Christina Bachmann Roth, Die Mitte Lenzburg, schreibt in ihrem Gastbeitrag über Solidarität und Berührungspunkte zwischen Alt und Jung.
Christina Bachmann-Roth CVP Lenzburg
Christina Bachmann-Roth (37) ist Geschäftsführerin von Gaudis AG, Mutter von vier Kindern und Mitte-Politikerin. Sie ist Einwohnerrätin in der Stadt Lenzburg und Co-Präsidentin der IG Klima-Zukunft Lenzburg. - z.V.g.

Ganz unverhofft in einer spontanen Begegnung gab mir ein alter Mann von gut 90 Jahren seine Hand. Seit mehr als einem Jahr begrüsse ich Menschen mit Fuss, Ellbogen oder einem Nicken. Diese Begegnung hat mich im wahrsten Sinne des Wortes «berührt». Ich kam zum Schluss: Wir müssen uns wieder die Hand geben.

Seine Hand zum Gruss kam völlig unverhofft. Und ebenso unverhofft sah ich mich beherzt zugreifen. Ich traf den älteren Herren im Anschluss von einem Anlass. Er war dankbar für den Austausch und schien, neuen Mut gefasst zu haben. Ich wollte diese Freude mit ihm teilen.

Wir sind als Gesellschaft solidarisch mit den älteren Menschen. Und wie es halt so ist: solidarisch mit den einen, heisst unsolidarisch mit den anderen. Unsere Gesellschaft basiert auf der Generationensolidarität – und diese ist gegenseitig! Wie zerbrechlich diese ist, erleben wir heute «hautnah».

Nicht nur während der Pandemie, wo der Schutz der Risikogruppen gegen die psychische Gesundheit der jungen Bevölkerung ausgespielt werden. Unsere Sozialwerke sind verschuldet. Die Umverteilung bewirkt, dass die arbeitende Bevölkerung die wachsende Last der alternden Gesellschaft trägt und dabei viel von der eigenen Rente einbüsst. Junge gehen auf die Strasse und demonstrieren gegen den Klimawandel und gegen die aktuelle Politik, die dem Klima zu wenig Beachtung schenkt.

Wir brauchen wieder Berührungspunkte

Jung und Alt brauchen wieder Berührungspunkte und den Austausch miteinander. Es verändert sich nämlich was, wenn Ältere in jungen Menschen keine wohlstandsverwahrlosten Schmarotzer sehen, die das Arbeiten nicht gelernt haben. Es hilft, wenn Junge auf die Unterstützung von älteren Menschen vertrauen dürfen und diese nicht nur als Last wahrnehmen.

Politiker/innen müssen die Anliegen der Jungen ernst nehmen. Es bringt nichts, wenn Politiker/innen einfach radikale Forderungen aufstellen und leere Versprechungen machen. Es reicht auch nicht aus, wenn sie einfach eigennützig die Wählerstimmen der älteren Mehrheit abholen. Wir brauchen endlich Lösungen für alle.

Die Altersvorsorge der Jungen darf nicht nur auf die Rente der Älteren umverteilt werden. Ebenso brauchen wir vernünftige Anreize, damit wir alle unser Verhalten verändern und Sorge tragen zur Umwelt.

Bedarf an Gemeinschaftsplätzen angebracht

Das gleiche gilt für die Kommunalpolitik. Wir brauchen Plätze für Jugendliche im Zentrum der Stadt Lenzburg. Heute bleiben für sie leere, schlecht beleuchtete Unterführungen und für die Älteren gute Restaurants. Im Einwohnerrat habe ich den Bedarf an Gemeinschaftsplätzen platziert.

Als Co-Präsidentin des Vereins «IG Klima-Zukunft Lenzburg», welcher sich für die Klimaneutralität Lenzburgs einsetzt, kann ich zudem Anliegen der Jungen mit den Forderungen von Firmen und der Machbarkeit für die Stadt verbinden.

Der ältere Herr war dankbar und das freut mich. Solidarität brauchen jetzt auch unsere jungen Mitmenschen. Vielleicht mehr denn je.

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