Der «Megxit» hat Spuren bei den Royals hinterlassen, ausserdem reissen die Vorwürfe gegen Prinz Andrew nicht ab. In seltener Harmonie zeigt sich die Königsfamilie nun im Fernsehen - doch auch das ist umstritten.
Der britische Prinz Philip, Herzog von Edinburg (2020). Foto: Adrian Dennis/PA Wire/dpa
Der britische Prinz Philip, Herzog von Edinburg (2020). Foto: Adrian Dennis/PA Wire/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Es sind Bilder, wie man sie lange nicht gesehen hat: Prinz Charles, Prinz Harry, Prinz Andrew und weitere Royals vereint - zwar nicht an einem Tisch, aber gemeinsam auf den Bildschirmen der Nation.

In der BBC-Dokumentation «Prince Philip: The Royal Family Remembers» (deutsch: «Die Königsfamilie erinnert sich») denken sie an Zeiten zurück, in denen die Sommer aus Barbecues und Bootsausflügen mit Prinz Philip bestanden statt aus Missbrauchsklagen und Rassismusvorwürfen.

Das Wohlfühlfernsehen kommt zu einer Zeit, in der nicht nur bei den Royals selbst Krisenstimmung herrscht. In Grossbritannien ist das Jubeln über den «Freedom Day» mit aufgehobenen Corona-Regeln längst abgeklungen und hat dem Klagen über gestiegene Gaspreise, fehlende Fernfahrer und Lücken in den Supermarktregalen Platz gemacht.

Die Royals schlagen sich derweil mit Schlagzeilen über den zweitältesten Queen-Sohn Prinz Andrew herum, dessen Anwälte im Kampf gegen eine Zivilklage aus den USA alle Register ziehen. Die Rassismusvorwürfe von der anderen Seite des Atlantiks, die Harry und Ehefrau Herzogin Meghan vor einigen Monaten gegen die Familie erhoben, rücken dabei schon fast in den Hintergrund. Immerhin ein neues royales Baby - der erste Nachwuchs von Prinzessin Beatrice und ihrem Mann - gab in den vergangenen Tagen Grund zur Freude.

In der Sendung, die ursprünglich zum 100. Geburtstag des Herzogs von Edinburgh am 10. Juni ausgestrahlt werden sollte, zeigt sich die Königsfamilie dagegen von ihrer entspanntesten Seite. Szenen aus dem privaten Filmarchiv von Königin Elizabeth II., die sich selbst nicht persönlich äussert, machen die Doku zu einer persönlichen, emotionalen Rückschau auf das Leben des Prinzgemahls. Sogar Prinz William - nicht unbedingt für seine Unterhaltungskünste bekannt - überrascht mit Details von Philips Lieblingsstreichen und demonstriert, wie sein Grossvater bei Familienessen zum Missfallen der Queen den Senf aus der Tube an die Zimmerdecke spritzen liess.

Alles, was bei offiziellen Anlässen schief gelaufen sei, habe Prinz Philip und die Queen köstlich amüsiert, erzählt William lachend. «Sie haben es geliebt.» Eine Beobachtung, die auch Bruder Harry teilt: Seine Grosseltern seien mit der geheimen Hoffnung aufgetreten: «Ich frage mich, ob dieses Mal etwas schief geht. Wie aufregend!», berichtet der 37-Jährige in der einstündigen Doku, die nach dem Tod von Philip im Alter von 99 Jahren zu einem Tribut der ganzen Familie ausgebaut wurde.

Dass Harry, der sich mit seiner Familie im vergangenen Jahr aus dem Königshaus verabschiedet und ein neues Leben in den USA begonnen hat, sich in diesem Format äussern darf, ist unter Anhängern der Monarchie umstritten. Eine Twitter-Nutzerin schrieb nach der Ausstrahlung: «Harry sollte nicht in diesem Programm sein».

Andere störten sich daran, dass der wegen Missbrauchsvorwürfen von seinen offiziellen Aufgaben entbundene Prinz Andrew im Kreise der Familie interviewt wird. Der «Independent» spekulierte, Andrew habe während seiner knappen Auftritte zur Seite geschielt, «als ob er nach irgendwelchen unwillkommenen rechtlichen Dokumenten Ausschau hält» - eine Anspielung auf die Zustellung der US-Klage, die durch die Abschottung des Royals in seinem Schloss zunächst scheiterte.

Ein Lichtblick in schwierigen Zeiten: So scheint auch die Royal Family selbst die Sendung empfunden zu haben. Über Tage hinweg teilten die Social-Media-Teams des Königshauses kurze Video-Clips und Fotos auf den Kanälen der Familie in den sozialen Netzwerken - und warben für einen «einzigartigen Tribut für seine Majestät».

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