Deutschland würde nach Einschätzung der Ökonomin Veronika Grimm mit den Folgen eines Gasembargos gegen Russland zurechtkommen.
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Das Wichtigste in Kürze

  • DIW-Präsident warnt hingegen vor Rezession und drastisch hoher Inflation.

«Natürlich wäre ein Embargo für Deutschland mit massiven Einschnitten verbunden», sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Mittwoch. «Es würde eine Rezession auslösen, in der Grössenordnung möglicherweise vergleichbar mit der Pandemie», fuhr sie fort. Der Staat müsste unmittelbare Härten abfedern. «Es wäre also herausfordernd.»

Jedoch teile sie die Einschätzung, «dass wir damit zurechtkämen, wenn Putin sprichwörtlich den Hahn zudreht», sagte die Wirtschaftsweise mit Verweis auf den russischen Präsidenten. Deutschland sei mit 60 Prozent Staatschuldenquote in die Pandemie gegangen, jetzt seien es etwa 70 Prozent. «Da ist noch Spielraum. Den sollte man nutzen, wenn man glaubt, den Konflikt durch eine Einstellung der Zahlungen an Russland einhegen zu können.» Es sei «strategisch nicht klug, wie bisher einfach zu zahlen».

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnte hingegen vor «dramatischen» wirtschaftlichen Auswirkungen, sollte es zu einem Stopp der gesamten russischen Energielieferungen kommen. In der «Passauer Neuen Presse» verwies er darauf, dass die Wirtschaft die Corona-Krise noch nicht bewältigt habe. «Die deutsche Wirtschaft ist momentan fragil, und daher träfe uns ein solcher Schock nun hart.»

Im Fall eines Lieferstopps seien eine Rezession und eine Inflation in Höhe von zehn Prozent denkbar, warnte Fratzscher. «Manche Unternehmen würden ihre Produktion wohl einstellen müssen und mehr Menschen in Kurzarbeit schicken», sagte er der Zeitung. Konsumenten müssten auf Gewohntes verzichten.

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