«Einfacher»: Kult-Dragqueen Olivia Jones wäre lieber hetero gewesen
Olivia Jones spricht anlässlich ihrer Verfilmung über ihre schweren Jugendjahre. Damals hätte sie sich eher für ein heterosexuelles Leben entschieden.

Das Wichtigste in Kürze
- Olivia Jones trat anlässlich ihrer ZDF-Verfilmung an der Digitalmesse OMR in Hamburg auf.
- In jungen Jahren sah sich die heutige Dragqueen Hass und Gewalt ausgesetzt.
- Deswegen hätte sie sich damals eher für ein heterosexuelles Leben entschieden.
Sie ist DAS Aushängeschild für queere Vielfalt: Olivia Jones (56).
Mit ihren bunten Kleidern und auffälligen Perücken hat sich die Kult-Dragqueen längst ein Markenzeichen geschaffen, um ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Respekt zu setzen.
Doch der Weg von Oliver Knöbel, wie Jones bürgerlich heisst, war kein leichter.
«Das, was ich bin, habe ich mir nicht ausgesucht»
Wegen ihrer Vorliebe für Frauenkleider erfuhr die 56-Jährige in ihrer Heimat Ablehnung, Spott und Gewalt. Heute ist die schillernde Travestiekünstlerin längst eine gefeierte Ikone auf der Reeperbahn in Hamburg (D).
«Das, was ich bin, habe ich mir nicht ausgesucht. Das ist eine Veranlagung. Ich bin anders, ich versuche aber, das Beste daraus zu machen», sagt Olivia Jones an der Digitalmesse OMR. Anlässlich ihres bald erscheinenden ZDF-Biopics sprach die Dragqueen über ihren steinigen Weg, der ihre heutige Kunstfigur formte.
«Wenn ich die Wahl gehabt hätte»
Die Kiez-Gastronomin blickt zurück auf dunkle Phasen ihrer Kindheit, geprägt von Einsamkeit und Scham. Der damals junge Oliver Knöbel entdeckt seine Homosexualität – und erlebt, wie sich Familie und Nachbarn von ihm abwenden.

Ein Gedanke beschäftigt Olivia Jones bis heute: «Ich kann hier auch sagen, wenn ich die Wahl gehabt hätte zwischen homosexuell und heterosexuell. Ich hätte, wie wahrscheinlich jeder andere Jugendliche auch, hetero gewählt. Weil das der einfachere Weg ist», erklärt sie an der OMR im Gespräch mit Moderatorin Janin Ullmann (44), wie die «Bild» schreibt.
Aber: «Wenn man diese Veranlagung hat, dann braucht man einfach Unterstützung und Liebe und muss immer seinem Herzen folgen.» Dieses Credo verfolgte die Dragqueen – auch wenn sie die Liebe von ihren Eltern damals nicht bekommen hat.
Olivia Jones wurde blutig geschlagen
Eltern sollten ihre Kinder unterstützen, unabhängig von ihrer sexuellen Veranlagung, fordert Olivia. «Denn Gewalt gegen Schwule steigt wieder, das macht mir grosse Sorgen.»
Gewalt musste auch die Travestiekünstlerin am eigenen Leib erfahren.
«Ich wurde richtig von Nazis verfolgt, wurde auch schon mal blutig geschlagen vor einer Diskothek. Dann kam noch dazu, dass meine Familie mir auch gezeigt hat, dass ich als Person ihnen unangenehm bin, wenn ich mich so auslebe», erzählte sie 2021 in einem Interview mit RTL.

Aus dem Hass, der ihr entgegenschlug, zog sie Kraft, ihr eigenes Ding durchzuziehen. Ende der 1980er-Jahre zog Jones nach Hamburg, wo sie ihre Karriere in der Kabarett- und Travestieszene aufbauen konnte. Doch auch hier, im Stadtteil St. Pauli, seien die Menschen damals «spiessig und schwulenfeindlich» gewesen, meinte sie.
Heute gebe ihr der Hass Rückenwind, meint Jones nun an der OMR. Instagram sei ein interessantes Medium. «Es ist aber natürlich so, dass jeder da unreguliert seine Meinung äussern darf. Ich kenne ja noch die Zeiten ohne Instagram.»
Der Hass habe sich verändert im Laufe der Jahre, meint Olivia Jones. «Weil man heute seinen Hass anonym ausleben kann.»
Trotzdem hätte sie sich als Jugendliche eine Plattform wie Instagram gewünscht: «Ich hatte ja überhaupt keine Vorbilder und für mich war es total schwierig, auch Gleichgesinnte zu finden. Und das ist heutzutage durch das Internet viel, viel einfacher. Ich glaube, ich hätte es ein bisschen einfacher gehabt mit Internet.»
















