China-Abkommen bringt mehr als tiefere Zölle
Der Nutzen des erweiterten Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China geht laut Wirtschaftsverbänden und Ökonomen weit über die reine Zollersparnis hinaus. Die Schweizer Wirtschaft werde dadurch wettbewerbsfähiger, auch wenn es Risiken gebe.

Wirtschaftsverbände und Ökonomen begrüssen durch die Bank den Ausbau des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und ihrem drittwichtigsten Handelspartner China. «In einer Welt mit zunehmenden Handelskonflikten und geopolitischen Spannungen stärkt die Schweiz damit ihren Zugang zu einem ihrer wichtigsten Absatzmärkten», schreibt etwa der Wirtschaftsverband Economiesuisse.
Von den geplanten Zollbefreiungen fast aller Exportgüter werden laut der Migros Bank vor allem die Branchen Maschinenbau, Automation und Präzisionstechnik, Pharma, Chemie und Medtech, Uhren und Luxusgüter, Premium-Nahrungsmittel wie auch Dienstleistungen profitieren. Darunter seien insbesondere Firmen, die schon «etablierte Absatzkanäle nach China» haben. Als konkrete Beispiele nennt die Bank ABB, Bühler, Georg Fischer, Roche, Novartis, Straumann, Swatch Group oder Richemont.
Jedoch werden kaum Unternehmen mit «austauschbaren Massenwaren» profitieren. Auf der Gewinnerseite werden eher «Firmen, die Präzision, Vertrauen und technologisches Know-how exportieren» sein, heisst es bei der Migros Bank weiter.
Unterstützung kommt auch von der Pharmabranche. So verschaffe das Abkommen laut dem Branchenverband Interpharma der Schweiz einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Ländern, die keine entsprechende Vereinbarung haben. Wichtig sei primär der Schutz des geistigen Eigentums, der jedoch auch schon im vorherigen Abkommen geregelt wurde.
Auch wenn es bisher kaum Zölle für Pharmaprodukte gab, stelle das neue Abkommen eine «Verbesserung und Klärung» dar. «Insbesondere, da China kein Teilnehmer des WTO-Pharma-Nullzollabkommens ist», so Interpharma weiter. «Auch die modernisierten Ursprungsregeln und Handelserleichterungen sind für unsere international stark verflochtene Industrie von grosser Bedeutung», ergänzte der Verband Scienceindustries.
Das Abkommen mit China stammt noch aus dem Jahr 2014 und ist laut Rudolf Minsch, Leiter Wirtschaftspolitik & Aussenwirtschaft bei Economiesuisse, «etwas in die Jahre gekommen». Ein Facelift sei daher nötig gewesen und mit dem Ergebnis zeigte er sich sehr zufrieden.
Insgesamt sei «das Abkommen ein wichtiger Verhandlungserfolg für die Schweiz», sagte Minsch weiter. Es sei auch ein Zeichen dafür, dass die Schweiz international Handelspartner sucht.
Die konkreten Zolleinsparungen für die Schweizer Wirtschaft werden auf rund 244 Millionen Franken geschätzt. Daher dürfte der «unmittelbare BIP-Effekt begrenzt bleiben», so die Migros Bank. «Die Bedeutung des Abkommens liegt vielmehr in seiner strategischen Dimension.» So diversifiziert die Schweiz ihre Absatzmärkte weiter und macht sich etwas unabhängiger von «zunehmend unsicheren Handelsbeziehungen» mit den USA und Europa.
Auch Minsch teilt diese Meinung. Das Abkommen sorge für eine stärkere «Diversifikation» des Schweizer Wirtschaftsstandorts. Gerade in Anbetracht der aktuellen weltweiten Handelsverwerfungen sei das Abkommen daher auch ein wichtiges Signal an die Handelspartner.
Ein «Konjunkturwunder» ist laut der Migros Bank jedoch nicht zu erwarten. «Es sorgt letztlich dafür, dass Schweizer Innovation nicht an der Zollschranke hängen bleibt.»
Obwohl die Zölle fast vollständig verschwinden, bleibt laut der Migros Bank das «China-Risiko». Anspruchsvoll blieben daher insbesondere Marktzugang, Schutz geistigen Eigentums, Datenvorgaben und geopolitische Konflikte. Ebenfalls besteht die Gefahr, dass Schweizer Unternehmen bei wieder aufflammenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China «zwischen die Fronten geraten».
Scienceindustries hebt hervor, dass «China ein anspruchsvoller Markt mit hohen Anforderungen und einem intensiven Wettbewerbsumfeld» bleibe. Zudem würden nicht in «allen Bereichen sämtliche Zölle unmittelbar wegfallen». Es sei daher nun entscheidend, dass die Rahmenbedingungen schnell umgesetzt werden.
Minsch betonte auch, dass der chinesische Markt hoch kompetitiv ist und damit sehr herausfordernd für Schweizer Unternehmen sei, was auch ein gewisses Risiko berge. Jedoch würde die Schweiz auch ohne das Handelsabkommen vor dieser Herausforderung stehen, sagte er weiter.






