Neuhausen am Rheinfall SH: Konzept gegen Hitze in Schulen und Alterszentren
Der Gemeinderat von Neuhausen am Rheinfall SH lässt ein Konzept für baulichen Hitzeschutz erarbeiten. Grössere Investitionen sind frühestens im Budget 2028 vorgesehen.

Am 23. Juni 2026 hat Einwohnerrätin Nina Schärrer eine Kleine Anfrage betreffend Umgang mit zunehmenden Hitzeperioden in Schulen, Kindergärten sowie Alters- und Pflegezentren der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall, eingereicht. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Fragen gestellt.
Der Gemeinderat teilt die Einschätzung, dass zunehmende Hitzeperioden eine wachsende Herausforderung für öffentliche Einrichtungen darstellen. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen sowie Mitarbeitende, die sich während längerer Zeit in den entsprechenden Gebäuden aufhalten. Die Gemeinde Neuhausen am Rheinfall berücksichtigt die Auswirkungen des Klimawandels bereits heute bei Unterhalt, Sanierungen und Neubauprojekten.
Die Anpassung bestehender Infrastrukturen sowie die Umsetzung geeigneter Schutzmassnahmen werden laufend geprüft und den finanziellen Möglichkeiten entsprechend budgetiert.
Zu den konkreten Fragestellungen:
Frage 1 Wie beurteilt der Gemeinderat die Hitzebelastung in bestehenden Schulhäusern, Kindergärten und Turnhallen der Gemeinde? Welche Bereiche oder Räume gelten aus Sicht des Gemeinderats als besonders kritisch?
Die Hitzebelastung variiert je nach Gebäudealter, Gebäudestandard, Raumlage und Nutzung. Besonders betroffen sind Räume mit starker Sonneneinstrahlung, Dachgeschosse sowie Turnhallen mit grossen Fensterflächen und intensiver Nutzung. Während moderne oder sanierte Gebäude bereits über wirksamere Beschattungs- und Lüftungssysteme verfügen, zeigen ältere Gebäude an einzelnen Sommertagen erhöhte Raumtemperaturen.
Als besonders kritisch werden Räume mit Süd- und Westausrichtung sowie Dachbereiche beurteilt, in denen sich die Wärme über mehrere Tage akkumulieren kann.
Frage 2 Wie beurteilt der Gemeinderat die Hitzebelastung in bestehenden Alters- und Pflegezentren der Gemeinde? Welche Bereiche oder Räume gelten aus Sicht des Gemeinderats als besonders kritisch?
Der Gemeinderat misst dem Schutz älterer Menschen vor Hitze eine hohe Bedeutung bei. Die Hitzebelastung stellt insbesondere für Bewohnerinnen und Bewohner mit Vorerkrankungen oder eingeschränkter Mobilität ein relevantes Gesundheitsrisiko dar.
In den Alterszentren Schindlergut und Rabenfluh werden insbesondere Bewohnerzimmer mit direkter Sonneneinstrahlung sowie Aufenthaltsräume mit grossen Fensterflächen als besonders exponiert betrachtet. Durch bereits umgesetzte Beschattungsmassnahmen und organisatorische Vorkehrungen konnte die Belastung reduziert werden. Die Situation wird laufend beobachtet und durch die Pflegefachpersonen professionell beurteilt.
Frage 3 Werden in den erwähnten Gebäuden Raumtemperaturen systematisch gemessen und ausgewertet? Falls nein: Wäre ein solches Monitoring aus Sicht des Gemeinderats sinnvoll, um den Handlungsbedarf besser beurteilen zu können?
Nein. Derzeit erfolgt keine flächendeckende und systematische Erfassung aller Raumtemperaturen in den genannten Gebäuden. Einzelne Messungen werden im Rahmen von technischen Abklärungen, Unterhaltsarbeiten oder aufgrund konkreter Rückmeldungen durchgeführt.
Der Gemeinderat erachtet ein Monitoring in besonders exponierten Gebäuden grundsätzlich als sinnvoll. Eine entsprechende Datengrundlage kann helfen, Prioritäten für künftige Massnahmen sachgerecht festzulegen und den tatsächlichen Handlungsbedarf besser zu beurteilen.
Frage 4 Welche technischen oder organisatorischen Massnahmen bestehen bereits für akute Hitzeperioden?
In den gemeindeeigenen Gebäuden sowie den Alterszentren bestehen bereits verschiedene organisatorische und technische Massnahmen zur Bewältigung von Hitzeperioden. Diese werden laufend überprüft.
Schulen, Kindergärten und weitere Gemeindebauten
– Lüftung der Räume während der Nacht- und Morgenstunden
– Schliessen der Fenster während der wärmeren Tagesstunden
– Nutzung vorhandener Storen, Jalousien und weiterer Beschattungseinrichtungen – Anpassung von Aktivitäten bei hohen Temperaturen – In den Schulräumen und Büros stehen zahlreiche Ventilatoren zur Verfügung – Sicherstellung einer ausreichenden Trinkwasserversorgung – Auch werden die Anwesenheiten der Mitarbeitenden in der Verwaltung flexibel organisiert Alterszentren Schindlergut und Rabenfluh – In der Nacht und während der frühen Morgenstunden werden die Gebäude gelüftet. Ab etwa 09.00 Uhr werden die Fenster geschlossen und wo möglich die Jalousien heruntergelassen – Auf den Stationen und in den Büros stehen zahlreiche Ventilatoren zur Verfügung. Diese werden situationsgerecht eingesetzt, wobei einzelne Bewohnerinnen und Bewohner Luftzug teilweise als unangenehm empfinden – Die Speisesäle im Schindlergut und in der Rabenfluh können mittels mobiler Klimaanlagen um einige Grad gekühlt werden.
Gleiches gilt für einzelne Gruppenräume – Besonders exponierte Fenster wurden mit speziellen Sonnenschutzfolien versehen – Bewohnerinnen und Bewohner mit erhöhter Hitzebelastung werden durch pflegerische Massnahmen unterstützt, beispielsweise durch regelmässiges Abwaschen sowie Hand- und Fussbäder – Die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wird konsequent überwacht und gefördert – Die Pflegefachpersonen sind für den Umgang mit hitzebedingten Risiken bei vulnerablen Personen sensibilisiert und gewährleisten eine professionelle Betreuung auch während längerer Hitzeperioden – Für die Mitarbeitenden werden Wasser, Eistee, Sirup und weitere Getränke bereitgestellt. Zudem stehen Ventilatoren in den Büros zur Verfügung. Während Hitzeperioden werden angepasste Bekleidungsregelungen ermöglicht, soweit dies mit den hygienischen Anforderungen vereinbar ist Die Alterskommission prüft derzeit die Erarbeitung eines Konzepts zum Schutz älterer und besonders gefährdeter Personen, die allein zu Hause leben und über kein unterstützendes soziales Umfeld verfügen.
Betroffene sollen die Möglichkeit haben, sich vorsorglich zu melden. Während einer Hitzewelle werden sie kontaktiert, um ihren Gesundheitszustand zu erfragen und bei Bedarf die notwendige Unterstützung sicherzustellen.
Frage 5 Wo sieht der Gemeinderat den grössten Handlungsbedarf, um bestehende Schulen, Kindergärten, Turnhallen sowie Alters- und Pflegezentren besser auf zunehmende Hitzeperioden vorzubereiten?
Der grösste Handlungsbedarf besteht bei älteren Gebäuden mit ungenügender Beschattung sowie bei Räumen, die sich aufgrund ihrer Lage und Bauweise besonders stark aufheizen.
Prioritär erscheinen dabei:
– Verbesserungen des äusseren Sonnenschutzes (z.B. Turnhalle Rosenberg)
– Optimierung der natürlichen und technischen Lüftung
– Begrünungs- und Beschattungsmassnahmen im Aussenbereich
– energetische Sanierungen mit gleichzeitiger Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes – Schaffung zusätzlicher Rückzugs- und Aufenthaltsbereiche mit angenehmen Temperaturen – Prüfung des Einbaus von Klimageräten Frage 6 Existieren bereits Prioritätenlisten oder Kostenschätzungen für notwendige Anpassungen? Falls ja: Welche Massnahmen sind kurz-, mittel- und längerfristig vorgesehen?
Nein, aktuell besteht keine Massnahmen- oder Prioritätenliste mit entsprechenden Kostenschätzungen für mögliche oder notwendige Anpassungen. Im Rahmen der laufenden Gebäudeunterhalts- und Investitionsplanung werden jedoch kleinere Massnahmen laufend geprüft und umgesetzt. Kurzfristig sind insbesondere organisatorische Optimierungen sowie kleinere technische Anpassungen möglich.
Dazu zählen beispielsweise Beschattungsmassnahmen, Sonnenschutzfolien auf Fensterscheiben oder Anpassungen der Umgebungsgestaltung.
Für mittel- und längerfristige Massnahmen soll nun ein Konzept «Hitzeschutzmassnahmen» unter Beizug von Fachspezialisten erarbeitet werden. Dieses soll aufzeigen, welche baulichen Hitzeschutzmassnahmen bei den bestehenden älteren Gemeindeliegenschaften sinnvoll und realisierbar sind. Gestützt auf die Ergebnisse dieses Konzepts wird der Gemeinderat über mögliche Investitionen im Bereich Hitzeschutz entscheiden und diese entsprechend budgetieren.
Frage 7 Sieht der Gemeinderat im kommenden Budget sowie Finanzplan eine entsprechende Budgetposition vor, um die notwendigen Investitionen für diese Hitzeschutzmassnahmen zu tätigen?
Der Gemeinderat wird nach Vorliegen des Konzepts «Hitzeschutzmassnahmen» über konkrete Investitionen entscheiden und die entsprechenden Mittel budgetieren. Grössere Investitionen sind frühestens im Budget 2028 vorgesehen und unterliegen der Genehmigung durch den Einwohnerrat.
Unabhängig davon werden mögliche, weniger aufwendigere Hitzeschutzmassnahmen bereits heute im Rahmen des geplanten Gebäudeunterhalts sowie bei Investitionsvorhaben geprüft und, wo sinnvoll und zweckmässig, berücksichtigt. Zum Beispiel Dachsanierung Gemeindewiesenschulhaus II.
Frage 8 Wie wird der Schutz vor sommerlicher Überhitzung bei aktuellen und geplanten Neubauten berücksichtigt, insbesondere beim Schulhaus Gemeindewiesen, beim Kindergarten Rhenania sowie beim künftigen Pflegezentrum?
Der sommerliche Wärmeschutz ist bei Neubauten und grösseren Sanierungen ein fester Bestandteil der Planung. Bereits in der Projektierungsphase werden geeignete Massnahmen zur Vermeidung von Überhitzung geprüft und berücksichtigt. Dazu gehören insbesondere wirksame Beschattungs- und Sonnenschutzkonzepte, hochwertige Gebäudehüllen, energieeffiziente Verglasungen, natürliche und technische Lüftungssysteme sowie Begrünungs- und Beschattungsmassnahmen im Aussenraum.
Darüber hinaus wird bei Neubauten eine Klimatisierung vorgesehen. Der Gemeinderat legt Wert darauf, dass neue öffentliche Gebäude den Anforderungen eines sich wandelnden Klimas langfristig gerecht werden und sowohl für Nutzerinnen und Nutzer als auch für Mitarbeitende komfortable und gesunde Bedingungen bieten.
Sofern Klimatisierungssysteme vorgesehen werden, wird der dafür notwendige Energiebedarf durch eigene Photovoltaikanlagen gedeckt. Dadurch kann ein wesentlicher Teil der benötigten Energie nachhaltig und direkt vor Ort erzeugt werden. Gerade während sonniger und warmer Perioden fällt der Strombedarf für die Kühlung zeitlich mit der höchsten Stromproduktion der Photovoltaikanlagen zusammen, wodurch ein energieeffizienter und nachhaltiger Betrieb ermöglicht wird.
Diese Vorgehensweise gilt für das laufende Projekt Kindergarten Rhenania oder die geplanten Projekte Schulhaus Gemeindewiesen sowie das künftige Pflegezentrum. Dabei werden die Erfahrungen aus bestehenden Gebäuden sowie die aktuellen Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz konsequent berücksichtigt.
Der Gemeinderat wird die Auswirkungen zunehmender Hitzeperioden weiterhin aufmerksam verfolgen und bei Unterhalts-, Sanierungs- und Neubauprojekten angemessene Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung sowie der Mitarbeitenden berücksichtigen. Ziel ist es, die gemeindeeigenen Gebäude schrittweise und nachhaltig an die klimatischen Herausforderungen der Zukunft anzupassen.






