SVP-Rickli: Gericht lässt Klage gegen Parteikollege Gallati zu

    Miguel Pereiro
    Miguel Pereiro

    Zurzibiet,

    Die Regierungsräte der SVP aus Zürich und Aargau, Natalie Rickli und Jean-Pierre Gallati, streiten um Patienten. Ein Gericht lässt die Klage aus Zürich zu.

    Rickli Coronavirus SVP
    Regierungsrätin Natalie Rickli, Vorsteherin der Gesundheitsdirektion, spricht an einer Medienkonferenz über das weitere Vorgehen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Zürich befürchtet, Patienten an eine neue Pflegeeinrichtung im Aargau zu verlieren.
    • Das Bundesverwaltungsgericht lässt die Klage von Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) zu.
    • Parteikollege Jean-Pierre Gallati muss sich nun dagegen wehren.

    Das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen hat entschieden: Die Zürcher SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli darf gegen ihren Parteikollegen aus dem Aargau, Jean-Pierre Gallati, klagen.

    SVP
    Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) und Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (SVP). - Keystone

    Die Beschwerde betrifft die Anfang August 2021 eröffnete Pflegeeinrichtung «Rückenwind plus AG» in Bad Zurzach, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Diese behandelt mit ihren 24 Betten Menschen mit Querschnittlähmung und querschnittähnlichen Symptomen nach einer Operation. Damit biete die Institution mehr als ein normales Pflegeheim, aber weniger medizinische Dienstleistungen als ein Paraplegikerzentrum.

    Kanton Zürich will keine Patienten an den Aargau verlieren

    Die Bedenken der Zürcher Gesundheitsdirektorin beziehen sich auf den Leistungsauftrag, den Gallati der Einrichtung im April 2022 erteilt hat. Denn damit erhielte «Rückenwind» einen Platz auf der Spitalliste und könnte so Behandlungskosten dem Kanton und den Krankenkassen in Rechnung stellen.

    Rückenwind plus AG
    Die Pflegeeinrichtung Rückenwind plus bietet temporärer Aufenthalt für Menschen mit Querschnittlähmung und querschnittähnlicher Symptomatik an. - rueckenwindplus.ch

    Das Problem aus Zürcher Sicht dabei: Die Rechnung geht an den Wohnkanton, unabhängig davon, wo die Behandlung stattfindet. Die Gesundheitsdirektion von Natalie Rickli befürchtet, Zürcher Patientinnen und Patienten an die neue Einrichtung im Aargau zu verlieren.

    Natalie Rickli wirft dem Aargauer SVP-Kollegen vor, die Patientenströme zu beeinflussen. Mit «Rückenwind» würden Kapazitäten geschaffen, die bisher teilweise von Zürcher Spitäler und Pflegeeinrichtungen abgedeckt würden. Gallati hingegen sieht in den 24 neuen Betten kein Problem für den Kanton Zürich mit seinen 4200 Betten.

    Gericht sieht Einfluss auf Patientenströme

    Das Gericht habe nun Rickli insofern Recht gegeben, dass der Beschluss von Regierungsrat Gallati unmittelbaren Einfluss auf die Patientenströme und damit die Zürcher Spitalplanung habe. Der Aargauer Regierungsrat habe selbst festgehalten, dass die Häufigkeit von Querschnittgelähmten im Aargau nicht ausreichend hoch sei. Ein auf die Bevölkerung des Kantons Aargau beschränkter Start des Betriebs sei deshalb nicht sinnvoll.

    Paraplegiker
    Ferngesteuerte, leere Rollstühle bei einer Aktion der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. - Keystone

    Mit seinem Teilurteil von Ende Oktober 2022 erlaubt das Bundesverwaltungsgericht die Zürcher Klage gegen den Nachbarkanton. Der Streit zwischen den beiden Regierungsräte der SVP ist damit aber noch nicht beigelegt. Nun müsse das Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Fachbehörde Stellung zu diesem Fall nehmen. Danach erhielten die Direktionen von Rickli und Gallati die Möglichkeit, eine Schlussbemerkung einzureichen.

    Verstehen Sie die Sorgen des Kantons Zürich um «seine» Patienten?

    Bis ein Urteil vorliege, erhalte die «Rückenwind plus AG» keinen rechtsgültigen Leistungsauftrag. Die «Aargauer Zeitung» rechnet vor, pro Person müsste die Einrichtung täglich 1000 Franken verrechnen können. Derzeit könne sie allerdings nur 170 Franken in Rechnung stellen und somit nicht kostendeckend arbeiten. Das Unternehmen könne sich derzeit nur dank privaten Geldern, Spenden und Unterstützung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung über Wasser halten.

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