell. Trotzdem habe sie sich danach bewusst Zeit genommen. «Ich starrte sehr viele Löcher in die Luft und erholte mich.»
Sonntagabend ist der schwerste Moment
Jeden Sonntagabend fliegt Steffi Buchli zurück nach Berlin – spät, damit sie so lange wie möglich bei ihrer Familie ist. «Das fällt mir manchmal schwer», gesteht sie.
Für Buchli ist klar: Solange ihre Familie das mitträgt, kommentiert sie aussen stehende Kritik nicht. «Da gibt es nur jemanden, der eine Instanz ist» – und das ist ihre Familie.
Kritik trifft sie bis heute
Dass sie als Mutter mehrere Tage pro Woche in Berlin arbeitet, wird immer mal wieder diskutiert. Buchli macht keinen Hehl daraus, dass solche Reaktionen nicht spurlos an ihr vorbeiziehen.

«Wenn jemand mit einem komischen Unterton eine Frage stellt, zum Beispiel zu diesem Berlin-Job, dann merke ich schnell, worauf es hinausläuft», sagt Buchli.
Gemeint sei oft die Frage, ob sie nicht zu Hause bei ihrer Tochter sein sollte. «Dann kann ich das nicht aalglatt zur Kenntnis nehmen.» Und noch klarer: «Es ist nach wie vor so, dass mich das leicht destabilisiert.»
Trotzdem spricht sie bewusst öffentlich darüber. Ihr Credo: «Bevor es nicht normal ist, müssen wir das Thema eigentlich weiter diskutieren.»














