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SRF-Auswanderin staunt: Ecuador-Schule verlängert Ferien der Kids

Das haben die Alvarados nicht kommen sehen: Die SRF-Auswanderer stehen am ersten Schultag vor verschlossenen Türen. Die Ferien wurden spontan verlängert.

flexibilität
Die Auswanderer-Familie zeigt in Ecuador immer wieder Flexibilität – auch beim Schulstart. - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Isabelle und Leo Alvarado sind mit ihren Söhnen von Luzern nach Ecuador ausgewandert.
  • SRF begleitete die Familie 2025 in der Sendung «Auf und davon» bei ihrer Auswanderung.
  • Einmal mehr müssen sie in ihrer neuen Heimat viel Flexibilität beweisen.

Andere Länder, andere Sitten – und manchmal auch andere Schulferien.

Isabelle und Leo Alvarado sind mit ihren beiden Söhnen nach Ecuador ausgewandert. In dem kleinen Dorf Río Negro haben sie ihr neues Daheim gefunden.

SRF hat das Ehepaar in der Sendung «Auf und davon» in den letzten Jahren auf seinem aussergewöhnlichen Weg begleitet.

Der Alltag in ihrer Wahlheimat sorgt immer wieder für Überraschungen. Das zeigt auch Isabelles neuster Instagram-Beitrag.

Alvarados stehen vor verschlossener Schule

Eigentlich hätte am 3. August für ihre beiden Jungs der erste Schultag nach den Ferien stattfinden sollen. Die Vorfreude war natürlich riesig. Die Buben hatten sich extra rausgeputzt, tolle Frisuren gezaubert und sind top motiviert mit ihren Eltern zur Schule gefahren.

Doch dort folgte die Ernüchterung: Die Eingangstüren waren verschlossen.

Die Familie wartete zunächst noch eine Weile, bis ihnen zwei Lehrerinnen begegneten. Die erklärten den Auswanderern, Der Schulstart sei kurzfristig auf den 11. August verschoben worden.

Der Grund? «Damit die Kinder noch etwas länger Ferien haben können…»

Isabelle fasst die Geschichte in einem Video lachend zusammen: «So läuft es hier in Ecuador.»

Statt sich zu ärgern, nimmt sie es gelassen. «Jetzt habe ich noch eine Woche mit den Kindern, darauf freue ich mich sehr.»

Wäre in der Schweiz «deutlich stressiger» gewesen

Und was hat die Auswanderer-Familie in dieser zusätzlichen Ferienzeit bislang unternommen?

Auf Anfrage von Nau.ch verrät Isabelle: «Wir spielten Brändi Dog, schmusten mit den Katzen, gingen zum Fluss oder spazierten durchs Dorf. Ausserdem starteten die Kinder mit dem intensiven Taekwondo-Training, das direkt bei uns im Dorf angeboten wird.»

Nach fünf Wochen unterwegs in der Schweiz und weiteren vier Wochen mit Freunden in Ecuador seien sie froh gewesen, mal nirgendwohin zu müssen.

Besonders schön findet die Auswanderin, dass sie nun gemeinsam bei Leos Projekt mitwirken können: «Jeden Tag pflanzen wir als Familie neue Setzlinge. So pflanzen wir nicht nur Bäume, sondern gemeinsam mit unseren Kindern auch unsere Zukunft.»

In der Schweiz hätte die zusätzliche Ferienwoche wohl vor allem für eines gesorgt: Chaos. Isabelle meint: «Wir hätten vermutlich eine Krisensitzung einberufen und anschliessend sämtliche Kalender geöffnet.»

Und weiter: «Damals waren wir beide angestellt und hätten sehr kurzfristig einiges umorganisieren müssen.» Insbesondere, um die Kinderbetreuung sicherzustellen.

Zwar hätte man sicher eine Lösung gefunden, aber: «Es wäre deutlich stressiger und komplizierter gewesen.»

«Das Leben etwas lockerer nehmen»

In Ecuador haben sie sich nun ein «freies und flexibles Leben» aufgebaut, so Isabelle. Dort sei ihr Leben darauf ausgelegt, dass sich Pläne jederzeit wieder ändern können. «Zudem lebt meine Schwiegermutter bei uns, und mein Schwiegervater sowie Leos Bruder wohnen gleich nebenan.»

Die Auswanderer schätzen die Freiheit und Spontanität in Ecuador sehr. «Nicht alles muss Wochen im Voraus geplant, bestätigt und nochmals schriftlich abgesichert werden», erklärt Isabelle.

Man könne kurzfristig umdenken, eine andere Lösung finden und vor allem: «Das Leben etwas lockerer nehmen.»

Wenn Flexibilität zur Herausforderung wird

Gleichzeitig könne genau diese Flexibilität aber auch zur Herausforderung werden. Besonders dann, wenn es um Behörden und Bewilligungen geht.

«Bei einem spontanen Schulstart kann man noch entspannt sagen: ‹Dann eben nächste Woche.› Bei einem Projekt, das wegen einer fehlenden Bewilligung nicht weitergeht, fällt diese Gelassenheit natürlich schwerer», so Isabelle.

In der Schweiz dauere ein Verfahren ebenfalls lange. Doch zumindest wisse man, welche Unterlagen noch fehlen, wer zuständig ist und wann ein Entscheid kommt. Ganz anders ist es in Ecuador.

Auswanderer Alvarado
Isabelle und Leo Alvarado geben Einblick in ihr Leben in Ecuador. - SRF

«Es kann sehr schnell gehen oder plötzlich gar nicht mehr. Manchmal weiss man nicht, ob der Antrag noch bearbeitet wird, irgendwo auf dem Schreibtisch liegt oder für immer Ferien macht.»

Isabelle fasst zusammen: «Die ecuadorianische Flexibilität ist also wunderschön, solange man selbst flexibel entscheiden kann. Etwas anspruchsvoller wird sie, wenn die eigene Zukunft davon abhängt, dass auch eine Behörde irgendwann eine Entscheidung trifft.»

Nach Schlammlawine drohte Enteignung

Dass die Alvarados flexibel sind, haben sie seit ihrer Auswanderung immer wieder unter Beweis gestellt.

Denn kaum hatte sich die vierköpfige Familie im letzten Jahr in ihrer neuen Heimat niedergesetzt, kam schon der erste Schock: Aufgrund von Drogenkartellen verhängte die Regierung abends eine Ausgangssperre. Die Kinder durften nicht mehr in die Schule, da man sich vor Anschlägen fürchtete.

Als sich die brenzlige Situation endlich entspannte, wartete schon das nächste Problem auf die Auswanderer-Familie.

Hättest du über den verschobenen Schulstart lachen können?

Sintflutartige Regenfälle setzten Teile der Provinz Tungurahua unter Wasser. Strassen wurden überflutet, Hänge rutschten ab.

Das Haus der Alvarados blieb zwar verschont – Die Folgen trafen sie trotzdem.

Denn: Die Regierung in Baños wollte 150 Menschen, die vom Erdrutsch betroffen sind, umsiedeln. Und zwar auf Land, welches den Alvarados gehört – auf die Grundstücke von Leos Vater und Onkel!

Den Auswanderern drohte also eine Enteignung. Doch was ist heute Der aktuelle Stand?

Isabelle erklärt: «Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es noch nicht ganz genau ... was vermutlich bereits sehr gut zur Geschichte passt.»

Sie gehen derzeit zu 99 Prozent davon aus, dass ihr Grundstück nicht enteignet wird. Die endgültige Bestätigung fehle allerdings noch.

Auswanderer
Die neue Heimat der Alvarados wurde von einer Flutkatastrophe heimgesucht. - SRF Screenshot

Die Auswanderin betont aber auch: «Was uns viel mehr beschäftigt: Auf dem Grundstück, das für die betroffenen Familien vorgesehen war, sind auch zwei Jahre nach der Tragödie noch keine neuen Häuser in Rio Negro gebaut worden.»

Die Menschen warten noch immer und würden mit ihrer Situation weitgehend allein gelassen. «Das ist für uns der traurigste Teil der ganzen Geschichte», so Isabelle.

Alvarados bleiben optimistisch

Obwohl sie noch immer nicht wissen, ob ihr Grundstück enteignet wird oder nicht, machen die Alvarados mit ihrem Grundstück weiter.

«Wir gehören nicht zu den Menschen, die auf eine offizielle Bestätigung oder hundertprozentige Sicherheit warten. Deshalb machen wir auf unserem Grundstück mit dem weiter, was dort vorgesehen ist: Wir pflanzen Bäume.»

Alvarados
Isabelle und Leo Alvarado bleiben optimistisch. Auf ihrem Grundstück pflanzen sie Setzlinge. - zVg

Die Zukunft sei also schon mal angepflanzt. «Ganz unabhängig davon, wie schnell die zuständigen Stellen mit dem Papierkram vorankommen.»

Und abschliessend meint Isabelle: «Die Situation ist also überall ungewiss, aber wir verlieren die Hoffnung nicht. Im Gegenteil: Wir pflanzen sie und nutzen die Chancen, die das Leben uns bietet.»

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