Unternehmensgründung in Zeiten der Pandemie: Die Jungunternehmer Michèle Ulmann und Dominic Beck.
Dominic Beck und Michèle Ulmann im P791. - nau.ch -Ueli Hiltpold

Ich fahre mit meinem E-Bike zum P791 in Belp. Seit dem 23. Oktober letzten Jahres hat das grösste Hotel für Autos – jeglichen Alters und unabhängig wie viel PS unter der Haube verborgen sind – seine Türen geöffnet. Die beiden Besitzer Michèle Ulmann und Dominic Beck erwarten mich zu einem Gespräch, um mir zu erzählen, wie sie die Zeit seither erlebt haben und was so alles geschehen ist.

Eingang zum P791 - The Car Residence in Belp - Nau.ch / Ueli Hiltpold

Nau.ch: Wie habt Ihr die Zeit im P791 seit Eurem Eröffnungsfest erlebt? Was ist seither geschehen?

«Eigentlich ist sehr viel geschehen seit unserer Eröffnung und wir hatten einen grossen Aufschwung. Auch wenn wir den 2. Eröffnungstag wegen der Verschärfung der Corona-Massnahmen nicht durchführen konnten. Wir haben Führungen und Begehungen für Einzelpersonen und mit kleinen Gruppen gemacht. Auch für unsere Nachbarn. Das Interesse war und ist gross».

Ein Kunde übergibt die Schlüssel seines Aston Martin an Dominic Beck.
Michèle Uhlmann sucht die geeignete Stelle an einem McLaren für ein Logo.
Viel Handarbeit. Michèle Uhlmann poliert einen Ford Mustang aus den 60igern.
Dieser Porsche 356 wurde am 1. Januar 1953 zugelassen.
Für einmal 5 Minuten Pause. Dominic Beck (l) und Michèle Uhlmann (r) in der SkyLounge des P791.
Nicht nur Oldtimer stehen im P791 in Belp

Nau.ch: Läuft alles nach Plan oder habt Ihr gewisse Sachen noch nicht erledigen können?

«Bauseitig war Ende Oktober bis auf einige kleine Sachen alles erledigt. Wir waren bereit und konnten uns voll auf unsere Kunden und deren Autos konzentrieren. Es wird Frühling und die Leute nehmen ihre Fahrzeuge wieder langsam aus der Garage. Im Moment laufen Fahrzeigaufbereitungen sehr gut. Hier sind wir à jour».

Nau.ch: Beschäftigt Euch die gegenwärtige Situation und welche Auswirkungen hat sie auf die Zukunft des P791?

«Wir konnten uns in den vergangenen Monaten einen guten Namen aufbauen und wir arbeiten daran, uns weiter in diesem Markt zu positionieren. Leider können wir aber wegen den ganzen Auflagen noch keine grösseren Veranstaltungen wie Clubausfahrten planen und Events wie Clubtreffen organisieren. Die Autoszene Schweiz kennt das P791 mittlerweile und weiss, was es ist. Zukunftsängste haben wir sicher nicht. Wir wissen, dass das P791 ein grosses Projekt ist und es einfach eine gewisse Anlaufzeit braucht. Wir sind aber überzeugt, dass wir unser «Hotel» füllen können. Dafür geben wir uns sicher 3 bis 5 Jahre Zeit. Wenn wir aber einen Autosammler mit einer grossen Sammlung zum Beispiel aus Fernost akquirieren können, sieht es natürlich wieder ganz anders aus».

Nau.ch: Spielt Euer junges Alter bei Kundengesprächen eine Rolle?

«Unser Alter spielt bei den Gesprächen mit potentiellen Kunden eigentlich keine Rolle. Viele wissen, was wir in der Vergangenheit geleistet haben und wie liebevoll wir arbeiten. Natürlich gibt es den einen oder anderen, der sehr erstaunt ist, wenn er uns das erste Mal sieht. Aber wenn sie unseren Background erst einmal kennen und unser Fachwissen spüren, ist die Hemmschwelle rasch überwunden. Sie merken, dass ihr Fahrzeug bei uns in guten Händen ist».

Nau.ch: Ihr seid ein junges Paar und verantwortlich für Euer Unternehmen. Könnt Ihr zu Hause gut abschalten?

«Eigentlich sind wir rund um die Uhr hier im P791. Auch weil es uns wichtig ist, unseren Kunden einen sehr persönlichen Service zu bieten. Aber wenn wir zu Hause sind, können wir sehr gut abstellen und geniessen unser privates Leben in vollen Zügen».

Nau.ch: Was könnt Ihr jungen Paaren, welche ein Unternehmen gründen wollen, raten?

«Füreinander da sein, sich gegenseitig stützen, miteinander reden und sich vertrauen».

Dominic Beck (l) und Michèle Ulmann (r) in der SkyLounge des P791 - Nau.ch / Ueli Hiltpold

Nau.ch: Durch die Pandemie ist der Flugverkehr sehr eingeschränkt. Wie spürt Ihr das?

«Nach der Eröffnung des P791 hatten wir einige Kunden, die auf dem Flughafen Bern gelandet sind und unseren Service inklusive Transport in Anspruch nahmen. Wegen der Corona-Einschränkungen ist es aber seit Weihnachten sehr ruhig geworden und für die kommenden Ostertage haben wir noch keine Buchungen».

Viel Handarbeit. Michèle Ulmann poliert einen Ford Mustang aus den 60igern - Nau.ch / Ueli Hiltpold

Nau.ch: Was macht ein Auto sexy?

«Leistung, Kurven, Form und Sound. Wenn Du ein Auto lange anschaust und Du immer wieder ein neues Detail, eine neue Kurve, die Weiterführung der Formgebung entdeckst. Auch wenn das moderne Autodesign sich eher angleicht, jedes Fahrzeug ist auf seine eigene Art einzigartig».

Nau.ch: Wie ist das P791 auf E-Mobilität eingerichtet?

«Auch für E-Fahrzeuge sind wir vorbereitet. Wir haben auf unserem Dach eine der grössten Solaranlagen im Raum Bern und betreiben mit hauseigenen 100% ökologischen Solarstrom eine Ladestation für sämtliche Fahrzeugtypen. Hier können Kunden ihr Elektroauto laden. Zudem haben auch Elektroautos ein Interieur und eine Karosserie, welche gepflegt sein will».

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