Post-CEO Roberto Cirillo hat die Strategie seines Unternehmens verteidigt. Den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung wies er zurück.
Roberto Cirillo, neuer CEO der Schweizerischen Post, gibt ein Interview während einer Medienkonferenz am Mittwoch in Bern.
Roberto Cirillo, neuer CEO der Schweizerischen Post, gibt ein Interview während einer Medienkonferenz am Mittwoch in Bern. - sda - Keystone/PETER KLAUNZER

Um die Grundversorgung ohne Subventionen sicherstellen zu können, sei die Post auf zusätzliche Einnahmen angewiesen. «Wir wollen nicht den ganzen Markt aufkaufen», betonte Cirillo am Dienstag in einem Online-Hintergrundgespräch mit Journalisten.

Doch angesichts des Wandels der Nutzungsgewohnheiten müsse sich die Post anpassen. Dies, um die Grundversorgung trotz rückläufiger Erträge im Briefmarkt finanzieren zu können. Sie bleibe aber in ihren Kernmärkten.

Post soll marktbeherrschende Stellung missbraucht haben

Hintergrund sind mehrere Akquisitionen der Post. So übernahm der Konzern in den vergangenen Monaten den Cloud-Anbieter «Tresorit», den Anbieter von digitalen Werbeplattformen «Livesystems» und die Administrationshilfe «Klara». Gerade in letzterem Fall wurde in den Medien der Vorwurf laut, dass die Post ihre marktbeherrschende Stellung missbrauche.

Der Tessiner Roberto Cirillo, der seit zwei Jahren als Konzernchef an der Spitze der Post steht, will an der täglichen Zustellung von Briefen und Paketen festhalten. (Archivbild)
Der Tessiner Roberto Cirillo, der seit zwei Jahren als Konzernchef an der Spitze der Post steht, will an der täglichen Zustellung von Briefen und Paketen festhalten. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/TI-PRESS/POOL/ALESSANDRO CRINARI

Kritik gab es auch an der Übernahme von «Livesystems». Das Unternehmen betreibt Werbe-Bildschirme in Bahnhöfen, Bussen und Tankstellen und anderen Orten mit hohem Personenaufkommen. Dies habe nichts mit dem Leistungsauftrag der Post zu tun, hatte der Chef der Werbefirma APG, Markus Ehrle, im Juli den Tamedia-Zeitungen gesagt.

Übernahmen werden auf Bestimmungen geprüft

Cirillo erklärte dazu am Dienstag, die Post sei durch das Verteilen von Broschüren seit jeher in der Verbreitung von Werbung tätig. Bei der Übernahme von «Klara» gehe es um die Abwicklung von Transaktionen - nur, dass etwa die Rechnung eines Handwerkers nicht mehr in Papierform vertragen werde.

Poststellen sollen besser erreichbar sein, fordert das Parlament.
Poststellen sollen besser erreichbar sein, fordert das Parlament. - keystone

Jede Übernahme werde im Vorfeld darauf geprüft, ob sie den wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen entspreche, betonte Cirillo. Bislang habe die Post zudem keine Kenntnis von Meldungen an die Wettbewerbskommission (Weko).

Laut eigener Schätzung wird die Post im laufenden Jahr rund 230 Millionen Franken in Übernahmen investieren. Inzwischen beschäftigt sich auch das Bundesparlament mit dem Thema: Der Ständerat überwies in der Herbstsession zwei offen formulierte Motionen, die strengere Regeln für Übernahmen durch bundesnahe Betriebe fordern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Post hat ihre Übernahme-Strategien gegenüber Journalisten verteidigt.
  • Das Unternehmen müsse sich den Nutzungsgewohnheiten anpassen.

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