Lindt-&-Sprüngli-Titel fallen an der Börse nach Chef-Rauswurf
Der überraschende Rauswurf von Lindt-&-Sprüngli-Chef Adalbert Lechner kommt an der Börse schlecht an. Analysten begrüssen zwar mehrheitlich die Rückkehr des früheren Konzernchefs Dieter Weisskopf. Kurzfristig überwiegt bei den Anlegern aber die Verunsicherung.

Um 10.05 Uhr verlor der Lindt-Partizipationsschein 1,7 Prozent auf 8280 Franken. Zur Eröffnung waren die Titel kurzzeitig um bis zu 3 Prozent abgesackt. Anschliessend konnten sie einen Teil der Verluste wieder wettmachen.
Der Kurs hatte sich zuletzt vom Einbruch nach der zweiten Umsatzwarnung Ende September fast vollständig erholt. Am 5. Oktober waren die Titel noch auf ein Jahrestief von 7420 Franken gefallen. Seither haben sie trotz des heutigen Rückschlags wieder gut 12 Prozent gewonnen. Seit Jahresbeginn steht allerdings nicht zuletzt wegen der Kakaopreis-Krise weiterhin ein Minus von rund 28 Prozent zu Buche.
Der abrupte Führungswechsel bei Lindt betrifft neben der Konzernspitze auch Deutschland, den nach den USA zweitwichtigsten Auslandsmarkt des Luxusschokoladeproduzenten. Lindt will gemäss den Verantwortlichen mit den Neubesetzungen wieder zu Wachstum zurückfinden.
Die Analysten der US-Bank Jefferies befürchten allerdings, dass der Konzern dafür Abstriche bei der Profitabilität machen muss. Sollten sich die Verkaufsmengen in Europa langsamer als erwartet erholen, werde der Zielkonflikt zwischen höheren Investitionen und steigenden Gewinnmargen jedenfalls zunehmend schwieriger zu vermeiden sein. Die Bank sieht deshalb 2027 die Gefahr einer Überprüfung der Margenziele. Der neue dauerhafte Konzernchef, der spätestens im zweiten Quartal 2027 ernannt werden soll, könnte die bisherige Strategie neu beurteilen.
Die UBS warnt ebenfalls vor kurzfristiger Unsicherheit durch den abrupten Chefwechsel. Mittelfristig dürfte sich die Anlegerstimmung aber verbessern. Die Analysten betonen etwa, dass sinkende Kakaokosten 2027 bis zu 500 Millionen Franken für Preissenkungen, Werbung und Verkaufsförderung freimachen und so den Absatz ankurbeln könnten.
Die Zürcher Kantonalbank und Vontobel begrüssen insbesondere die Rückkehr des Lindt-Insiders Weisskopf an die operative Spitze. Letztere bezeichnet das Lindt-Urgestein respektive den früheren Suchard-Manager als einen der erfahrensten Manager der Schokoladenbranche und als richtigen Mann, um Lindt wieder auf Kurs zu bringen.
Die umfassenden Führungswechsel deuteten allerdings auf unterschiedliche interne Auffassungen über die Preispolitik in Europa und die Dringlichkeit von Gegenmassnahmen hin, so Vontobel. Kritik übt die Bank auch am Verwaltungsrat unter Präsident Ernst Tanner. Dieser hätte früher eingreifen können. Schliesslich fordert die Bank wohl nicht zuletzt mit Blick auf den 80-jährigen Tanner: Weitere Veränderungen im Gremium im kommenden Frühjahr wären zu begrüssen.
Lindt kämpft seit Monaten mit rückläufigen Verkaufsmengen, insbesondere in Europa. Nach massiven Preiserhöhungen musste der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 bereits zweimal senken. Trotz des Führungswechsels hält das Unternehmen an den zuletzt kommunizierten Jahreszielen fest.










