Druck auf Swatch-Führung wächst
Die Swatch Group ist angeschlagen: Der Umsatz des Uhrenkonzerns sinkt stetig, und unter dem Strich verblieb im letzten Jahr nur noch ein Minigewinn. Auch wenn Konzernchef Nick Hayek mit Blick in die Zukunft Optimismus versprüht, werden Forderungen nach tiefgreifenden Veränderungen in der Firmenführung immer lauter.

Am kommenden Mittwoch lädt die Swatch Group am Hauptsitz in Biel zur Bilanzmedienkonferenz. Die Kennzahlen zum vergangenen Jahr hat der Konzern bereits Ende Januar publiziert. Diese fielen alles andere als erfreulich aus. Hayek muss aufzeigen, wie er die Gruppe aus dem Tief führen will.
Belastet von der anhaltenden Nachfrageschwäche im chinesischen Markt, dem starken Franken und den Zollwirren in den USA schrumpfte der Umsatz 2025 um weitere 6 Prozent auf 6,3 Milliarden Franken. Der Rekord aus dem Jahr 2014 liegt rund 2,5 Milliarden höher.
Aller Schwierigkeiten auf der Absatzseite zum Trotz und in der Hoffnung auf eine Marktbelebung, hält die Swatch Group an den Produktionskapazitäten fest und verzichtet auf Entlassungen oder die Einführung von Kurzarbeit. Als Folge davon erzielt die Gruppe kaum noch Gewinn.
Im Jahr 2025 hat sich der Betriebsgewinn mit 135 Millionen Franken mehr als halbiert. Der Gewinn brach um knapp 90 Prozent auf 25 Millionen ein. Traummargen von 25 Prozent und mehr gehören längst der Vergangenheit an. Im letzten Jahr lag die operative Marge bei mickrigen 2,1 Prozent.
Immerhin hatte Hayek zuletzt in China, Hongkong und Macau Erholungstendenzen ausgemacht. Davon gehen auch Analysten aus. «2026 hat recht gut begonnen und wir rechnen mit einem Wachstum der chinesischen Nachfrage um 5 bis 6 Prozent», sagt Bernstein-Analyst Luca Solca.
Zum Problem könnte der Iran-Krieg werden, sollte er das weltweite Wirtschaftswachstum bremsen. «Die Luxus-Ausgaben hängen stark vom Wohlbefinden ab. Ist die Stimmung gedämpft, sind Konsumenten weniger dazu bereit, Geld auszugeben», erklärt Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel.
Sorgen bei der Swatch Group bereitet Analysten und Anlegern der bewusste Verzicht auf Profit. «Die Gruppe sollte ihre Strategie anpassen und das Geschäft stärker an der Realität der Märkte ausrichten», sagt Solca. Überkapazitäten müssten längst abgebaut werden.
«Es braucht Veränderungen in der Geschäftsleitung, einen neuen Konzernchef und neue Mitglieder im Verwaltungsrat, jüngere Leute, die neue Ideen einbringen», so Solca. CEO Nick Hayek ist 71 Jahre alt und hat das Zepter vor 23 von seinem Vater und Firmengründer Nicolas G. Hayek übernommen.
An der Spitze des Verwaltungsrats steht seit dem Tod von Nicolas Hayek 2010 dessen Tochter Nayla. Auch ihr Rücktritt wurde schon gefordert. Das Sagen hat aber die Hayek-Familie. Der Hayek-Pool hält dank der stimmgewichtigen Namenaktien gut 44 Prozent der Stimmrechte.
Das bekam auch der US-Investor Steven Woods zu spüren. Er kandidierte an der letzten Generalversammlung im vergangenen Mai gegen den Willen der Hayek-Familie für einen Sitz im Verwaltungsrat und scheiterte mit der Kandidatur als Vertreter der Inhaberaktionäre deutlich.
Doch Woods lässt nicht locker und will an der nächsten GV vom 12. Mai ein weiteres Mal antreten. Dabei fordert er einen separaten Wahlgang für die Vertretung der Inhaberaktionäre, was die Swatch Group ablehnt. Auch mehrere Änderungsanträge von Woods zu den Statuten weist der Konzern zurück.
«Mit seinen Begehren versucht Woods, den Verwaltungsrat und damit indirekt die Familie Hayek anzugreifen», sieht Bertschy die Vorkommnisse kritisch. Doch auch er hält Veränderungen für wünschenswert: «Es ist notwendig, unabhängige und erfahrene Stimmen von aussen in den Verwaltungsrat zu holen.»










