«Creepy»? Influencer filmt SBB-Kontrolleurin mit Brillenkamera
Ein Influencer filmt eine SBB-Kontrolleurin mit seiner Meta-Brille. Während die SBB kein Problem sieht, mahnt die Kriminalprävention zur Vorsicht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Influencer David Kurmann fotografiert Menschen in ihrem Alltag.
- Die Begegnungen filmt er mit einer Meta-Brille.
- Nicht alle freuen sich darüber, berichtet er – einige drohen gar mit der Polizei. Auch die Kriminalprävention mahnt zur Vorsicht.
«Sorry ganz kurz», fragt ein Mann die SBB-Kontrolleurin im leeren Wagen. «Ich bin gerade dabei, Social-Media-Content zu drehen. Ich wollte fragen, ob ich von Ihnen zwei, drei Föteli machen darf.»
Die Kontrolleurin wirkt überrumpelt. «Jetzt?», fragt sie. Ja, meint er und schüttelt ihr die Hand. Er stellt sich als «David» vor.

Die Kontrolleurin, die sich als «Melanie» vorstellt, willigt ein und lässt den Mann ein paar Fotos von sich schiessen.
Später veröffentlicht er ein Video der Begegnung auf Social Media. Dazu fragt er seine Follower, ob Melanie «die schönste Frau der SBB» sei.
Viele zeigen sich begeistert ob den «wunderschönen» Fotos – doch es gibt auch Kritik.
Denn: Gefilmt hat er das Ganze mit einer Meta-Brille. Also einer Brille mit eingebauter Kamera. Und im Video scheint es so, als wüsste die Frau nicht sofort, dass sie gefilmt wird.
«Reaktionen reichen von Begeisterung bis zur Ankündigung, die Polizei zu rufen»
Ein User kritisiert auf Instagram, dass der Mann mit der Brille filmte. «Voll der Creep», urteilt er – er findet ihn also «gruselig».
Hinter dem Video – und vielen anderen in dem Stil – steckt Influencer David Kurmann. Er betont gegenüber Nau.ch, dass er die Kontrolleurin darüber informiert hat, dass sie gefilmt wird. Im Video ist davon nichts zu hören.
«Ich habe sie spontan getroffen und angesprochen», berichtet er.
Die meisten Rückmeldungen zu seinen Videos seien sehr positiv. «Viele sind überrascht, wie gut die Videos sind und wie seriös ich mit dem Ganzen umgehe.»
Es gebe aber natürlich auch Kritik. «Viele Menschen rechnen nicht damit, mit einer Brille gefilmt zu werden. In der Regel informiere ich sie nach etwa zehn, 15 Sekunden», erzählt er.
«Die Reaktionen reichen von Begeisterung bis hin zur Ankündigung, die Polizei zu rufen.»
Kurmann will positive Begegnungen vermitteln
«Es ist sehr schwierig in der Schweiz, Menschen zum Fotografieren zu finden», sagt er. Viele hätten keine Zeit oder wollten nicht im Internet erscheinen.
Ein Beispiel: Am vergangenen Samstag hätten in Zürich von 30 angesprochenen Personen lediglich vier zugestimmt.
Kurmanns Projekt hat einen persönlichen Hintergrund: Nach dem Tod seines Vaters habe ihm die Fotografie geholfen, wieder Freude und Sinn im Leben zu finden.
«Mein Ziel ist es, mit der Fotografie der Schweiz wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern», erklärt er.
Die Kamera-Brille sei dabei lediglich ein Werkzeug, sagt der Mann aus Sursee LU mit 3800 Followern auf Instagram. Im Mittelpunkt stünden die Menschen und positive Begegnungen.
SBB sieht kein Problem
Der Arbeitgeberin der jungen Frau, der SBB, ist das Video bekannt. Die Kundenbegleiterin sei von Kurmann gefragt worden, ob er Fotos oder Videos von ihr machen dürfe.
«Sie hat spontan zugesagt», schreibt die SBB auf Anfrage von Nau.ch. Der Mitarbeiterin sei bewusst gewesen, dass sie mit der Brille gefilmt wurde.
Auch ihre Arbeit sei nicht beeinträchtigt worden. «Das Abteil war leer und es waren keine Kunden betroffen», erklärt das Unternehmen.
Es komme regelmässig vor, dass Reisende Fotos mit Mitarbeitenden in Uniform machen möchten. Wenn die Mitarbeitenden einverstanden seien und ihre Arbeit nicht darunter leide, könnten sie selbst entscheiden, ob sie sich fotografieren liessen.
Kriminalprävention mahnt zur Vorsicht
Auch, wenn Kurmann mit seinen Videos Positives bewirken will: Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) übt Kritik.
Sie betont, dass eine nachträgliche Information eine fehlende Einwilligung nicht ersetze. Heisst: Jemanden erst nach zehn Sekunden darüber zu informieren, dass er gefilmt wird, wie David Kurmann das tut, geht nicht.
Ehe man bei solchen Anfragen zustimme, sollte man «fragen, wofür die Aufnahmen verwendet werden», rät Geschäftsleiter Fabian Ilg.
«Im Zweifel lieber nein sagen. Denn Aufnahmen können später beliebig verwendet werden (KI, Deepfakes, usw.) und einmal verbreitet, lassen sie sich nie mehr löschen.»
Wer ungefragt gefilmt werde, solle die filmende Person darauf ansprechen, ohne die Situation eskalieren zu lassen. Zudem empfiehlt die SKP, vor einer Aufnahme nach deren Verwendungszweck zu fragen.
















