Alpiq-VRP: Staat und Betreiber müssen sich Gösgen-Risiko teilen
Nach Ansicht von Alpiq-Präsident Johannes Teyssen wäre es grundsätzlich sinnvoll, wenn das Atomkraftwerk Gösgen möglichst lange läuft. «Es ist schlicht die günstigste Lösung für das Land und für die auf wettbewerbsfähige Strompreise angewiesene Industrie», sagte er im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» am Mittwoch. Und es könne deutlich länger betrieben werden als fünfzig oder sechzig Jahre.

Ob es letztendlich tatsächlich so kommt, sei jedoch eine «extrem schwierige Entscheidung» für Alpiq. «Wir müssten zuerst zehn Jahre lang Dutzende Millionen investieren – ohne zu wissen, wie rentabel die Anlage in zwanzig oder dreissig Jahren sein wird, wenn noch mehr billiger Solarstrom den Markt flutet.»
Daher ist der Teyssen der Meinung, dass sich der Staat und der Betreiber «bei dieser Jahrhundertaufgabe das Risiko aufteilen» müssten. Das werde in vielen Ländern so gemacht: So stehe hinter dem Stromversorger EDF in Frankreich der Staat und damit die Staatsbilanz. In England, Belgien oder Osteuropa würden die Betreiber mit den Regierungen Partnerschaften eingehen. «Klar ist: Alleine kann Alpiq eine solche Aufgabe unmöglich stemmen.»
Mit Blick auf die Diskussion über den Bau neuer Kernkraftwerke warnte er derweil davor, eine «Scheindebatte» zu führen. «Selbst wenn die Stimmbürger das Technologieverbot aufheben, steht noch kein einziges neues Kraftwerk.»
Zudem sei die Schweiz gut beraten, bei neuen Technologien nicht die Vorreiterrolle zu suchen, aber auch nicht die Vergangenheit nachzubauen. Bei hochmodernen Kleinreaktoren seien die finanziellen Risiken der Anfangsphase zu gross. Derzeit würden amerikanische Unternehmen und Milliardäre Unmengen Geld in diese Technologien investieren, weil sie Strom für ihre KI-Rechenzentren benötigten. «Es ist klug, diese immensen Entwicklungskosten vorerst von anderen tragen zu lassen und in Ruhe zu beobachten, was sich in der Praxis bewährt.»
Die Sorge, ob die Schweiz langfristig genug Strom haben wird, sei berechtigt: «Zumindest bei den grossen Infrastrukturen hat die Schweiz ihren unternehmerischen Antrieb leider etwas verloren. Man macht einen ehrgeizigen Plan nach dem anderen – und stellt dann fest, dass sich praktisch nichts umsetzen lässt», monierte der Alpiq-Präsident.
Als Beispiel nannte er etwa die als wichtig eingestuften fünfzehn Wasserkraftprojekte. Eigentlich müsste das Land seine Kapazitäten zügig ausbauen. «Stattdessen kämpfen wir heute darum, nur schon das Bestehende zu erhalten.»










