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Aarau: Parteien fordern Hitzeschutz für Schulhäuser

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In Aarau fordern SP, Grüne, GLP, Pro Aarau und EVP ein Monitoring des Raumklimas an allen Schulen. Zu warme Räume sollen zeitnah saniert werden.

Schule
Aarau: Parteien fordern Hitzeschutz für Schulhäuser. (Symbolbild) - Keystone

Der Stadtrat wird eingeladen ein Monitoring des Raumklimas mit Temperatur-, CO₂- und Luftfeuchtigkeitsmessungen für alle Unterrichts-, Betreuungs- und Sporträume der Kindergärten und Schulhäuser in städtischem Besitz umzusetzen und einen Bericht zu erstellen.

Auf Grund des Berichts sollen zeitnah Projekte angestossen werden, damit die Räumlichkeiten nicht zu warm werden und konzentriertes Lernen und Arbeiten jederzeit möglich sind.

Für alle Neubauprojekte und Sanierungen sollen standardmässig verbindliche Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz einschliesslich Kühlungen festgelegt werden. Diese Anforderungen sind auf bereits laufende Schulraumprojekte anzuwenden.

Begründung

Die Hitzetage und Tropennächte des diesjährigen Sommers haben es einmal mehr schonungslos vor Augen geführt: Die zunehmende Klimaerwärmung ist in den Klassenzimmern unserer Stadt längst Realität. Wo Kinder und Jugendliche lernen und Lehrpersonen unterrichten sollen, herrschen in den Sommermonaten – oft bereits ab Mai und bis weit in den September hinein – unerträgliche Temperaturen.

Hitze ist eine Barriere für gute Bildung und Chancengerechtigkeit:

Zahlreiche Studien belegen, was der Schulalltag täglich zeigt: Bei Raumtemperaturen ab 26 Grad Celsius sinken Konzentrations-, Merk- und Leistungsfähigkeit drastisch. Hitze führt bei Kindern schnell zu Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Kreislaufproblemen und Reizbarkeit. Besonders jüngere Kinder in Kindergärten und Primarschulen können ihre Körpertemperatur noch weniger gut regulieren und leiden besonders stark unter thermischem Stress.

Wenn Schulzimmer zu Brutkästen werden, leidet die Bildungsqualität – und damit die Chancengerechtigkeit.

Improvisierte Notlösungen stossen an ihre Grenzen

Die Lehrpersonen und Schulleitungen leisten unter diesen schwierigen Bedingungen Ausserordentliches: Es wird frühmorgens stossgelüftet, Unterricht wird kurzfristig nach draussen oder in den Wald verlegt, Klassen weichen in kühle Kellerräume und Zivilschutzanlagen aus oder es werden spontane Badibesuche organisiert. So wertvoll dieses Engagement im akuten Moment ist: Solche Notmassnahmen sind auf Dauer keine tragfähige Lösung.

Bei anhaltenden Hitzewellen kühlen die Schulgebäude auch durch nächtliches Stosslüften nicht mehr ausreichend ab.

Hitze und schlechte Luft treffen dieselben Räume

Zum Raumklima gehört neben der Temperatur auch die Luftqualität – und beides hängt zusammen: Wer die Fenster wegen der Hitze, des Lärms oder des Pollenflugs geschlossen hält, verschlechtert die Luft; wer im Sommer stosslüftet, holt zusätzliche Wärme herein. Die Datenlage ist deutlich: In einer vom Bund begleiteten Messkampagne in 100 Schweizer Schulzimmern lüfteten rund zwei Drittel der fenstergelüfteten Zimmer inakzeptabel – der hygienische Richtwert wurde während mehr als 10 % der Unterrichtszeit überschritten. Die Norm SIA 382/1 bewertet CO₂-Konzentrationen bis 1000 ppm als hervorragend, 1000 bis 1400 ppm als gut und Werte über 2000 ppm als inakzeptabel; erste Leistungseinbussen treten bereits ab rund 800 ppm auf.

Konzentrations- und Merkfähigkeit leiden damit aus zwei Richtungen gleichzeitig, und beide Ursachen lassen sich nur gemeinsam beheben: Ein Sonnenschutz nützt wenig, wenn die Klasse zum Lüften trotzdem die Fenster öffnen muss, und eine Lüftung nützt wenig, wenn sie 30 Grad warme Luft ansaugt. Weil sich Temperatur, CO₂ und Luftfeuchtigkeit mit denselben Messgeräten im selben Arbeitsgang erfassen lassen, kostet die Ausweitung des Monitorings auf die Luftqualität kaum etwas – sie liefert aber die Grundlage dafür, Wärmeschutz und Lüftung in einem Zug zu planen, statt zweimal nacheinander zu bauen.

Gesundheitsschutz und Fürsorgepflicht der Stadt wahrnehmen:

Die Stadt trägt als Schulträgerin und Arbeitgeberin eine Fürsorgepflicht gegenüber tausenden Kindern, Jugendlichen und den Angestellten an den Schulen. Während im Winter wie selbstverständlich geheizt wird, fehlt es für die heissen Monate vielerorts an verbindlichen baulichen und technischen Standards für den sommerlichen Wärmeschutz.

Ökologisch nachhaltig handeln

Es geht nicht darum, Schulzimmer energieintensiv mit Monoblock-Klimageräten herunterzukühlen. Ziel muss eine ganzheitliche, ökologische Strategie sein:

Ein transparentes Temperatur-Monitoring zeigt auf, wo der Handlungsbedarf am dringlichsten ist (insbesondere bei älteren Bauten).

Folgende Massnahmen sind zu prüfen: Reduktion der Aufheizung, insbesondere durch automatischen Sonnenschutz; Beschattung und Begrünung der Aussenräume; Optimierung der bestehenden Steuerungen und der passiven Nachtauskühlung; wo dies nicht genügt: Anschluss an Fernkälte realisieren oder andere aktive Kühlungen berücksichtigen. Als kurzfristige Massnahme werden den Schulen genügend Ventilatoren zur Verfügung gestellt.

Zukunftssichere Standards: Neubauten und Gesamtsanierungen müssen von Beginn an klimaresilient und mit integrierten Kühl- und Beschattungskonzepten geplant werden.

Kühlen, das im Winter Heizkosten spart: Wo Gebäude mit Erdwärmesonden beheizt werden, führen dieselben Sonden im Sommer die Wärme aus dem Gebäude in den Untergrund ab – passiv als Freecooling mit sehr geringem Stromverbrauch oder, wo die Kühlleistung nicht reicht, aktiv über eine reversible Wärmepumpe. Diese sommerliche Wärme geht nicht verloren: Sie regeneriert das Erdreich, dem die Wärmepumpe im Winter Wärme entzieht. Die Norm SIA 384/6 verlangt ohnehin, Sondenfelder so auszulegen, dass sich der Untergrund über die Betriebsjahre nicht unzulässig abkühlt; Untersuchungen im Auftrag des Bundesamts für Energie zeigen, dass sich die Auskühlung des Untergrundes mit sommerlicher Kühlung deutlich verringern lässt.

Richtig ausgelegt ist die Kühlung damit kein energetischer Zusatzaufwand, sondern stützt die Effizienz der Heizung. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Wer die Kühlfunktion bei einer ohnehin geplanten Erdsondenanlage von Beginn an mitplant, zahlt einen überschaubaren Aufpreis für Verteilung, Hydraulik und Steuerung; die spätere Nachrüstung kostet ein Vielfaches oder ist gar nicht mehr möglich. Bei den anstehenden Schulraumprojekten ist deshalb bereits in der Projektierung zu klären, ob eine Erdsondenanlage mit Kühlfunktion realisierbar ist.

Dieser Vorstoss ergänzt bewusst die bestehenden städtischen Instrumente und Aktivitäten, welche vorwiegend auf den Aussenraum abzielen. Für die zunehmend akuten Hitzeprobleme innerhalb städtischer Liegenschaften und für die dort betroffenen vulnerablen Personen gibt es bisher noch keine systematische Grundlage. Der Zeitpunkt ist jetzt richtig, da die Stadt Aarau verschiedene Schulstandorte sanieren und erweitern muss (Zelgli-Schulhaus, Oberstufenschulhaus und weitere).

Andere Gemeinwesen sind bereits weiter: So hat der Landrat in Basel-Landschaft im Mai dieses Jahres ein systematisches Hitzemonitoring an den Schulen überwiesen, der Gemeinderat der Stadt Zürich hat einen entsprechenden Vorstoss im Juni dieses Jahres mit grosser Mehrheit überwiesen, und im Grossen Rat des Kantons Aargau wurden ebenfalls mehrere Vorstösse zum Hitzeschutz eingereicht, darunter das Postulat zur «Schaffung gesetzlicher Grundlagen für flexible Hitzeschutzmassnahmen an Aargauer Volks- und Kantonsschulen».

Kommentare

User #6491 (nicht angemeldet)

Was soll das? Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit einer Stadt oder Gemeinde!

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