Boris Becker hat nach Haft fast alle Freunde verloren
Mit einem «Warnsignal» schützt sich Boris Becker heute vor Menschen mit falschen Absichten. Sein Leben möchte der Tennisstar nicht mehr «aufs Spiel setzen».

Das Wichtigste in Kürze
- Boris Becker spricht über seinen veränderten Freundeskreis nach seiner Haftentlassung.
- Bei vielen Menschen, wo er falsche Absichten vermutet, geht er heute bewusst auf Abstand.
- Sein Fokus liegt heute ganz auf dem Schutz seiner Familie, erklärt der 58-Jährige.
Die Zeit nach seiner Haft hat Boris Becker nachhaltig verändert.
Der frühere Tennisstar spricht heute ungewöhnlich offen darüber, wie sehr ihn die vergangenen Jahre geprägt haben. Und warum er inzwischen deutlich vorsichtiger durchs Leben geht. Vor allem bei den Menschen in seinem Umfeld schaut der 58-Jährige heute ganz genau hin.
Im Gespräch mit der britischen Zeitung «The Telegraph» verrät Becker, dass er «wahrscheinlich sogar 95 Prozent» seines früheren Freundeskreises verloren habe.
Boris Becker will Leben nicht mehr «aufs Spiel setzen»
Viele Menschen, die einst zu seinem Leben gehörten, seien nach seiner Verurteilung verschwunden. Zu einigen bestehe zwar noch Kontakt, allerdings bewusst mit Abstand. «Das bedeutet nicht, dass ich nicht ‹Hallo› sage, ich sehe ihre Nummern und schreibe freundlich: ‹Nein›.»

Mit seiner Familie habe er inzwischen sogar eine Art «Warnsystem» entwickelt, um Menschen mit falschen Absichten möglichst früh zu erkennen.
Sein Fokus liege heute klar auf dem Schutz seiner Familie. «Ich werde das Leben, das wir heute führen, nicht noch einmal für weitere Fehler aufs Spiel setzen. Man muss sich immer bewusst sein, dass irgendwo jemand lauert, der versucht, einen wieder zu Fall zu bringen», erklärt der ehemalige Tennisprofi.
Die Monate nach seiner Entlassung hätten ihm vor allem gezeigt, wer wirklich an seiner Seite stehe.
«Die Deutschen halten mich für ihr Eigentum»
Im April 2022 war Boris Becker wegen Insolvenzdelikten zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach rund acht Monaten kam er vorzeitig frei und kehrte zunächst nach Deutschland zurück.
Mittlerweile hat der dreifache Wimbledon-Sieger in Mailand einen Neuanfang gewagt. Dort lebt er mit Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro (36) und dem gemeinsamen monatealten Tochterli Zoë Vittoria – und geniesst nach eigenen Worten ein deutlich unbeschwerteres Leben.

Mit Deutschland verbindet Becker heute gemischte Gefühle. «Die Deutschen halten mich, bei allem Respekt, für ihr Eigentum», sagt er. Viele würden ihn noch immer als den 17-Jährigen sehen, der 1985 erstmals Wimbledon gewann.
Deshalb habe er oft den Eindruck gehabt, «kein Recht zu haben, zu leben, eine Meinung zu haben oder Nein zu sagen». Das Gefühl, ständig bewertet zu werden, habe ihn schliesslich zu der Erkenntnis gebracht, dass er sich ein dauerhaftes Leben in Deutschland kaum noch vorstellen könne.
Gefängniszeit beschäftigt Tennisstar bis heute
In Italien erlebe er das ganz anders. «Die Menschen mögen mich, sie kennen mich und ich hoffe, dass sie mich respektieren», erklärt Becker. Genau das mache den Alltag für ihn deutlich leichter.
Dass er selbst nur wenig Italienisch spreche, spiele dabei kaum eine Rolle. Seine Frau Lilian spreche die Sprache flüssend und beherrsche ausserdem vier weitere Sprachen.
Auch die Monate hinter Gittern beschäftigen Boris Becker bis heute. Rückblickend beschreibt er die Haft als Erfahrung, die seinen Blick aufs Leben grundlegend verändert habe.

«Wenn man eingesperrt ist, verliert man buchstäblich alles», erzählt er. «Alles, was übrig bleibt, ist deine Persönlichkeit, dein Charakter.» Damals habe er sich immer wieder gefragt: «Wer bin ich? Wird mich das zerstören oder stärker machen?»
Schon kurz nach seiner Haftentlassung berichtete er offen von den psychischen Belastungen und den anhaltenden Auswirkungen seiner Zeit im Gefängnis, darunter wiederkehrende Albträume. Mit seinem Buch Inside: Gewinnen – Verlieren – Neu beginnen setzte sich Boris Becker intensiv mit diesen Erlebnissen auseinander.
Aus heutiger Sicht beschreibt er diese Phase als prägende Lebenserfahrung, aus der er eine zentrale Erkenntnis gewonnen hat: Wahre Stärke misst sich nicht an Erfolgen oder materiellem Wohlstand, sondern an der Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, aus Niederlagen zu lernen und den Mut zu finden, erneut voranzugehen.
















