Crans-Montana: Tessiner rastet im Italo-TV wegen Rechnungen aus
Italien schäumt, weil die Schweiz im Fall Crans-Montana Italien Rechnungen stellt. Filippo Lombardi verteidigt das Vorgehen – und äussert sich deplatziert.
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Das Wichtigste in Kürze
- In einer TV-Show gehen die Wogen wegen der Spital-Rechnungen an Italien hoch.
- Er rede wie ein Bürokrat, wirft ein Gast dem Tessiner Politiker Filippo Lombardi vor.
- Dann sagt Lombardi etwas, was er nie hätte sagen sollen.
Italien ist stinksauer auf die Schweiz. Bereits Punkte verloren hat sie im Nachbarland wegen der Kritik an den Ermittlungen im Fall Crans-Montana VS.
Das Fass zum Überlaufen bringen die Spital-Rechnungen aus Sitten VS, die bei den Familien italienischer Brandopfer reingeflattert sind. Es sind Kopien, die Familien müssen nicht zahlen – italienische Versicherungen aber schon.
Die Rechnungen sind am Montag auch Thema in der italienischen Talksendung «Quarta Repubblica» auf «Rete 4». Das Vorgehen in Schutz nimmt der Luganeser Stadtrat Filippo Lombardi.
Unter anderem macht er auf den «runden Tisch» aufmerksam. Dieser soll die Opfer der Brandkatastrophe, ihre Angehörigen, die betroffenen Versicherungen, potenziell leistungspflichtigen Personen sowie die zuständigen Behörden zusammenbringen.
Später eskaliert die Diskussion jedoch.
«Kein bisschen Herz»
Die Journalistin Hoara Borselli geht mit der Schweiz in der Sendung hart ins Gericht. «Die Schweiz hat gezeigt, dass sie kein bisschen Herz, Empathie und Humanität hat», schimpft sie.
Auch habe sie keinen Respekt für die Familien der Opfer. Das Verhalten der Schweiz sei seit Beginn der Katastrophe eine Schande.
Borselli wirft Filippo Lombardi vor: «Sie reden wie ein Bürokrat.» Sie sei Mutter, betont sie. Dann brennen bei Lombardi die Sicherungen durch.
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«Auch ich bin Vater», brüllt er sie an. «Und mit 14 Jahren schickte ich meine Kinder nicht um halb zwei Uhr nachts in die Disco mit Whisky, Wodka und Champagner.»
Damit bezieht er sich auf die Bar «Le Constellation». Dort kam es in der Silvesternacht zur verheerenden Brandkatastrophe.
Unangenehm: Während seiner Tirade gegen die Eltern ist auch der Vater eines Brandopfers live im Studio zugeschaltet.
«Sind die einzigen Unschuldigen»
Moderator Nicola Porro muss intervenieren. «Das geht nicht», sagt er.
Lombardi könne den Eltern nicht vorwerfen, die Kinder in die Bar gelassen zu haben, weist er sie zurecht. Ob für einen Italiener, einen Schweizer oder einen Franzosen – an Silvester sei dies ein sicherer Ort gewesen. «Sie waren an keinem Rave voller Drogen.»
Er stellt klar: «Die Eltern und die Kinder sind die einzigen Unschuldigen.» Im Fokus der Justiz steht unter anderem das Betreiberpaar der Bar Jacques und Jessica Moretti.
Der Tessiner entschuldigt sich darauf für seine Aussagen. Nicola Porro reagiert trotz allem verständnisvoll. «Das kann in einer Sendung passieren», sagt er und winkt ab.
Filippo Lombardi hat sich gegenüber Angehörigen der Brandkatastrophe nicht zum ersten Mal deplatziert geäussert.
«Er ist einer, der seinen Groll rauslässt und nicht den Schmerz eines Angehörigen.» Dies warf Lombardi dem Vater eines verstorbenen Opfers vor, der die Walliser Justiz kritisierte.












