Der Franken ist gegenüber dem Euro so stark wie seit 2015 nicht mehr. Dennoch hält die Schweizerische Nationalbank die Füsse still. Warum?
Thomas Jordan
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB). - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktuell rangiert der Euro deutlich unter 1,04 Schweizer Franken.
  • Trotz dieser Aufwertung des Frankens reagiert die SNB bislang nicht.
  • Dies, weil Schweizer Firmen nicht bedrängt sind, meint ein Experte.

Der Euro galt als stets standhaft. Doch mit Beginn der Eurokrise im Jahr 2010 geriet die Gemeinschaftswährung zunehmend ins Wanken. Inzwischen wird der Euro unter 1,04 Franken gehandelt – so tief wie seit 2015 nicht mehr.

Ausschlaggebend für die Schwäche des Euro ist, dass sich die Wirtschaft der Schweiz besser entwickelt als die der Eurozone. So ist die Inflation hierzulande deutlich geringer als im Euroraum.

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Seit Frühling 2021 befindet sich der Euro gegenüber dem Franken im Abwärtstrend. - cash.ch

An sich nichts Ungewöhnliches – dafür aber die Reaktion der Schweizerischen Nationalbank. Denn: Sie hält sich still. «Normalerweise wäre eine deutliche Reaktion der SNB zu erwarten gewesen», sagt Elias Hafner, Leiter Devisenstrategie bei der Zürcher Kantonalbank. Wie etwa Mitte 2020 als die Nationalbank die Marke von 1,05 noch mit enormen Devisenkäufen verteidigt hatte.

Um Schweizer Firmen ist es nicht schlecht gestellt

Warum also dieses Mal nicht? Ausschlagend ist die Tatsache, dass die SNB die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Firmen insgesamt noch nicht arg in Bedrängnis sieht.

«Die SNB betrachtet die gesamte Währungssituation, nicht nur jene zwischen dem Euro oder dem Schweiz Franken», so Hafner. So wertete sich der Franken gegenüber den Währungen der Handelspartner USA, Grossbritannien und China weit mehr ab – als auf. Auch hätten viele Unternehmen für das letzte Jahr bereits mit einem tiefen Kurs budgetiert.

Elias Hafner
Elias Hafner, Leiter Devisenstrategie bei der Zürcher Kantonalbank. - zVg

«Drittens – und damit auch am zentralsten – sind die Preise im Euroraum», betont Hafner. Diese seien im letzten Jahr deutlich stärker gestiegen als in der Schweiz – insbesondere die Energiepreise.

«Damit sind die Exporteure zwar mit einem deutlich tieferen Euro-Franken-Kurs konfrontiert, leiden aber in der Produktion an weniger starken Preisaufschlägen.» Unter dem Strich sind die Schweizer Firmen also nicht schlechter gestellt.

Schwächung des Frankens in der zweiten Jahreshälfte

Wie lange die starke Aufwertung des Frankens anhalten mag, ist aufgrund der Corona-Pandemie nur schwer abschätzbar. Elias Hafner rechnet allerdings in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung auf 1,08 Franken.

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Eine Gleichstellung zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken dürfte bald Realität sein. - Keystone

«Längerfristig wird der Franken gegenüber dem Euro aber immer weiter zu Stärke neigen», fasst Hafner zusammen. «Unternehmen müssen sich auf einem Mehrjahreshorizont also auf einen Euro-Franken-Kurs bei Parität und darunter einstellen.»

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