Nestlé unter Zwangsverwaltung – Vorstufe zur Enteignung?
Nestlé bleibt in Russland aktiv, obwohl Putin eine Zwangsverwaltung verhängt hat. Für den Konzern stehen bis zu 1,7 Milliarden Franken auf dem Spiel.

Per Präsidialdekret hat Kreml-Chef Wladimir Putin zwei russische Tochterfirmen von Nestlé unter Zwangsverwaltung gestellt. Betroffen sind Nestlé Russia sowie Nestlé Kuban, wie die «Bilanz» berichtet.
Die Anteile, die Nestlé-Gesellschaften aus der Schweiz und Deutschland hielten, werden nun von der russischen Firma L.E.V. Management verwaltet. Nestlé bleibt formal Eigentümerin, verliert aber die Entscheidungshoheit über die betroffenen Beteiligungen, so das Finanzportal «Cash».
Ursprünglich hatte das russische Unternehmen KS Logistika den Kreml Mitte August aufgefordert, fünf Nestlé-Firmen unter Zwangsverwaltung zu stellen. Umgesetzt wurde die Massnahme schliesslich nur für zwei dieser Gesellschaften, berichtet «Cash».
Nestlé will trotz Zwangsverwaltung Betrieb fortführen
Die russischen Tochterunternehmen des Konzerns versicherten daraufhin, den Betrieb unverändert weiterzuführen. Laut der «Bilanz» betonten sie, alle Verpflichtungen gegenüber Kunden, Partnern und Mitarbeitenden vollumfänglich erfüllen zu wollen.
Nestlé betont zudem, die Zwangsverwaltung sei weder eine Verstaatlichung noch ein Eigentümerwechsel. Der Konzern wolle mit der L.E.V. Management zusammenarbeiten, um die Effizienz sogar zu steigern, wie die «Bilanz» weiter schreibt.
In Russland macht Nestlé Geschäfte im Wert von bis zu 1,7 Milliarden Franken – rund 2 Prozent des weltweiten Konzernumsatzes.
Vorstufe zur Enteignung?
SRF-Russlandkorrespondent Calum MacKenzie ordnet die Massnahme kritisch ein. Die Zwangsverwaltung sei in vergangenen Fällen meist die Vorstufe zur Enteignung gewesen, danach wurde das Unternehmen oft kremlnahen Figuren zugesprochen.
Als Vergleich dienen die Fälle von Danone und Carlsberg. Beide verloren 2023 zunächst die Kontrolle, ehe sie ihr Russland-Geschäft 2024 weit unter Wert abstossen mussten, wie «Cash» berichtet.
Analysten von JPMorgan schätzen, dass ein erzwungener Verkauf den Gewinn je Nestlé-Aktie um 3 bis 4 Prozent schmälern könnte.
Kreml setzt Schweiz unter Druck
Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete laut «Bilanz» die Schweiz als «unfreundliches Land», da sie die EU-Sanktionen gegen Russland übernommen hat.

Das «SRF» berichtet, der Kreml könne westliche Firmen nun beliebig unter Druck setzen. Dies mit der Androhung einer Enteignung als Druckmittel.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stehen in engem Kontakt mit Nestlé. Ziel der Schweizer Unterstützung sei es, eine Rücknahme der Zwangsverwaltung zu erwirken.















