Alexandra Lüönd: «Darum date ich lieber jüngere Männer»
«Jüngere Männer sind mutiger und emotional zugänglicher als Millennial-Männer», schreibt unsere Beauty-Kolumnistin Alexandra Lüönd (38).

Das Wichtigste in Kürze
- Alexandra Lüönd schreibt eine monatliche Kolumne über Beauty-Themen.
- Heute schreibt sie über Altersunterschiede in Beziehungen.
Madonna (67) macht's. Heidi Klum (52) macht's. Melanie Winiger (47) macht's. Sie alle daten jüngere Männer. Madonnas Freund Akeem Morris (29) ist 38 Jahre jünger als sie. Heidi Klum und Tom Kaulitz (36) trennen 16 Jahre. Und Melanie Winiger und ihr Verlobter Timo Todzi (32) sind 15 Jahre auseinander.

Kein Grund, gleich schockiert zu sein. Denn: Männer daten schon seit Generationen jüngere Frauen. Und keiner stört sich daran.
Doch jetzt kommt ein neuer Trend. Immer mehr Frauen über vierzig entscheiden sich für einen jüngeren Partner. Und ich verstehe gut, warum dem so ist!

Gen-Z-Männer: Mehr Respekt gegenüber Frauen
Ich war in den letzten Monaten auf einem Date mit einem Kinderarzt, einem Salesmanager und einem Unternehmer. Was alle drei gemeinsam hatten? Alle drei waren 27-jährig. Also elf Jahre jünger als ich.
Und ich frage mich, warum ich mit dem Daten von jüngeren Männern nicht schon viel früher angefangen habe.
«Millennial»-Männer wurden in einer Zeit gross, in der es normal war, dass die 22-jährige Monica Lewinsky nach der Affäre mit Bill Clinton öffentlich gedemütigt wurde – während Clinton im Amt blieb und seelenruhig weiterregierte. Sie schauten Serien wie «Baywatch», erzählten sich munter Blondinen-Witze und schielten auf Seite-3-Girls.
Die «Gen-Z»-Männer hingegen sind anders geprägt: Sie sind in einer Welt nach «MeToo» Gross geworden. Und haben dadurch eine andere Sicht auf Frauen.
Diese Männer hinterfragen traditionelle Rollenbilder. Und sie sehen Frauen weder als «Trophy-Wives» noch als Bedrohung.
Junge Männer sind offener und emotional zugänglicher
Junge Männer fühlen sich weniger von meinem Erfolg als Unternehmerin eingeschüchtert. Im Gegenteil: Sie sind davon beeindruckt.
Sie sprechen mich auch eher an, sind mutiger – und können besser mit mir mithalten. Denn sie haben mehr Energie. Und das brauche ich bei einem Partner. Als Unternehmerin stecke ich nämlich ständig voller Ideen und Tatendrang. Ich habe mehr Energie als viele in meinem Alter.
Doch das ist nicht alles: Männer der «Millennial»- oder «Gen-X»-Generation wurden von klein auf darauf getrimmt, keine Gefühle zu zeigen. Ja keine Schwäche, ja nicht weinen, hiess es. Manche wechseln daher lieber die Partnerin, anstatt sich einem ernsten Gespräch über die Beziehung zu stellen.
Jüngere Männer sind da anders. Für sie sind Mental Health, Therapie und offene Gespräche selbstverständlich. Sie reflektieren sich und sprechen über Emotionen. Frauen fühlen sich dadurch verstanden.
Was für Männer okay ist, wird bei Frauen kritisiert
George Clooney (64) und seine Frau Amal (48) trennen 17 Jahre. Kein Thema. Blake Lively (38) und Ryan Reynolds (49) elf Jahre. Auch kein Thema. Aber wehe, es ist umgekehrt.
Heidi Klum (52) und Tom Kaulitz (36) müssen sich auch nach acht Jahren Beziehung noch immer für ihren Altersunterschied rechtfertigen. Auch die Schauspielerin Sienna Miller (44) wurde auf Social Media heftig angefeindet wegen ihrer Beziehung zu dem 15 Jahre jüngeren Oli Green (29), mit dem sie ihr zweites Kind erwartet.

Untersuchungen bestätigen diese Doppelmoral. Menschen verurteilen Paare mit Altersunterschied eher, wenn die Frau älter ist, als wenn der Mann älter ist.
Das erklärt vielleicht auch, wieso diese Beziehungsform immer noch selten ist. In der Schweiz haben fast 60 Prozent der heterosexuellen Männer eine jüngere Partnerin. Aber nur 13 Prozent der Frauen einen jüngeren Partner.
Ältere Frauen mit jüngeren Männern glücklicher
Jüngere Männer zu daten, lohnt sich. Und das ist nicht nur meine Meinung. Eine Studie des amerikanischen Sozialpsychologen Justin J. Lehmiller aus dem Jahr 2023 zeigt: Ältere Frauen mit jüngeren Partnern gehören zu den zufriedensten und engagiertesten Partnerinnen. Trotz gesellschaftlichem Stigma.
Lehmiller führt das darauf zurück, dass diese Beziehungen gleichberechtigter sind – und Frauen ihre Bedürfnisse offener besprechen und durchsetzen können.
Ein weiterer praktischer Vorteil: Der Dating-Pool, der mit zunehmendem Alter und Erfolg immer kleiner wird (wie ich in meiner Januar-Kolumne schrieb), wird durch die Ausweitung auf jüngere Männer wieder grösser.

Es geht nicht nur ums Alter, sondern um Haltung
Bevor sich jetzt alle «Millennial»- oder «Generation-X»-Männer angegriffen fühlen: Es geht nicht nur einfach ums Alter.
Die Essenz dieser Kolumne ist nicht, dass jüngere Männer allein wegen ihrer Jugendlichkeit besser sind. Sondern weil sie Frauen anders begegnen. Weil sie traditionelle Rollenbilder hinterfragen – und über Gefühle sprechen können.
Natürlich gibt es auch Männer über 40, die das können. Die sind nur leider eher selten.
Am Ende zählt, wie gut man miteinander kommuniziert und sich respektiert. Und bis die «Millennial»-Männer das gelernt haben, date ich weiterhin 27-Jährige.
Zur Person
Alexandra Lüönd ist eine führende Unternehmerin im Beauty- und Medical-Retail. Als Gründerin der Beauty2Go-Kliniken sowie «Brows & Brows» schuf sie die grössten Ästhetik-Ketten in der Schweiz. Mit «Brows & Brows» revolutioniert sie die PMU-Branche. Die 38-Jährige schreibt regelmässig Kolumnen für Nau.ch.








