Der Schriftsteller Ilija Trojanow hat in seiner Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen eine Lanze für die Kunst in Kriegszeiten gebrochen.
Trojanow
Der Autor Trojanow bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele. - keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gleichzeitig betonte er, dass auch Menschen und Regierungen im Westen Schuld an globaler Gewalt hätten.

«Gegen die Fernsehbilder können wir abstumpfen. Gegen die Aufschreie der Kunst gibt es keine Immunisierung, solange wir noch Gefühle haben», sagte der in Bulgarien geborene und in Deutschland und Österreich lebende Autor. «Desertieren wir also aus der Eintönigkeit des Krieges in die Vieltönigkeit der Kunst.»

Trojanow verwahrte sich gegen Forderungen, russische Komponisten angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine nicht mehr aufzuführen. Gleichzeitig unterstützte er den Boykott von Künstlern wie dem Dirigenten Waleri Gergijew, die direkt von ihrer Nähe zum Kreml profitiert hätten.

Trojanow («Der Weltensammler») wies das hochrangige Publikum aus Politik und Wirtschaft darauf hin, dass auch die wirtschaftliche Ausbeutung von Rohstoffen und Menschen eine Form von Krieg sei. «In Friedenszeiten streicht der Tod manchmal als Geld getarnt durchs Land», sagte er. Deshalb sei es richtig gewesen, dass die Salzburger Festspiele vor kurzem ihre Sponsoring-Vereinbarung mit dem umstrittenen Bergbauunternehmen Solway beendet hätten.

Bis Ende August sind in Salzburg rund 200 Aufführungen von Theaterstücken, Opern und Konzerten geplant. Als erste Premiere stand am Dienstag Béla Bartóks Oper «Herzog Blaubarts Burg» und Carl Orffs Oratorium «De temporum fine comoedia» auf dem Programm. Für die Doppelproduktion wurde der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis engagiert, der wegen seines Schweigens zum Ukraine-Krieg in der Kritik steht.

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