Am 15. Mai wurden Aktionen fürs Klima durchgeführt. Die Miteinbeziehung von sozialen Themen sorgte teilweise für Kritik. Die Klimabewegung erklärt sich.
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Die Klimabwegung trotzte am 15. Mai dem Regen. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Klimabewegung trotzt der Corona-Pandemie.
  • Anna Lindermeier und Lorenz Obrist sind Klimaaktivisten des Klimastreiks.
  • Im Gastbeitrag erklären sie, weshalb dies so ist.

«Uns reichts! Coronakrise, Wirtschaftskrise, Klimakrise, und immer müssen wir sie ausbaden. Während sich Andere eine goldene Nase daran verdienen, bietet uns dieses System keine Perspektive!»

Das fanden über 30'000 Menschen vorletzten Freitag, die trotz starkem Regen und erschwerten Corona-Bedingungen am Strike for Future teilnahmen. Die Aktionsformen waren vielfältig, von Workshops über Sitzstreiks, Velodemos und Podiumsdiskussionen bis zu Demonstrationen.

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Mit verschiedenen Aktionen auf den Klimawandel aufmerksam gemacht. - zvg

Der Klimaschutz war dabei nicht alleiniges Thema. An vielen Aktionen ging es nicht nur darum, dass der Planet nicht kaputt gemacht wird. Es wurde auch eine lebenswerte Zukunft gefordert. Da dieses System keine Zukunft biete, brauche es eine nachhaltige, soziale, solidarische und feministische Gesellschaft.

Dass sich dies nicht ausschliesst, sondern vielmehr gegenseitig ermöglicht, zeigte der Klimastreik mit dem im Januar erschienen Klimaaktionsplan.

Kritik gerechtfertigt?

Mit den vielfältigen Themen und Aktionen am 21. Mai handelte sich der Klimastreik von verschiedenen Medien unter anderem auch Kritik ein. Die geäusserten Anliegen seien zu viele und zu verschieden. Der Klimastreik würde sich mit dem Strike for Future verzetteln, den Fokus verlieren, lauten weitere Schlagzeilen.

Aber gibt es überhaupt Klimaschutz, bei welchem Themen wie soziale Gerechtigkeit keine Rolle spielen?

Die Diskussion um das neue CO2-Gesetz spricht für etwas anderes. Hauptsächlich geht es um sozialpolitische Instrumente wie Abgaben, darum wie sozial verträglich diese sind, wer die Emissionen verursacht und wer den Einfluss hat, sie zu verhindern.

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Neben dem Klima waren auch soziale Themen an der Tagesordnung. - zvg

Technische und wirtschaftliche Prozesse, wie das Bauen und Heizen von Häusern, die Produktion von Lebensmitteln, der Transport und die Energieproduktion müssen verändert werden, damit sie weniger Emissionen verursachen. Das heisst immer auch eine neue Organisation unseres Arbeitsalltages, eine andere Verteilung der Arbeit und des Wohlstandes.

Weiter bietet das Umstellen unserer Lebensweise die Chance auf mehr Lebensqualität, da diese oft nicht nur unökologisch, sondern auch ungesund und stressig ist.

Trennung von sozialen Fragen sinnlos

Wieso wird von der Bewegung also verlangt, nur über das Klima zu reden, und dabei nicht die sozialen Mechanismen in unserer Gesellschaft anzusprechen, bei welchen die Emissionen verursacht werden? Oder die Chancen zu zeigen, welche eine Veränderung bieten?

Ein Blick auf die Flugindustrie zeigt deutlich, wie sinnlos es ist, das Klima von sozialen Fragen zu isolieren. Hier stellt eine wirksame Klimapolitik eine Gefahr für den Verlust von vielen Jobs dar, jedoch ist eine Veränderung der Branche auch eine Chance für die Angestellten sich selber einzubringen und für ihre Interessen einzustehen.

Dass beispielsweise die Gewerkschaften beim Strike for Future dabei sind, heisst, dass die berechtigten Sorgen um Jobs und Industrien, die an den Emissionen hängen, ernst genommen werden.

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Auf Velos fürs Klima. - zvg

Grossen Anklang fand dies auch bei vielen Gruppen wie den Kurier:innen von Riders unite, den Lokführer:innen der SBB oder dem Genfer Putzpersonal, welche sich dem Strike for Future angeschlossen haben.

Vielmehr könnte also andersrum die Frage gestellt werden, ob dem ökologischen Interesse überhaupt gedient ist, wenn diese gesellschaftlichen Fragen ignoriert werden und weiterhin nur über Eisbären und Gletscher geredet wird.

Beim Strike for Future werden also nicht einfach zusätzliche Forderungen und Anliegen neben dem Klimaschutz gestellt. Es wird konkreter darauf eingegangen, was gerechter Klimaschutz heisst: Eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

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