Hitze: Ohne Massnahmen drohen mehr Frühgeburten

Aaron Studer
Aaron Studer

Obwalden,

Die Schweiz erlebt den Rekordsommer. Hitzewellen können auch das Risiko für Fehlgeburten erhöhen – Expertinnen und Experten fordern Massnahmen.

schwanger
Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Hitzewellen und Frühgeburten. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Hitzewellen fördern Frühgeburten. Auch in der Schweiz könnte das drohen.
  • Hebammen fordern bessere Schutzmassnahmen für Schwangere im Alltag.

Die Hitzewellen werden häufiger – und mit ihnen wächst die Sorge um gesundheitliche Folgen. Nicht nur für ältere oder immungeschwächte Menschen, sondern auch für Schwangere und Babys.

Denn: Zwei Studien bestätigen, dass extreme Temperaturen das Risiko für Frühgeburten erhöhen.

Einer gross angelegten Studie der Hamburger Uniklinik zufolge könnten in zehn Jahren rund 15 Prozent zu früh geboren werden. Das wäre jedes sechste Kind – doppelt so viel wie heute.

Der Welthebammenverband kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Er beschreibt einen deutlichen Zusammenhang «zwischen lang anhaltender Hitze und erhöhten Raten von Frühgeburten, Totgeburten sowie einem niedrigem Geburtsgewicht».

Droht das bald auch in der Schweiz?

Hebammen berichten Zunahme von Frühgeburten

Die Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbands, Petra Graf, verweist gegenüber Nau.ch auf den Bericht des Welthebammenverbandes.

Hebammen, so Graf, würden weltweit über eine spürbare Zunahme von Frühgeburten und Einweisungen auf Neugeborenen-Intensivstationen während anhaltender Hitzewellen berichten.

Graf
Petra Graf ist Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbandes - zhaw.ch

Ob Frühgeburten durch häufigere Hitzewellen auch in der Schweiz künftig öfter stattfinden, wird sich zeigen. Das hängt laut Graf davon ab, wie wir präventive Schutzmassnahmen für Schwangere umsetzen.

Sie sagt: «Durch gezielte Aufklärung, Anpassung der Versorgungsstrukturen und eine gestärkte Rolle der Hebammen in der Hitzeprävention lässt sich dieses Risiko minimieren.»

Was sind die Gründe?

Graf zählt mehrere Gründe auf, wie sich Hitzewellen auf Schwangere auswirken. Zum Beispiel können starke Hitze und Flüssigkeitsverlust den mütterlichen Körper belasten und vorzeitige Wehen begünstigen.

Ebenfalls kann Hitze zu Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) führen.

Und: Die anhaltende Hitze beeinträchtigt den Schlaf und die Erholung. Das kann zusätzliche Belastungen für Schwangere verursachen.

Die Hitze führt bei schwangeren Personen zu einer Weitung der äusseren Blutgefässe. Dadurch kann die Versorgung des Ungeborenen mit Sauerstoff und Nährstoffen gestört werden.

Hinzu kommt: Unzureichend gekühlte Gebärabteilungen und hohe Temperaturen beeinträchtigen laut Graf die körperliche Belastungsfähigkeit von Schwangeren und Betreuungsteam gleichermassen.

Schwangere gehören zu einer vulnerablen Gruppe. Umso wichtiger sind präventive Hitze-Massnahmen und die Aufklärung. Graf: «Wir gehen davon aus, dass sich die Situation künftig weiter zuspitzen wird.»

Hebamme: Politik ist jetzt gefragt

Reine Infrastrukturmassnahmen – wie das Ausrüsten von Spitälern oder Schulhäusern mit Klimageräten – würden zu kurz greifen. Schwangere bewegten sich in allen Lebensbereichen, sei es am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder zu Hause.

Hebammen
77 Hebammen aus 41 Ländern wurden befragt, ob die Gesundheitssysteme ihrer Gemeinden gut auf den Klimawandel vorbereitet sind. Die Antworten reichen von «Stimme zu» bis «Stimme nicht zu». - International Confederation of Midwives

Deshalb brauche es «umfassende Lösungsansätze und verlässliche Rahmenbedingungen für diese schützenswerte Gruppe», sagt Graf. Die Politik sei gefordert, vorausschauende Pläne für unterschiedliche Szenarien zu entwickeln.

Der Verband fordert, aktiv in die Ausarbeitung von Klimaanpassungs- und Katastrophenschutzstrategien einbezogen zu werden.

Zudem braucht es ausreichende Ressourcen für die Erarbeitung praxisnaher Leitfäden, um Frauen beim Thema Hitzeschutz durch Gesundheitsfachpersonen wirksam zu beraten.

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Kommentare

User #397 (nicht angemeldet)

Hitzewellen sind längst vorbei. Das war der Sommer, jetzt kommt der Herbst. Nur kein Fass aufmachen

DiVa M.

Ich kann dieses „Experten“ Gerede nicht mehr hören.

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