Boeing stellt ab Januar die Produktion der 737 MAX vorübergehend ein.
Boeing-Werk in Renton
Boeing-Werk in Renton - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Flugzeugtyp gilt nach zwei Abstürzen weltweites Flugverbot.
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Die Entscheidung sei während der «kontinuierlichen Überprüfung der Produktionspläne» angesichts des fortdauernden weltweiten Flugverbots gefallen, teilte der US-Flugzeughersteller am Montag mit. Das Flugverbot für die Boeing 737 MAX gilt seit März, nachdem bei zwei Abstürzen von Passagiermaschinen dieses Typs insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren.

Boeing hatte gehofft, noch in diesem Jahr eine Wiederzulassung für 737 MAX zu bekommen. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA erklärte aber am vergangenen Mittwoch, sie werde das Flugverbot in diesem Jahr nicht mehr aufheben. Der Prozess einer Wiederzulassung werde sich ins Jahr 2020 ziehen. Die Behörde warf dem Konzern vor, «unrealistische» Zeitpläne für die Wiederaufnahme des Betriebs der Maschine verfolgt zu haben.

Die FAA, die selber wegen der Abstürze in die Kritik geraten ist, will laut eigenen Beteuerungen die 737 MAX erst wieder dann in den Betrieb gehen lassen, wenn deren maximale Sicherheit garantiert ist. Boeing hatte trotz der weltweit von den Behörden nach den Abstürzen in Indonesien und Äthiopien erlassenen Flugverbote die Produktion der 737 MAX fortgesetzt. In der Fabrik in Renton im US-Bundesstaat Washington wurden monatlich 40 Maschinen des Typs gebaut.

Nun erklärte der Konzern, bereits in der Vergangenheit habe er dargelegt, dass die Produktionspläne für den Fall eines länger andauernden Flugverbots stetig überprüft würden. «Als Ergebnis dieser andauernden Überprüfung haben wir entschieden, der Lieferung gelagerter Flugzeuge Priorität zu geben und die Produktion der 737 ab dem kommenden Monat vorübergehend einzustellen.»

Entlassungen oder Zwangsbeurlaubungen von Mitarbeitern seien jedoch nicht geplant, versicherte das Unternehmen. In dem Werk in Renton arbeiten bislang rund 12.000 Beschäftigte an der 737 MAX. Ein Teil von ihnen soll nun in andere Boeing-Anlagen in der Region transferiert werden.

Boeing scheine endlich eingesehen zu haben, dass die internationalen Luftfahrtaufsichtsbehörden sich nicht «der Laune» des Konzerns beugen würden, erklärte der US-Senator Richard Blumenthal.

Boeing steckt seit den Abstürzen einer Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air im Oktober 2018 und eines Flugzeugs der Ethiopian Airlines im vergangenen März in einer tiefen Krise. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

Wegen des weltweiten Flugverbots mussten Fluggesellschaften tausende Flüge streichen und auf andere Maschinen zurückgreifen. Sie verlangen vom Flugzeugbauer deswegen Entschädigungen. Boeing stellte im Juli 5,6 Milliarden Dollar (knapp 5,1 Milliarden Euro) für solche Zahlungen zurück.

Die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines gab am vergangenen Donnerstag eine Entschädigungsvereinbarung mit Boeing bekannt, ohne jedoch deren Höhe zu nennen. Southwest erklärte aber, 125 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter weitergeben zu wollen. Die Fluglinie ist der grösste Abnehmer der 737 MAX in den USA.

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