An der Schweizer Börse hat es in diesem Jahr zwei Neuheiten gegeben. Zum einen konnten sich Anleger erstmals an einer Mantelhülle namens Spac beteiligen. Zum anderen gibt es mit Sparks ein neues Börsensegment, mit dem KMU angelockt werden sollen.
Mit VT5 ist die erste Special Purpose Acquisition Company (Spac) an der Schweizer Börse in den Handel gestartet. (Archivbild)
Mit VT5 ist die erste Special Purpose Acquisition Company (Spac) an der Schweizer Börse in den Handel gestartet. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/DPA/ARNE DEDERT

Das Wichtigste in Kürze

  • Spacs sind Mantelgesellschaften, die zum Erwerb von nicht kotierten Gesellschaften gegründet werden.

Ein so genanntes Special Purpose Acquisition Company (Spac) sammelt zunächst Kapital über einen Börsengang ein und macht sich erst dann auf die Suche nach Übernahmeobjekten. Sie sind im Ausland, vor allem in den USA, populär.

Im Dezember kam es zur Premiere des ersten Schweizer Spac. VT5 wurde mit einer Marktkapitalisierung von gut 200 Millionen Franken an die Börse gebracht und will in den nächsten zwei Jahren ein oder mehrere Unternehmen kaufen.

Die hiesige Börsenbetreiberin SIX hat erst kürzlich die Bewilligung von den Behörden für diese Anlageform erhalten. Für die Schweiz sei das wichtig, sagte SIX-Präsident Thomas Wellauer kürzlich im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP. «Denn wenn ein Schweizer Unternehmen sich von einem Spac kaufen lassen will, dann wird es das tun. Und wenn es keine Schweizer Spacs gibt, dann wird es ein ausländisches Spac sein, und dann ist das Unternehmen weg.»

Des Weiteren gibt es seit Oktober das neue KMU-Börsensegment Sparks. Mit ihm soll kleineren Unternehmen ein Börsengang schmackhaft gemacht werden. Es ist laut Wellauer also auch eine Antwort auf den Rückgang von IPOs im historischen Vergleich.

Kleineren Unternehmen soll mit dem neuen Marktsegment der Zugang zur Börse einfach gemacht werden. Es ist für Gesellschaften gedacht, die eine Marktkapitalisierung von voraussichtlich weniger als 500 Millionen Franken haben. Die Hürden sind etwas tiefer als für einen «normalen» Börsengang. Das Unternehmen darf erst zwei Jahre alt sein und einen Freefloat von lediglich 15 Prozent aufweisen. Geringer sind auch die Eigenkapitalanforderungen.

Im Sommer war die SIX noch davon ausgegangen, dass es bereits 2021 zu einem ersten «Sparks-IPO» kommen wird. Mittlerweile rechnet sie erst im kommenden Jahr «mit dem einen oder anderen Börsengang». SIX-Präsident Wellauer geht in den nächsten fünf Jahren von 10 bis 20 solchen IPOs aus.

«Es ist eine effiziente Möglichkeit für ein KMU, sich zu finanzieren», sagte er. Wenn das Unternehmen wächst, ist später ein automatischer Wechsel in das Hauptsegment möglich.

Inspiration hat sich die SIX dabei wohl bei der Bolsas y Mercados Españoles (BME) in Madrid geholt, welche sie 2020 übernommen hat. «In Spanien - wo es bereits mit BME Growth solch ein Segment mit über 100 Unternehmen gibt - haben wir gesehen, dass sich kleinere Unternehmen wohlfühlen in einem Umfeld mit ihresgleichen», sagte Wellauer.

Und die meisten anderen Börsen hätten auch so ein Spezialsegment für KMU.

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