Zivile Helfer entdecken elf Leichen vor libyscher Küste
Hilfsorganisationen haben von einem Flugzeug aus elf Leichen im Mittelmeer vor der libyschen Küste entdeckt. Die Crew habe sehen können, dass einige der leblosen Körper noch Kleidung trugen und andere von Reifenschläuchen über Wasser gehalten wurden, teilte SOS Méditerranée mit. Die Organisation setzt mit der Humanitarian Pilots Initiative das Flugzeug «Albatross» ein, um im Mittelmeer mögliche Seenotfälle auszumachen.

Die italienische Küstenwache teilte am Abend mit, am Morgen von einer Nichtregierungsorganisation darüber informiert worden zu sein, dass elf Leichen etwa 57 Seemeilen vor dem libyschen Küstenort Zuwara gesichtet worden seien – in fortgeschrittenem Verwesungszustand. Die Küstenwache wies darauf hin, dass es sich bei dem Gebiet um den Verantwortungsbereich der libyschen Küstenwache handelte. Die Meldung sei «unverzüglich» an die zuständige Behörde weitergeleitet worden.
Es ist unüblich, dass die italienische Küstenwache über Benachrichtigungen wie diese informiert. Der Hintergrund blieb unklar – und auch, ob die libysche Küstenwache tätig geworden ist.
Die zivilen Seenotretter bezeichneten die Szene als erschütternd. Sie machten deutlich, dass sie davon ausgingen, dass die Menschen bei einem Bootsunglück ums Leben kamen. «Zwar sind die Umstände und der Zeitpunkt des Schiffbruchs weiterhin unbekannt», teilte die Organisation mit. «Aber diese Entdeckung ist eine eindringliche Mahnung an die menschlichen Folgen der tödlichen Politik Europas, die von Gleichgültigkeit und Abschreckung um jeden Preis geprägt ist.»
Das zentrale Mittelmeer gilt noch immer als tödlichste Migrationsroute auf dem Weg nach Europa. Dort sind allein in diesem Jahr nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 872 Menschen ums Leben gekommen oder gelten weiter als vermisst.










