Kanton Luzern: Siedlungsflächen wachsen – aber langsamer als früher
Im Kanton Luzern sind die Siedlungsflächen zwischen 2015/16 und 2021 um 364 Hektaren gewachsen. Das Tempo der Ausdehnung hat sich aber deutlich verlangsamt.

Die Ressource Boden wird vielfältig beansprucht. Über den Zustand und die Veränderung der Bodennutzung für unterschiedliche Zwecke gibt die Arealstatistik des Bundesamts für Statistik Auskunft. Sie wird seit den 1980er-Jahren schweizweit durchgeführt.
Im Kanton Luzern können mit den Ergebnissen der fünften Erhebung von 2021 die Entwicklungen der letzten rund vier Jahrzehnte dokumentiert werden. Dabei zeigt sich etwa, dass seit den frühen 1980er-Jahren kontinuierlich mehr Landfläche für Siedlungszwecke wie Wohnen, Arbeiten und Verkehr beansprucht wird. Das Wachstum der Siedlungsflächen hat sich im Zeitverlauf jedoch kontinuierlich verlangsamt.
Über die Hälfte des Luzerner Bodens sind Landwirtschaftsflächen
Mit einer Fläche von 78'548 Hektaren prägen die landwirtschaftlichen Nutzflächen das Landschaftsbild des Kantons Luzern. Gemäss der aktuellen Erhebung von 2021 machen sie 53 Prozent der Kantonsfläche aus und stellen damit weiterhin den grössten Bereich der Bodennutzung dar. Der Hauptteil der Landwirtschaftsflächen entfällt auf Ackerland, Naturwiesen und Heimweiden (87%), der kleinere Teil verteilt sich auf Alpwirtschafts- (10%) sowie Obst-, Reb- und Gartenbauflächen (3%).
30 Prozent des Luzerner Bodens zählen zu den bestockten Flächen (Wald, Gebüschwald und Gehölze), während 11 Prozent der Gesamtfläche für Siedlungszwecke genutzt werden. Unproduktive Flächen, womit stehende Gewässer, Fliessgewässer sowie Flächen mit unproduktiver oder ohne Vegetation bezeichnet werden, bedecken 7 Prozent des Kantonsgebiets.
Bodennutzung nach Nutzungsarten – Kanton Luzern Flächendefinitionen (Arealstatistik) Siedlungsflächen wachsen weiter – aber langsamer. Im Zeitraum zwischen der letzten Erhebung in den Jahren 2015/16 und der jüngsten Erhebung von 2021 haben sich im Kanton Luzern die Siedlungsflächen um 364 Hektaren weiter ausgedehnt (+2,4%). Pro Jahr entspricht dies einem durchschnittlichen Zuwachs von 61 Hektaren oder umgerechnet 85 Fussballfeldern (Standardmass eines Fussballfelds: 0,714 ha).
In demselben Zeitraum sind die Landwirtschaftsflächen in der gleichen Grössenordnung geschrumpft (–354 ha, –0,4%). Drei Fünftel (–213 ha) davon entfielen auf den Rückgang von Flächen für Obst-, Reb- oder Gartenbau. Um 114 Hektaren (+0,3%) zugenommen haben bestockte Flächen, während unproduktive Flächen in vergleichbarem Ausmass abgenommen haben (–124 ha, –1,2%).
Seit der ersten Erhebung 1980/82 hat das Tempo des Siedlungswachstums in jüngerer Zeit deutlich abgenommen. Zwischen 1980/82 und 1993/94 vergrösserten sich die für Siedlungszwecke beanspruchten Flächen um durchschnittlich 137 Hektaren bzw. umgerechnet 192 Fussballfelder pro Jahr. Damit wuchsen sie noch mehr als doppelt so schnell wie zuletzt zwischen 2015/16 und 2021.
Die Ausdehnung des Siedlungsgebiets hat sich etwa seit Mitte der 2000er-Jahre verlangsamt: Nachdem die Siedlungsflächen zwischen 1993/94 und 2006/07 im Schnitt weiter um 138 Hektaren (193 Fussballfelder) pro Jahr zugenommen hatten, waren es zwischen 2006/07 und 2015/16 mit im Durchschnitt jährlich 113 Hektaren (159 Fussballfelder) bereits etwas weniger.
Zunahme der Siedlungsflächen hauptsächlich auf Kosten von Kulturland
Die Nettozunahmen respektive -abnahmen der einzelnen Nutzungsarten sind das Resultat von Umnutzungen, bei denen jeder Bereich zulasten bzw. zugunsten der jeweils anderen Bereiche bestimmte Flächen gewinnt respektive verliert. So ergibt sich der oben genannte Zuwachs der Siedlungsflächen um 364 Hektaren zwischen 2015/16 und 2021 aus der Bilanz der 184 Hektaren, welche in diesem Zeitraum als Siedlungsflächen verschwanden, und den 548 Hektaren neu entstandenen Siedlungsflächen.
Dieser Nutzungstransfer lässt erkennen, dass das Wachstum der Siedlungsflächen fast ausschliesslich zulasten der Landwirtschaftsflächen erfolgte. 92 Prozent der zwischen 2015/16 und 2021 neu entstandenen Siedlungsflächen waren davor landwirtschaftlich (ohne Alpwirtschaft) genutzt worden. Neue Siedlungsflächen absorbierten damit fast drei Viertel (72%) der im gleichen Zeitraum verschwundenen Landwirtschaftsflächen.
Die übrigen 28 Prozent des eingebüssten landwirtschaftlichen Kulturlands sind zwischen 2015/16 und 2021 in bestockte (18%) bzw. unproduktive Flächen (10%) übergegangen.
Zum Wohnen genutzte Fläche hat sich seit 1980/82 fast verdoppelt Gemäss der jüngsten Erhebung von 2021 bilden Gebäudeareale mit einem Anteil von 53 Prozent die grösste Kategorie innerhalb der Siedlungsflächen. Über ein Viertel (28%) der bebauten Flächen wird zu Verkehrszwecken genutzt, und 10 Prozent gelten als Industrie- und Gewerbeareale. Erholungs- und Grünanlagen (6%) sowie besondere Siedlungsgebiete (4%) wie Ver- und Entsorgungsanlagen, Abbau- und Deponieflächen oder Baustellen beanspruchen einen eher geringen Teil der gesamten Siedlungsflächen.
4'739 Hektaren gelten 2021 als Wohnareale, womit fast drei Fünftel (57%) der Gebäudeareale oder knapp ein Drittel (30%) der Siedlungsflächen für Wohnzwecke bestimmt sind. Seit der ersten Erhebung 1980/82 ist die für Wohngebäude (inkl. Umschwung) genutzte Fläche um 2'314 Hektaren oder mehr als das Anderthalbfache der Fläche des Sempachersees (1'440 ha) gewachsen, was fast einer Verdoppelung gleichkommt (+95,4%).
Zusätzliche Wohnareale hauptsächlich für Mehrfamilienhäuser
Während die Fläche für Ein- bzw. Zweifamilienhäuser zwischen den Erhebungen von 1980/82, 1993/94, 2006/07 und 2015/16 jeweils um durchschnittlich 31 bis 34 Hektaren pro Jahr zugenommen hatte, waren es in der anschliessenden Periode bis 2021 nur noch 10 Hektaren pro Jahr. Demgegenüber hat die Nutzung des Bodens für Mehrfamilienhäuser zwischen 2006/07 und 2015/16 (+28 ha/Jahr) und anschliessend bis 2021 (+28 ha/Jahr) stärker zugenommen als noch in den beiden Perioden davor bis 2006/07 (+25 bzw. +21 ha/Jahr). Nachdem bis 2015/16 über die Hälfte des jährlichen Zuwachses an Wohnareal auf Ein- und Zweifamilienhäuser entfallen war, waren es seither lediglich noch 25 Prozent.
Zwischen 2015/16 und 2021 wurden dafür 71 Prozent der zusätzlich zum Wohnen benötigten Fläche für Mehrfamilienhäuser genutzt. Dies deutet auf eine Tendenz zu sparsamerem Umgang mit der knappen Ressource Boden hin.
Überbaute Fläche pro Kopf ist seit 2006/07 zwar rückläufig...
Gemessen an der Einwohnerzahl (mittlere Wohnbevölkerung) war die überbaute Fläche (Siedlungsflächen abzüglich Erholungs- und Grünanlagen) im Kanton Luzern zwischen 1980/82 und 2006/07 zunächst von 340 auf 371 Quadratmetern pro Kopf angewachsen. Seither ist jedoch eine rückläufige Tendenz feststellbar, so dass 2021 mit 352 Quadratmeter pro Kopf wieder das Niveau der frühen 1990er-Jahre erreicht wurde (1993/94: 354 m2/Kopf).
... durchschnittlich beanspruchte Wohnfläche pro Person nimmt jedoch weiter zu Betrachtet man ausschliesslich die zum Wohnen genutzten Gebäudeareale, wird sichtbar, dass der Flächenverbrauch pro Kopf seit den 1980er-Jahren stetig angewachsen ist: Während gemäss der Erhebung von 1980/82 die Fläche von Wohnarealen noch 80 Quadratmeter pro Einwohner/in (mittlere Wohnbevölkerung) betragen hatte, wuchs dieser Pro-Kopf-Flächenverbrauch fürs Wohnen bis 2021 auf 113 Quadratmeter an, was einer Zunahme um 41,9 Prozent innert rund vierzig Jahren entspricht. Neben dem Bevölkerungswachstum (1982–2021: +37,7%) hat somit auch der zunehmende Flächenverbrauch pro Kopf wesentlich zur oben erwähnten Ausdehnung der Flächen für Wohngebäude beigetragen.
Bodennutzung variiert stark je nach Region
Die dominierenden Arten der Bodennutzung variieren je nach Region. Die vergleichsweise hohe Bevölkerungs- und Siedlungsdichte führt in den urban geprägten Luzerner Regionen naturgemäss zu einem höheren Anteil an Siedlungsflächen als im geringer besiedelten ländlichen Raum. So bedecken die Siedlungsflächen in der Stadt Luzern mit 49 Prozent fast die Hälfte der städtischen Gesamtfläche.
Im Agglomerationskern beträgt dieser Anteil 29 Prozent und in der Region Sursee/Sempachersee 21 Prozent. Diese drei Regionen hatten bereits in der Erhebung 1980/82 die höchsten Siedlungsflächenanteile aufgewiesen. Zudem ist die Quote hier mit plus 8 Prozentpunkten (Agglomerationskern, Sursee/Sempachersee) bzw. plus 5 Prozentpunkten (Stadt Luzern) seither am deutlichsten gewachsen.
Im regionalen Vergleich hat das Entlebuch den mit Abstand geringsten Anteil an Siedlungsflächen (3%), umgekehrt aber mit 44 Prozent der Gesamtfläche den höchsten Anteil an bestockten Flächen. Zu den Gebieten mit den geringsten Waldanteilen zählen neben der Stadt Luzern (22%) die landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Sursee/Sempachersee (15%), Seetal (20%) und Rottal-Wolhusen (22%). In letzteren beiden Regionen dominieren die Landwirtschaftsflächen mit einem Anteil von jeweils über zwei Dritteln der Gesamtfläche (Rottal-Wolhusen: 69%; Seetal: 68%).
Bodennutzung nach Nutzungsarten – Analyseregionen Kanton Luzern Bodennutzung nach Nutzungsarten – Gemeinden Kanton Luzern Raumgliederung Kanton Luzern LUSTAT Statistik Luzern / 24. August 2026 / Autor: Enrico Moresi LUSTAT-Newsletter Aktuelle Analysen, Daten und Erkenntnisse zum Kanton Luzern. Kompakt, verlässlich und direkt per E-Mail.






