Mehr Tierwohl - aber ohne die Bauern zu überfordern: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Montag Forschungsergebnisse zu den Schweineställen der Zukunft vorgestellt, die einerseits Verbesserungen für die Tiere bringen, sich aber auch für die Landwirte rechnen sollen.
Schweinestall in Niedersachsen
Schweinestall in Niedersachsen - dpa/AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Vorschläge sollen Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Tierwohl bewältigen.

Dafür sollen auch die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen.

Für die Stallbaukonzepte wurde untersucht, wie Schweineställe der Zukunft aussehen können, die «gesellschaftlich akzeptiert werden und gleichzeitig praktisch realisierbar sind», wie Klöckners Ministerium erklärte. Beteiligt an der Forschung dazu waren neben mehreren Hochschulen auch Stallbauexperten und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).

Konkret sehen die Konzepte mehr Bewegungsfreiheit für Sauen, Ferkel und Mastschweine sowie getrennte Funktionsbereiche im Schweinestall vor. Verbessert werden sollen vor allem die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere - so soll es für Mastschweine etwa Möglichkeiten zum Duschen und Wühlen geben sowie ein unbegrenztes Angebot an sogenanntem Raufutter, Stroheinstreu oder anderem organischen Beschäftigungsmaterial.

Für alle Tiere ab 30 Kilogramm Gewicht ist im «Stall der Zukunft» zudem Zugang zu einem Aussenklimabereich vorgesehen. Die Verwendung von Holz beim Stallbau soll überdies Nachhaltigkeitsanforderungen und «ästhetischen Aspekten» gerecht werden.

Die Kosten eines solchen Stalls und der Haltungsbedingungen könne allerdings «nicht allein der Landwirt tragen», betonte Klöckner. Die Forscher gehen in der Summe von Mehrkosten allein in der Erzeugung von deutlich über 30 Euro je verkauftem Mastschwein aus.

«Verbraucher müssen bereit sein, für die Anforderungen, die sie stellen, auch an der Kasse zu zahlen», erklärte Klöckner. Durch das von ihr angestrebte staatliche Tierwohlkennzeichen werde es künftig möglich sein, «den Mehrwert der so erzeugten Produkte abzubilden».

Klöckner hatte im Februar Kriterien für das Tierwohlkennzeichen vorgestellt, am Montag erklärte sie nun, sie arbeite derzeit an der «schnellen Einführung». Das freiwillige Label soll Kunden künftig beim Fleischkauf Rückschlüsse auf die Haltungsbedingungen ermöglichen. Kritiker fordern hingegen eine verpflichtende Kennzeichnung und werfen Klöckner vor, ihre Kriterien seien nicht streng genug.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Carina Konrad erklärte, es sei zu begrüssen, dass Klöckner erkannt habe, dass dem von der Gesellschaft geforderten Wandel in der Tierhaltung mit innovativen Stallkonzepten begegnet werden könne. Anstelle von Millionenbeträgen für «Schönwetterprojekte» wie das staatliche Tierwohllabel bedürfe es aber «gezielter Förderung für zukunftsweisende Betriebe und auch baurechtliche Vereinfachungen zur Umsetzung von Tierwohlmassnahmen», forderte die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses.

Die Grünen-Agrarexpertin Renate Künast warf Klöckner das Zünden von «Nebelkerzen» und einen «PR-Auftritt für ihr sogenanntes Tierwohllabel» vor. Die Landwirtschaftsministerin müsse stattdessen nun endlich handeln und unter anderem die gesetzlichen Mindeststandards der Schweinehaltung anheben.

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