Kanton Luzern: Reh und Hirsch bremsen die Verjüngung des Waldes
Der Kanton Luzern stellt die Strategie «Wald-Wild-Lebensraum» vor. Sie soll die Waldverjüngung sichern, die Reh, Rothirsch und Gämse vielerorts erschweren.

Die akute Trockenheit und Hitze dieses Sommers verdeutlichen die Auswirkungen des Klimawandels – auch der Luzerner Wald steht vor Herausforderungen. Um die vielfältigen Waldfunktionen langfristig zu sichern, braucht es stabile, artenreiche und anpassungsfähige Wälder. Viele der dafür wichtigen Baumarten sind jedoch bei Reh, Rothirsch und Gämse als Nahrung beliebt.
Mit der Strategie «Wald-Wild-Lebensraum» zeigt der Kanton auf, wie ein ausgewogenes und langfristig tragfähiges Gleichgewicht zwischen Wald, Wild und Lebensraum erreicht werden soll.
Wie steht es um die jungen Bäume im Luzerner Wald? Die Bilanz der Jahre 2021 bis 2024 zeigt ein differenziertes Bild: Auf knapp der Hälfte der Waldfläche – insbesondere im Mittelland – wird die natürliche Verjüngung der Wälder durch Reh, Rothirsch und Gämse (Wildeinfluss) nicht eingeschränkt. In weiten Teilen der Voralpen sowie in einzelnen Gebieten des Mittellands verhindert oder erschwert der Wildeinfluss hingegen die Verjüngung wichtiger Baumarten wie Tanne, Eiche, Linde oder Bergahorn.
Besonders in den Regionen rund um Pilatus und Napf können gewisse Baumarten gebietsweise kaum aufwachsen.
Vor diesem Hintergrund hat der Luzerner Regierungsrat im Jahr 2021 die Erarbeitung einer Strategie zur Senkung des Wildeinflusses auf den Wald beschlossen (Planungsbericht Klima- und Energiepolitik 2021 des Kantons Luzern). Hauptziel ist, das gemeinsame Verständnis für die Bedeutung des Wildtiermanagements bei der Anpassung des Waldes an den Klimawandel zu stärken. So sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die natürliche Waldverjüngung langfristig sicherzustellen.
Strategie «Wald-Wild-Lebensraum»: Fünf Handlungsfelder im Fokus
Im Zentrum der Strategie stehen fünf Handlungsfelder mit den folgenden Zielen:
Wald: Durch eine gezielte Waldbewirtschaftung (Holzernte und Pflege) werden stabile Waldstrukturen geschaffen und die Voraussetzungen für eine vielfältige und ausreichende Naturverjüngung verbessert.
Jagd: Die übergeordnete Jagdplanung sowie die lokale und regionale Jagdumsetzung werden stärker auf die Ziele eines integralen Wildtiermanagements mit tragbaren Beständen ausgerichtet.

Lebensraum: Wildtiere finden ausreichende Nahrungsangebote sowie struktur- und deckungsreiche Lebensräume im Wald und Offenland. Die Vernetzung dieser Lebensräume wird verbessert.
Störungen: Dem Wild stehen für Rückzug, Äsung, Fortpflanzung und die Aufzucht der Jungtiere ausreichend störungsarme Lebensräume zur Verfügung. Freizeit- und Erholungsnutzungen werden gezielter gelenkt.
Akteure: Die beteiligten Akteurinnen und Akteure werden besser vernetzt und über die komplexen Zusammenhänge zwischen Wald, Wild und Lebensraum informiert. Ein gemeinsames Verständnis schafft die Grundlage für wirksame und langfristig tragfähige Lösungen.
Die Strategie wurde gemeinsam mit zentralen Akteurinnen und Akteuren aus den Bereichen Wald- und Landwirtschaft, Jagd, Natur- und Umweltschutz, Gemeinden und Freizeitnutzung erarbeitet. Sie schafft die Grundlage für ein koordiniertes Vorgehen und zeigt auf, wie die verschiedenen Interessen langfristig bestmöglich in Einklang gebracht werden können.
Zusammenarbeit als Voraussetzung für die Zielerreichung
«Der Klimawandel stellt den Wald wie uns alle vor immer neue Herausforderungen» sagt Regierungsrat Fabian Peter, Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. «Die aktuelle Trockenheit verdeutlicht, wie wichtig ein widerstandsfähiger Wald für die Zukunft ist. Umso dringlicher ist es, die natürliche Waldverjüngung langfristig sicherzustellen.» Umweltdirektor Peter betont, die gesetzten Ziele seien bewusst ambitioniert: «Erreichen können wir sie nur, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen.»
Die Startetappe der Strategie ist auf einen Zeithorizont von acht Jahren ausgelegt. Ihre Wirkung wird regelmässig überprüft.
Strategiereferenz
Diese Massnahme dient der Umsetzung der politischen Schwerpunkte im Bereich Ökologisierung gemäss Kantonsstrategie.










