Jedes 6. Kilo Milch für Schweizer Schoggi stammt aus dem Ausland

Antun Boskovic
Antun Boskovic

Bern,

Schweizer Bauern haben derzeit einen Überschuss an Milch. Nun fordern sie, dass die Schokolade-Produzenten aktuell nur noch Schweizer Milch verwenden dürfen.

Milch
Momentan gibt es viel zu viel Schweizer Milch. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Milch von Schweizer Kühen gibt es derzeit im Überschuss. Sie muss teils vernichtet werden.
  • Deswegen fordern Bauern, dass Schoggi-Hersteller nur Schweizer Milch verwenden dürfen.
  • Denn fast jedes sechste Kilo Milch, das zu Schoggi verarbeitet wird, ist aus dem Ausland.

In der Schweiz gibt es derzeit einen Überschuss an heimischer Milch. Die Folge: Sie muss zum Teil vernichtet werden.

«Über die Feiertage mussten wir bis zu zehn LKWs Magermilch pro Woche entsorgen. Und auch jetzt im Januar ist dies weiterhin der Fall.» Das erklärte vor kurzem die Genossenschaft «Mooh» gegenüber Nau.ch.

Zur Veranschaulichung: Typische Milchsammel-LKWs in der Schweiz transportieren 12 bis 17 Tonnen Milch pro Fahrt. Zu der Genossenschaft gehören 3600 Schweizer Milchproduzenten.

Schoggi-Produzenten setzen immer mehr auf ausländische Milch

Nun fordern Schweizer Bauern Solidarität von den hiesigen Schokolade-Produzenten, wie die «NZZ» berichtet. Denn diese benutzen bei der Schoggi-Herstellung immer häufiger Rohstoffe aus dem Ausland – insbesondere Milch.

Laut der Handelsstatistik des Bundes importierten Schweizer Schokolade-Hersteller 2019 rund 1000 Tonnen Vollmilchpulver. 2024 stieg der Import schon auf knapp 5000 Tonnen an.

Wusstest du, dass der Anteil ausländischer Milch in Schweizer Schoggi so hoch ist?

Laut der Zeitung seien in dem Jahr mit der importierten Butter zusammen 62 Millionen Kilogramm ausländische Milch in der Schweiz verarbeitet worden. Heisst: Fast jedes sechste Kilo Milch, das hierzulande zur Schoggi-Verarbeitung benutzt wird, stammt aus dem Ausland.

2025 sei der Anteil zwar zurückgegangen, aber auf hohem Niveau verblieben. Dass die Einfuhr seit 2019 stark zugenommen hat, ist kein Wunder.

Sogenannter Veredelungsverkehr

Denn bis 2019 benötigten die Schokoladen-Hersteller für den Import eine Bewilligung des Bundes. Seither dürfen sie über den sogenannten Veredelungsverkehr ausländische Milchgrundstoffe zollfrei importieren. Dies unter der Bedingung, diese später in verarbeiteter Form zu exportieren.

Dabei wird exportorientierten Unternehmen die Preisdifferenz beim Kauf von Schweizer Milch von der Branchenorganisation Milch (BO Milch) zu drei Vierteln ausgeglichen. Dies soll verhindern, dass die hiesige Milch im internationalen Wettbewerb benachteiligt wird.

Dafür gibt es einen speziellen Fonds. Dennoch setzen viele Schokolade-Produzenten lieber auf die billigere Milch aus der EU.

«Es kann nicht sein, dass ausländisches Milchpulver vergünstigt in die Schweiz gelangt und die Bauern stattdessen auf ihrer Milch sitzenbleiben.» Das sagt Martin Hübscher, Präsident der Produzentenorganisation Mooh und SVP-Nationalrat, gegenüber der Zeitung.

Zusammen mit zwei weiteren SVPlern hat er einen offenen Brief an Landwirtschaftsminister Guy Parmelin verfasst. Sie fordern einen Import-Stopp für ausländische Milch.

Chocosuisse: «Können Übermengen im Milchmarkt kurzfristig nicht auffangen»

Doch so einfach ist das laut dem Verband Chocosuisse nicht. «Wir können strukturelle Übermengen im Milchmarkt kurzfristig nicht auffangen», sagt Sprecherin Lydia Toth der Zeitung.

Schliesslich werden 70 Prozent der Schweizer Schokolade exportiert. Die Konkurrenz aus dem Ausland könnte die Rohstoffe zu deutlich niedrigeren Preisen beziehen.

Sollten Schweizer Schoggi-Hersteller wieder mehr auf Schweizer Milch setzen?

«Ein Importstopp oder zusätzliche Einschränkungen beim Bezug von Vorprodukten würden diesen Wettbewerbsnachteil weiter verschärfen – mit dem Risiko, dass Wertschöpfung aus der Schweiz abwandert.» Laut Chocosuisse ist das weder im Interesse der Industrie noch der Milchproduzenten.

Auch Parmelins Landwirtschaftsdepartement stellt klar: Eine Aussetzung der Milchpulver-Importe stehe derzeit nicht zur Diskussion.

Mit einem Stopp des Imports würde man Handelsabkommen verletzen. Die bisherige Regelung habe sich zudem bewährt.

«Mooh» erklärte gegenüber Nau.ch schon letzte Woche zur Milch-Krise: «Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich der Detailhandel und der Schweizer Konsument in der für die Bauern sehr schwierigen Situation noch etwas mehr als sonst für Schweizer Milchprodukte entscheiden würde.»

Kommentare

User #6440 (nicht angemeldet)

Xenia ist Unternehmerin? Was macht den ihre Firma und hat diese Angestellte? Ein bisschen Recherche tut Not,

User #3985 (nicht angemeldet)

Und der Kakao kommt zu 100 Prozent aus dem Ausland, was stört dann das bisschen Milch? Wir kaufen praktisch alles in Deutschland, einfach weil der Preis dort niedriger ist. Man merkt bei Milch und Butter keinerlei Unterschiede, außer beim Preis. Ich brauche die CH Bauern nicht. Die Schweiz ist nur zum verdienen gut.

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