«Blossgestellt»: Kinderschutz verurteilt «Richi»-Sprüche

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Bern,

    Die Familie Schönbächler wird den «Richi»-Spruch nicht los. Die Stiftung Kinderschutz Schweiz erklärt, welche Folgen dies für ein Kind hat.

    Richi
    Vater Hermann Schönbächler nahm den fünfjährigen Richi mit in den Bagger – danach folgte der berühmte Tadelsatz. - Screenshot / Instagram

    Das Wichtigste in Kürze

    • Richi Schönbächler war fünf Jahre alt, als ihn sein Vater in einem SRF-Dok tadelte.
    • Er wuchs ständig mit dem «Richi»-Spruch konfrontiert auf.
    • Die Stiftung Kinderschutz Schweiz warnt vor solchen Spässen.

    «Jaa Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe» – und die halbe Schweiz lacht los. Vater Hermann Schönbächler landete mit dem Tadel einen Running-Gag. Den berühmten Satz äusserte er 2010 in der SRF-Auswanderer-Serie «Auf und davon».

    In der Szene will Schönbächler seinen kleinen Sohn Richi aus dem Führerstand seines Baggers heben. Als der Fünfjährige doch hinfällt, schreit der Vater den Satz, den die ganze Familie nicht mehr loslassen wird.

    Unzählige Memes kursieren mit dem «Richi»-Spruch. Der Spruch ziert auch zahlreiche Fanartikel. Doch während sich die Menschen in der Schweiz einen Schranz in den Bauch lachen, leidet die Familie Schönbächler in Kanada.

    «Kann sehr belastend sein»

    Kürzlich bat sie, mit dem ganzen Rummel aufzuhören. «Nach all diesen Jahren» sollten «alle diese Angelegenheiten» endlich ruhen lassen. «Und unseren Kindern Respekt und Distanz geben.»

    Sohn Richi Schönbächler, der inzwischen volljährig ist, wuchs demnach ständig mit dem Running-Gag konfrontiert auf.

    Teilst du jetzt noch «Richi»-Memes?

    «Das kann für ein Kind sehr belastend sein – auch wenn es von aussen harmlos wirkt.» Dies sagt Tamara Parham zu Nau.ch. Sie ist Mediensprecherin der Stiftung Kinderschutz Schweiz.

    Kinder hätten ein Recht auf Privatsphäre und darauf, selbst zu bestimmen, wie sie gesehen würden, sagt Parham. Wenn eine Szene immer wieder verbreitet werde, entstehe eine Art «digitale Identität». «Diese hat das Kind sich nicht ausgesucht und kann es kaum mehr kontrollieren.»

    «Fühlt sich blossgestellt»

    Ob auf Google, Social Media oder YouTube – überall taucht der «Richi»-Spruch auf. Dies hält Kinderschutz Schweiz für problematisch.

    Tamara Parham macht darauf aufmerksam, dass Inhalte im Internet bestehen bleiben. Diese könnten kopiert, weiterverbreitet oder verändert werden – oft über Jahre hinweg. Ein einzelner Moment könne ein Kind demnach langfristig begleiten.

    «Für das Kind kann das konkret heissen: Es fühlt sich blossgestellt oder beschämt», sagt Parham. Auch möglich sei, dass es im sozialen Umfeld darauf reduziert oder ausgelacht werde. «Es erlebt einen Verlust von Vertrauen, weil über seinen Kopf hinweg entschieden wurde.»

    Inhalte solle man nicht teilen

    Aus Sicht von Kinderschutz Schweiz können solche Erfahrungen nicht nur kurzfristig unangenehm sein. «Sie prägen auch das Selbstbild und die Entwicklung eines Kindes.» Humor dürfe nie auf Kosten eines Kindes gehen. «Auch dann nicht, wenn viele darüber lachen.»

    Alle User, die ein «Richi»-Meme verschickt haben, könnten jetzt ein schlechtes Gewissen haben.

    «Verantwortung bedeutet, solche Inhalte nicht zu teilen», sagt Tamara Parham.

    Die Familie Schönbächler war auf Anfrage der Redaktion nicht erreichbar.

    Wunderkind macht es Spass

    Richi Schönbächler ist nicht der einzige Bub, der im Zusammenhang mit einer SRF-Sendung viral ging.

    2015 portraitierte SRF das Wunderkind Maximilian Janisch in einem Dok-Film. Dort sagte der damals Elfjährige, dass er mit seinen Freunden in Frankreich jeweils «Cache cache trappe trappe» spiele. Um eine Art Versteckspiel handelt es sich dabei.

    00:00 / 00:00

    Maximilian Janisch findet es «ganz sympathisch», dass sein Meme viel Aufmerksamkeit bekommt. - instagram @maximilian.janisch

    Daraus entstand das Meme «Cache, cache, trappe, trappe». Allerdings ging dieses erst 2023 viral, als Janisch bereits erwachsen war.

    Er habe durch das Meme sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, als er es gewohnt sei, sagt er in einem Tiktok-Video. «Aber ich finde es eigentlich ganz sympathisch, wenn das jetzt zur Unterhaltung beitragen kann.»

    Tatsächlich nutzt Maximilian Janisch seine Bekanntheit aktiv. Regelmässig informiert er seine Follower auf Social Media über seine Karriere und erklärt komplexe Mathematik-Beispiele. Auf TikTok zählt der 22-Jährige inzwischen über 200'000 Follower.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #6192 (nicht angemeldet)

    Noch nie gehört…

    User #3541 (nicht angemeldet)

    Habe nicht gewusst, dass der Kinderschutz sich mit solchem Quark beschäftigt. Leider gibt es m.W. (?) die "Versteckte Kamera" nicht mehr. Söll emal choo! Die schweizerische Mentalität hat eben ihre Abgründe.

    Weiterlesen

    maximilian janisch
    5 Interaktionen
    Talent
    Universität Zürich
    71 Interaktionen
    Uni Zürich
    Zeki
    324 Interaktionen
    Familie übt Kritik

    MEHR AUS STADT BERN

    Casimir von Arx
    Casimir von Arx (GLP)
    strick
    Satzsieg reicht nicht
    Kanton Bern
    Kanton Bern
    Emmental
    Emmental