Das Coronavirus verändert das kriminalistische Verhalten der Menschen. Die Zürcher Staatsanwaltschaften spüren dies.
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Die Zürcher Polizei im Einsatz. (Archivbild) - Keystone Symbolbild

Die Zürcher Staatsanwaltschaften haben 2020 etwa gleich viele Fälle wie in den beiden Vorjahren eröffnet: Das Coronavirus liess zwar das gesellschaftliche Leben monatelang praktisch stillstehen, es veränderte aber auch das kriminalistische Verhalten.

Die fünf regionalen und die drei spezialisierten kantonalen Staatsanwaltschaften des Kantons Zürich eröffneten im vergangenen Jahr 28'559 neue Geschäfte. Das sind nur 189 weniger als 2019, wie dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht zu entnehmen ist.

Dieses hohe Fallaufkommen wird im Bericht - angesichts des Corona-Lockdowns - als erstaunlich und bemerkenswert bezeichnet. Es nahmen aber im Frühjahr 2020, als die Strassen leergefegt waren und Platz boten, unter anderem die Raserdelikte markant zu. Die Strafverfahren in diesem Zusammenhang verdoppelten sich.

Zudem traten neue Delikte auf. Der Bund hatte in der ersten Pandemiewelle Notkredite für ins Schlingern geratene Unternehmen mit 40 Milliarden Franken abgesichert. «Wo es um viel Geld geht, treten auch immer rasch zwielichtige Personen auf den Plan», heisst es im Jahresbericht. Betrüger hätten schnell erkannt, dass die unbürokratische Soforthilfe missbraucht werden könne.

Ende des vergangenen Jahres ermittelten Kantonspolizei und Staatsanwaltschaften im Kanton Zürich in 178 Fällen, in denen der Verdacht auf Covid-19-Kreditbetrug im Raum stand. Diese Zahl ist inzwischen weiter angestiegen; es werden derzeit 253 Verdachtsfälle mit einer mutmasslichen Deliktsumme von insgesamt 42 Millionen Franken verfolgt. Am Dienstag wurde vom Bezirksgericht Dietikon der erste Zürcher Betrüger erstinstanzlich verurteilt.

Die Pandemie führte aber auch dazu, dass Ende 2020 bei den Zürcher Staatsanwaltschaften fünf Prozent mehr Geschäfte offen waren als ein Jahr davor. Die Pendenzenlast wird mit 10'621 Fällen angegeben (Vorjahr: 10'136). Für den Anstieg werden insbesondere «pandemiebedingte Verfahrensverzögerungen» verantwortlich gemacht.

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