Nestlé droht in Russland die Zwangsverwaltung
Nestlé könnte in Russland fünf Gesellschaften verlieren. Eine russische Firma fordert deren vorübergehende staatliche Verwaltung.

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé könnte die Kontrolle über fünf seiner sechs russischen Produktionsstandorte verlieren. Das russische Unternehmen KS Logistika hat Präsident Wladimir Putin aufgefordert, die Gesellschaften unter vorübergehende Verwaltung zu stellen.
Als Begründung nennt KS Logistika der «Frankfurter Rundschau» zufolge fehlende Investitionen in die Produktionskapazitäten. Zudem exportiere Nestlé demnach keine in Russland hergestellten Waren mehr.
Über den Antrag soll laut dem «SRF» bis Ende 2026 entschieden werden. Eine Zwangsverwaltung könnte dabei ein erster Schritt zu einem späteren Eigentümerwechsel oder einer Enteignung sein.
Nestlé hält an Russland fest
Nestlé sei bislang von keiner staatlichen Stelle zu dem Antrag kontaktiert worden, erklärte ein Konzernsprecher gegenüber AWP. Die Fabriken und Büros arbeiteten weiter, zudem erfülle Nestlé seine bestehenden Verpflichtungen.
Ein vollständiger Rückzug aus Russland sei derzeit nicht geplant. Nestlé erwirtschaftet dort laut Konzernangaben rund zwei Prozent seines weltweiten Umsatzes.
Nestlé hatte sein Russland-Geschäft nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 reduziert, aber nicht vollständig eingestellt. Der Konzern begründete dies damals mit der Versorgung der Bevölkerung mit grundlegenden Lebensmitteln.
Danone und Carlsberg: So erging es westlichen Konzernen in Russland
Andere westliche Unternehmen verloren bereits die Kontrolle über ihre russischen Geschäfte. Das «SRF» nennt dabei insbesondere den französischen Lebensmittelhersteller Danone und den dänischen Bierkonzern Carlsberg.
Danones Russland-Geschäft wurde 2023 unter staatliche Verwaltung gestellt und später für rund 180 Millionen Euro verkauft. Insgesamt verbuchte der französische Konzern dabei einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro, berichtet das «Manager Magazin».
Auch Carlsbergs Russland-Geschäft wurde 2023 unter staatliche Verwaltung gestellt. Ende 2024 schloss der Konzern seinen Rückzug über einen Management-Buyout für rund 320 Millionen Dollar ab.
Analysten sehen Risiken für Nestlé
Die Analysten der US-Bank JPMorgan halten inzwischen einen Verlust des Russland-Geschäfts für möglich. Bei einem erzwungenen Verkauf mit geringem Erlös könnte der Gewinn je Aktie um rund drei bis vier Prozent sinken.
Die Berichte über eine mögliche Zwangsverwaltung belasteten zudem die Nestlé-Aktie. Das «Manager Magazin» schreibt von einem Kursverlust von 1,6 Prozent auf 79,70 Franken am Montagvormittag.

Eine Zwangsverwaltung wäre laut SRF-Wirtschaftsredaktor Damian Rast ein schwerer Schlag. Bei einer Enteignung müssten die russischen Fabriken abgeschrieben werden, während Produktionswissen an neue Betreiber gelangen könnte.














