Lindt-Interim-CEO kündigt baldige Verjüngung im Verwaltungsrat an
Bei Lindt & Sprüngli dürfte es bereits an der nächsten Generalversammlung im Früjahr 2027 zu Veränderungen im Verwaltungsrat kommen. An der nächsten und übernächsten Versammlung soll der Generationenwechsel im Gremium vorangetrieben werden, sagte Interims-CEO und Vizeverwaltungsratspräsident Dieter Weisskopf in einem am Mittwoch veröffentlichten Mitschnitt einer Telefonkonferenz mit Analysten vom Montag.

Offen liess Weisskopf, ob der 80-jährige Patron und Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner bereits 2027 abtreten wird. Die Altersstruktur des Verwaltungsrats sei ein Thema, sagte der 71-jährige Weisskopf. «Wir werden dieses Thema Schritt für Schritt angehen.»
Bereits in den vergangenen Jahren seien zwei jüngere Frauen in das achtköpfige Gremium gewählt worden. Die 60-jährige Monique Bourquin gehört dem Gremium seit 2023 an, die 47-jährige Emmi-Chefin Ricarda Demarmels wurde im April 2026 gewählt.
Zur möglichen Nachfolge des überraschend am Montag gefeuerten Konzernchefs Adalbert Lechner sagte Weisskopf, gesucht werde eine Führungspersönlichkeit für die kommenden sechs bis acht Jahre. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin müsse zur Unternehmenskultur passen und die Wachstumsziele mittragen.
Dabei sah Weisskopf explizit Vorteile für einen internen Kandidaten. Die stark dezentrale Organisation von Lindt spreche eher für eine Besetzung aus den eigenen Reihen. Es gebe sehr gute interne Kandidaten, sagte er. Gemäss Lindt sind ebenfalls externe Bewerber möglich. Die Nachfolge soll bis spätestens Ende des zweiten Quartals 2027 feststehen.
Den Zeitpunkt der Bekanntgabe von Lechners Entlassung bezeichnete Weisskopf als «hässlich». Ein Führungswechsel sei aber bereits seit einiger Zeit in Diskussion gewesen. Man habe die Kommunikation aber nicht mit der jüngsten Umsatzwarnung im September zusammenlegen können. Diese habe Verwaltungsrat und Management überrascht gehabt und habe wegen der Börsenvorschriften inner 24 Stunden veröffentlicht werden müssen.
Der Verwaltungsrat habe den Managementwechsel vor den im November anstehenden Budgetgesprächen vollziehen wollen. So könne die neue Führung – also er – die Planung für die kommende Zeit mitgestalten.
Der Interims-CEO und Vizeverwaltungsratspräsident Weisskopf sieht sich ausdrücklich nicht als Krisenmanager. Seine Aufgabe sei weder eine Sanierung noch ein Stellenabbau. Das Unternehmen sei grundsätzlich gut aufgestellt.
An der Strategie ändere sich nichts. Lindt wolle sich weiterhin auf Premiumschokolade konzentrieren. Ein Einstieg ins Glacé- oder Biscuits-Geschäft sei nicht geplant.
Auch im Marketing bleibe der Kurs unverändert. Der Abgang des bisherigen Marketingverantwortlichen Daniel Stuber im September stehe weder mit dem Chefwechsel noch mit der Umsatzwarnung in Zusammenhang.










