Gianni Infantino und die Jagd im Kloster Einsiedeln
Autor Thomas Renggli lanciert mit «Die Fussball-Mafia – wie die Fifa das schönste Spiel verkauft» ein neues Buch über die Fifa.

Das Wichtigste in Kürze
- Fifa-Ermittler vermuteten unter dem Kloster Einsiedeln einen geheimen Raum für Blatter-Treffen.
- Der angebliche Bunker existierte nicht, das Verfahren wurde eingestellt.
- Mit «Die Fussball-Mafia – wie die Fifa das schönste Spiel verkauft» erscheint ein neues Buch. Hier ein Auszug.
Ein Geheimbunker im Kloster Einsiedeln, eine angebliche Verschwörung und eine Strafanzeige gegen Sepp Blatter: Was wie ein Agententhriller klingt, war Teil eines juristischen Feldzugs der Fifa unter Gianni Infantino.
Am Ende scheiterte die spektakuläre Geschichte an der Realität – und die Justiz fand ungewöhnlich deutliche Worte.
Es ist eine der bizarrsten Episoden aus dem Machtkampf um die Fifa. Im Sommer 2023 wurde das Benediktinerkloster Einsiedeln plötzlich zum Schauplatz einer Geschichte, die eher an Umberto Ecos «Der Name der Rose» als an den internationalen Fussball erinnert.

Ausgangspunkt war ein Streit um das Fifa-Museum in Zürich. Die Fifa hatte unter Infantino die internationale Forensik-Firma AlixPartners mit Ermittlungen beauftragt.
Gesucht wurde belastendes Material gegen Sepp Blatter und weitere Verantwortliche. Die Fifa warf ihnen vor, mit einem überteuerten Mietvertrag einen Millionenschaden verursacht zu haben.
Ermittler rückten Kloster ins Zentrum
Doch die Ermittler gingen noch weiter. In einem zweiten Bericht rückte das Kloster Einsiedeln ins Zentrum. Aus der Freundschaft zwischen Blatter und dem damaligen Abt Martin Werlen, einer Hochzeit im Kloster und weiteren persönlichen Kontakten entstand ein angebliches konspiratives Netzwerk.
Der spektakulärste Fund: ein vermeintlicher, hochmoderner, abhörsicherer Raum tief unter dem Kloster. Dort, so die Darstellung der Ermittler, soll Blatter zwischen 2009 und 2011 geheime Treffen mit Fussballfunktionären, Geschäftsleuten und Bankern abgehalten haben. Fotos und Baupläne sollten die Existenz des Agenten-Verstecks belegen.
Nur wusste offenbar niemand im Kloster etwas davon. Abt Werlen konnte die Bilder nicht zuordnen. Der angebliche Geheimraum existierte dort nicht. Und auch die Behauptung einer 50'000-Franken-Spende an das Kloster erwies sich später als unbelegt.
Justiz kritisierte Gianni Infantinos Fifa
Die Zürcher Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren schliesslich vollständig ein.
Unabhängige Gutachter beurteilten den umstrittenen Mietzins für das Fifa-Museum als marktkonform. Einen Schaden sah die Justiz nicht.
Noch bemerkenswerter war ihre Kritik am Vorgehen der Fifa unter Gianni Infantino: Die Vorwürfe seien teilweise «Spekulation» und «fast schon konspirativ». Die Auswahl der Beschuldigten sei «mindestens bemerkenswert».
Die Antwort ist offen. Sicher ist nur: Der Machtkampf um die Fifa ist noch nicht zu Ende.
Neues Buch: «Die Fussball-Mafia – wie die Fifa das schönste Spiel verkauft»
Das neue Buch von Autor Thomas Renggli «Die Fussball-Mafia – wie die Fifa das schönste Spiel verkauft» zeichnet den Weg vom Sportverband zum globalen Machtkonzern nach – von João Havelange über Sepp Blatter bis zum heutigen Fifa-Präsidenten. Es geht um Macht, Geld, persönliche Interessen und die Frage, wie sich die FIFA unter Gianni Infantino verändert hat.
Transparenz-Hinweis: Autor Thomas Renggli ist Journalist, Buchautor und Nau.ch-Kolumnist. Er arbeitete zwischen 2012 und 2015 für die Fifa. Heute unterstützt er Sepp Blatter bei der Medienarbeit.













